Ein Kommentar von Christian Sebald

Trotz Rüffel von Seehofer sieht sich Markus Söder in seinem Kurs bestärkt, die CSU in der Umweltpolitik neu auszurichten. Nicht nur die Bürger sind misstrauisch.

Eigentlich, so meint man, sollte Markus Söders Stimmung dieser Tage ein wenig gedämpft sein. Nicht nur, dass der Putsch gegen den glücklosen Fraktionschef Georg Schmid auf der Kreuther CSU-Klausur vertagt worden ist und sich der machtbewusste Umweltminister noch eine Weile wird gedulden müssen, bis er die nächste Stufe auf der politischen Karriereleiter nimmt.

Bild vergrößern

(© Foto: dpa)

Anzeige

Horst Seehofer hat Söder auch verübelt, dass dieser öffentlich orakelt hatte, die einst so stolze CSU könnte im Zuge des Landesbank-Desasters zu einem "einfachen Landesverband der CDU" absteigen. Er wolle keine solchen "überflüssigen" Interviews mehr hören, schimpfte der Ministerpräsident und Parteichef in Kreuth in die Mikrophone der Journalisten, nachdem er Schmid zuvor demonstrativ den Rücken gestärkt hatte.

Wer nun meint, Söder nähme sich Seehofers Rüffel zu Herzen, der täuscht sich. Söder fühlt sich von der Klausur in Kreuth geradezu bestärkt. Erklärte Seehofer auf der Klausur doch auch, er und die CSU registrierten sehr wohl, "dass nichtökonomische Ziele für die Wähler zunehmend bedeutend werden", und meinte damit vor allem die Umweltpolitik. Und mit den Worten "dieser Punkt bedarf einer Neuausrichtung" räumte Seehofer auch gleich noch den umweltpolitischen Nachholbedarf seiner Partei ein.

Es sind diese Sätze Seehofers, die die CSU-Klausur zum Erfolg für Söder machen. Denn sie fassen das Credo zusammen, das Söder seiner Partei schon seit seiner Zeit als Generalsekretär einzutrichtern versucht.

Freilich misstraut nicht nur die CSU seiner Haltung, wie das bis zuletzt die demonstrativen Parteitagsbeschlüsse für den umstrittenen Donauausbau zeigen. Auch die Wähler tun das. Auf deren Beliebtheitsskala dümpelt Söder stets nur im Mittelfeld.

Ein Grund dafür ist, dass Söder seinem Credo einzig beim Streit um die Donau und bei der Agro-Gentechnik hat Taten folgen lassen. Und selbst das, so glauben viele, habe er einzig aus dem Kalkül getan, beim Wahlvolk zu punkten. Denn bei allen anderen Reizthemen, dem Bau der A94 durch das Isental etwa oder dem Ausbau des Münchner Flughafens, ist Söder stets auf Parteilinie. Angesichts der neuen Adelung durch Seehofer ficht ihn das freilich nicht an, zumindest nicht in diesen Tagen.

Leser empfehlen 

(SZ vom 20.01.2010/bica)