Der CSU laufen die Wähler davon - und prominente Mitglieder reagieren gereizt: Die Umfrage entspreche nicht den Standards der Demoskopie. 50 Prozent plus X seien immer noch erreichbar, so CSU-Chef Huber.

CSU-Chef Erwin Huber hat eine Umfrage, laut der seine Partei nur auf 44 Prozent der Wählerstimmen käme, als "unsinnig und völlig unseriös" zurückgewiesen. "Die CSU geht hochmotiviert in den Wahlkampf, und wir werden die 50 plus X bei der Landtagswahl schaffen", sagte Huber der Passauer Neuen Presse.

Huber, ap

CSU-Chef Erwin Huber verliert an Sympathie. (© Foto: ap)

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"Zugegeben, wir hatten nach der Kommunalwahl eine schwierige Phase", räumte Huber ein. Aber diese sei seit der Klausurtagung von Kreuth vorbei.

Fünf Monate vor der Landtagswahl in Bayern ist die CSU laut einer aktuellen Erhebung des Münchner Instituts für Marktforschung mifm im Auftrag von Antenne Bayern in der Wählergunst auf 44 Prozent abgesackt. Wenn am kommenden Sonntag Wahl wäre, würde sie damit nach mehr als 40 Jahren ihre absolute Mehrheit im Parlament verlieren und könnte nicht mehr alleine regieren. In der Februar-Umfrage des Senders war die CSU noch auf 50 Prozent gekommen. Bei der Wahl 2003 hatten die Christsozialen unter dem früheren Parteichef Edmund Stoiber sogar 60,7 Prozent eingefahren.

CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer und der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer zweifelten die Zahlen ebenfalls an. CSU-Fraktionschef Georg Schmid fragte, ob die Wähler "hessische Verhältnisse" wollten.

Haderthauer sagte, die Umfrage entspreche nicht "den anerkannten fachlichen Standards der Demoskopie". Alle seriösen Umfragen sähen die CSU stabil über 50 Prozent. Seehofer sagte dem Münchner Merkur: "Sobald wir die Landtagswahl gewonnen haben, wird es für das Tandem viel besser aussehen." Er stehe hinter CSU-Chef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein. "Es gewinnt niemand von einem Sturz, auch ich nicht. Ich strebe nichts an. Ich bin glücklich", versicherte der Bundeslandwirtschaftsminister.

Der Passauer Neuen Presse sagte Seehofer: "Ich mag diese Zahlen nicht glauben, ich habe eine andere Empfindung, wenn ich in Bayern unterwegs bin." Realistischer sei eine Umfrage von vergangener Woche, die die CSU bei 51 Prozent sah.

Antenne-Bayern-Chefredakteur Detlef Kuschka wies die Zweifel an der Seriosität und Kompetenz des Umfrageinstitutes zurück. "Es ist verständlich, dass die CSU mit dem Ergebnis dieser Umfrage nicht zufrieden ist." Für die Umfrage seien Mitte und Ende April jeweils 1000 bayerische Wahlberechtigte telefonisch befragt worden. Die Ergebnisse aller Fragen seien mehrfach geprüft worden. Nach der ersten Befragungswelle habe die CSU sogar nur bei 40 Prozent gelegen.

Der Umfrage zufolge finden 67 Prozent der Befragten Beckstein sympathisch, aber nur 41 Prozent Huber. Die Befragten kreideten der CSU Fehler beim Transrapid und in der Schulpolitik an. Als Koalitionspartner der CSU könnte sich die Hälfte der Befragten die FDP, ein Viertel die Freien Wähler vorstellen.

"Systemdebatte verfehlt"

CSU-Chef Huber nahm auch Stellung zu dem Rentenvorstoß des stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Jürgen Rüttgers. "Das Äquivalenzprinzip, nach dem jeder eingezahlte Euro gleich viel wert ist, muss weiter gelten." Eine Systemdebatte über die gesetzliche Rente sei völlig verfehlt. Huber hob jedoch zugleich hervor: "Daneben gibt es aber das Sozialstaatsprinzip." Mit Wohngeld und Grundsicherung gebe es bereits Leistungen, um Altersarmut zu vermeiden. Man müsse in Ruhe ansehen, ob es zur Verhinderung von Altersarmut weiteren Entscheidungsbedarf gebe.

Weiter kündigte der CSU-Chef an, darauf zu achten, dass nach dem geplanten Börsengang der Bahn der Zugverkehr in der Fläche erhalten bleibe. "Und wir wollen, dass die Erlöse aus der Teilprivatisierung auch für die Modernisierung des Schienennetzes eingesetzt werden", fügte er hinzu.

Scharfe Kritik äußerte der CSU-Chef am Abhören von Journalisten durch den BND. "Wir müssen dafür sorgen, dass es solche Überschreitungen wie in dieser Affäre nicht mehr gibt", sagte Huber. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, zudem sei er dafür, dass die Kontrolle des Nachrichtendienstes verbessert werde.  )

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(AP/bön)