Von Katja Auer

Die CSU macht "taktische Wähler" für ihre schwere Schlappe bei der Bundestagswahl verantwortlich. Parteichef Seehofer kokettiert mit seiner starken Position und will sich der Basis stellen.

Knapp zwei Monate nach der Bundestagswahl hat die CSU die Gründe für ihr historisch bisher schlechtestes Abschneiden ausgemacht: An Parteichef Horst Seehofer lag es jedenfalls nicht, so die Analyse im Parteivorstand. Der Wunsch der Wähler nach dem Ende der großen Koalition sei das "alles überragende Argument" gewesen, sagte Seehofer nach der Sitzung am Montag in München. 79 Prozent der Wähler hätten ihre Stimme taktisch vergeben.

Horst Seehofer, CSU; ddp

CSU-Chef Horst Seehofer sieht die Schuld für das Debakel seiner Partei bei der Bundestagswahl bei den Wechselwählern. Dennoch will er die Partei modernisieren. (© Foto: ddp)

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Die zweite Hauptursache sieht der CSU-Vorstand in der grundlegenden Veränderung der Gesellschaft. "Die Welt ist im Umbruch", sagte Seehofer. Als Konsequenz daraus will die CSU eine Parteireform durchführen.

Seehofer und die neuen Zeiten

Lange hatte die CSU-Spitze die Analyse der Wahl hinausgeschoben, bei der die Christsozialen weit hinter ihren eigenen Erwartungen zurückgeblieben waren. Noch am Wahlabend hatte Seehofer das Ergebnis zu relativieren versucht, hatte von den neuen Zeiten gesprochen, in denen Ergebnisse von mehr als 50 Prozent kaum noch denkbar seien.

Nachdem er im Wahlkampf noch Zuversicht verbreitet hatte, flüchtete er sich in die Wortschöpfung von der "strukturellen Niveauabsenkung". Und die Hauptsache sei doch schließlich, dass er das Hauptziel einer schwarz-gelben Regierung in Berlin erreicht habe.

Direkt nach der Wahl war das Murren noch groß in der Partei und die Kritik an Seehofer deutlich zu vernehmen. Mittlerweile allerdings, nachdem der Koalitionsvertrag nach Meinung der meisten CSU-Funktionäre besser ausgefallen ist als erwartet, ist Seehofer gefestigter denn je.

"Auf mich keine Rücksicht nehmen"

"Nach vorne schauen" lautet die einhellige Losung und viele in der CSU sind die ständigen Personaldiskussionen leid. Zumal sich ohnehin keine Alternative zu Seehofer aufdrängt. Der weiß um seine momentane Position, er hat die Unruhe einfach ausgesessen und betonte am Montag umso unbeschwerter, dass er bei der Wahlanalyse sogar eine Personaldebatte angeregt habe, sollte diese nötig sein.

"Man soll da auf mich keine Rücksicht nehmen", sagte der 60-Jährige vor der Sitzung. Allerdings habe keiner der 21 Redner die Personalfrage gestellt. Er selbst verteidigte nochmals die Attacken gegen die FDP im Wahlkampf , die schon mancher in der CSU als einen Grund für das schlechte Ergebnis gesehen hatte. Damit habe er sich von der FDP in sozialen Fragen abgrenzen wollen - und das sei ja auch gelungen."

Es gibt keine empirische Grundlage für das eigene Verschulden", sagte Seehofer. Dennoch sei er als Parteivorsitzender mitverantwortlich für das Ergebnis. "Aber zwischen Verantwortung und Ursächlichkeit gibt es immer noch einen Unterschied."

Auf der nächsten Seite: Die kommenden drei Jahre sollen der CSU zur Reform dienen. Seehofer bietet an, das "Land zu durchpflügen".

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