Von Birgit Kruse

Die Angst in der CSU vor dieser Umfrage muss riesig gewesen sein. Nur so ist zu erklären, warum viele das Ergebnis von 41 Prozent jetzt noch feiern.

Eigentlich hatte man in der CSU mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet. Von Umfragewerten unter der 40-Prozent-Marke war die Rede. Das wäre ein Desaster für die stolzen Christsozialen gewesen. Das letzte Mal rutschten sie während der Amigo-Affäre unter dem ehemaligen Ministerpräsidenten Max Streibl unter die 40 Prozent. Das war 1993.

Horst Seehofer, CSU, Seyboldtpress

CSU-Chef Seehofer: ein "Gefühl der Zufriedenheit". (© Foto: seyboldtpress)

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Um kurz nach 16 Uhr melden dann die Agenturen: "CSU in Meinungsumfrage auf 41 Prozent abgerutscht." Die Angst vor einem 40-Minus-X-Ergebnis muss groß gewesen sein. Wie groß nun die Erleichterung in der Partei ist, lassen die Äußerungen des früheren Wissenschaftsminister Thomas Goppel erahnen. "Alles, was unter 40 Prozent gewesen wäre, wäre helles Chaos geworden." In diesem Fall wäre das Selbstbewusstsein der CSU "gestört" worden.

Doch auch dieses Ergebnis ist in Wahrheit eine weitere Schlappe für die CSU. Goppels Parteikollegen wollen das derzeit jedoch lieber nicht hören - und schon gar nicht sagen. Abgedroschener Politiker-Sprech ist angesagt. Floskeln, die man eigentlich aus Tagen kennt, in denen die CSU noch problemlos über ihre magische Marke von 50 Prozent plus X gekommen ist.

Es dauert nicht einmal eine Stunde, bis die ersten Sprechblasen über den Nachrichtenticker laufen. So redet etwa Finanzminister Georg Fahrenschon von einer "Stärkung", die der Partei nach dem "Trommelfeuer der letzten Tage" gut tue.

Bei Parteichef Horst Seehofer habe sich angesichts der BayernLB-Krise und der zurückliegenden Selbstkritik aus den eigenen Reihen gar ein "Gefühl der Zufriedenheit" eingestellt. Er sitzt weiterhin fest im Sattel.

Dann kündigt er an, seine Partei "Schritt für Schritt wieder nach oben" führen zu wollen und sieht mit den Kreuther Tagungen "den Punkt hin zur Wende geschafft".

Prozentdiskussionen wolle er indes nicht führen. Das Ziel der absoluten Mehrheit will er jedoch nicht aufgeben. Er wolle sich nicht auf der jetzigen Größenordnung einrichten. "Wir sind zufrieden, wir sind nicht euphorisch", erklärt er.

Seehofer betont den großen Abstand, den die CSU noch immer vor allen anderen Parteien habe. Die CSU müsse sich aber noch gehörig anstrengen, wenn sie Vertrauen zurückgewinnen wolle.

Justizministerin Beate Merk findet, die 41 Prozent seien "eine gute Startposition in dieses Jahr". Darauf lasse sich "hervorragend aufbauen". Die Stimmungslage der Wähler zeige auch, dass die Erfolge der CSU in der Vergangenheit "noch präsent" seien.

Die Erfolge der CSU sind jedoch schon eine Weile her. Bei der Landtagswahl 2008 war die CSU von einst mehr als 60 auf nur noch 43,4 Prozent abgestürzt. Das bedeutete nicht nur das Ende der Zweidrittelmehrheit. Seitdem regiert in Bayern die FDP mit - und die CSU ist bislang in keiner Wahl mehr über die 50-Prozent-Marke gekommen.

Doch auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt können die 41 Prozent nicht erschüttern. Im Gegenteil. Er sieht in dem Ergebnis eine Bestätigung für die Arbeit der CSU. "Wenn man sich das Umfeld anschaut, in dem das stattfindet, dann muss man sagen, ist das eine Bestätigung", sagt er mit Blick auf das Milliardendebakel der BayernLB in Österreich. Zudem seien Umfragen nur Wasserstandsmeldungen - eine beliebte Äußerung von Politikern bei schlechten Werten.

Dobrindt ist aber davon überzeugt, dass die Menschen der CSU noch immer zutrauen, das Land aus der Finanz- und Wirtschaftskrise zu führen. Die CSU werde den Auftrag annehmen, sich um die Gestaltung Bayerns und Deutschlands zu kümmern. "Die Konsequenz dieses Ergebnisses heißt: Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten."

In diesem letzten Punkt wird Umweltminister Markus Söder dem Generalsekretär sicherlich zustimmen. Er sieht jetzt die Chance gekommen, "in Ruhe unsere Politik weiterzuentwickeln". Die 41 Prozent seien jedoch "nichts, womit die CSU generell zufrieden ist". Die nächsten Wahlen seien aber "noch weit weg", erinnert der Minister. Wenigstens er sieht in dem Ergebnis noch eine Mahnung der Wähler an die Partei: "Die Bayern wollen, dass wir Sachpolitik machen, und nichts anderes."

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(sueddeutsche.de/dpa/ddp-bay/cmat)