Von Katja Auer

Wer gedacht hat, mit dem Rücktritt von Edmund Stoiber gebe es keine witzigen CSU-Zitate mehr, der irrt: Jetzt spottet die Biermösl Blosn.

Es war nicht zu erwarten, dass ein derart emsiger CSU-Kritiker wie Hans Well den Niedergang der bayerischen Staatspartei einfach so vorbeigehen lassen würde. Einem, der seine Texte zu nicht unerheblichen Teilen aus den Missgriffen dieser "weltweit singulären Volkspartei" speist, wäre da einfach zu viel Potential verlorengegangen.

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Erwin Huber: "Bayern hat seine eigene Partei, die CSU." (© Foto: dpa)

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Und so hat Well, Texter und Sänger der Biermösl Blosn, zusammen mit dem Frankfurter Schriftsteller Jürgen Roth eiligst eine CD herausgebracht: "Der Untergang des Bayernlandes" heißt sie und ist nach eigener Beschreibung ein "Vivat auf die erfolgreichste Partei der Welt".

Dabei sah es zunächst so aus, als sei der humoristisch verwertbare Teil der Politik mit dem Abgang von Edmund Stoiber vorbei. Damals schon hatten Roth und Well "Stoibers Vermächtnis" auf CD gepresst, eine Ansammlung der kuriosesten Reden des früheren Ministerpräsidenten - vom Transrapid-Gestotter über Stoibers Erguss über Problembären und Schadbären bis zur Erläuterung, dass er in seiner Freizeit gelegentlich Blumen im Garten hinrichte.

Dass sich ein neues Werk anbietet, stellte sich erst am Abend des 28. September heraus. Am Tag, "an dem die Welt in Trümmer fiel". So ist das erste Kapitel überschrieben. Gert Heidenreich liest vom "Tag des Grauens", dem 28. September, von der "Havarie jener formidablen Doppelspitze" aus Günther Beckstein und Erwin Huber.

"Der Sturzflug, in dem die berühmteste Partei des Planeten aus den himmlischen Höhen einer Zweidrittelmehrheit gerissen ward und der sie auf den knochenharten Boden einer beschämenden relativen Mehrheit aufschlagen ließ, dieser Sturzflug sucht in der Geschichte der zivilisierten Völker seinesgleichen", liest Heidenreich.

Die Autoren haben bemerkenswerte Zitate zusammengesammelt, etwa von Huber: "Bayern hat seine eigene Partei, die CSU." Passend singt die Biermösl Blosn: "Es muss ein Sonntag gwesen sein, ein Tag voll hellem Sonnenschein, es war ein Glückstag ganz gewiss, wia unser Bayernland entstanden ist."

Dass der Niedergang jenes Landstrichs und seiner Staatspartei schon 2005 begann, als Stoiber den Job als Superminister von Angela Merkel ablehnte, und von Beckstein und Huber lediglich fortgeführt wurde, auch das wird auf der CD festgehalten.

Sogar Landesgruppenchef Peter Ramsauer ist verewigt: "Das ist eher eine Vernichtabschiedung, das ist in keiner Weise eine Entstoiberung Berlins", sagt er zu Stoibers Rückzug. Fein ironisch wird sie herausgearbeitet, die Diskrepanz zwischen Bierzelt-Reden und Hinterzimmer-Geklüngel, die schließlich gipfelt im Unerhörtesten, was es in der CSU jemals gegeben hat: Der große Ehrenvorsitzende Stoiber wird beim Parteitag am 25. Oktober 2008 ausgepfiffen.

Die Begründung findet sich in der Moritat vom Edi Messer, frei nach der "Dreigroschenoper", worin der Edi seine Nachfolger am Isarhochufer meuchelt. Ein Drama Shakespeare'schen Ausmaßes sei das, sagen die Autoren, "das Ende der glorreichen Historie einer einzigartigen Partei".

Und doch hat das letzte Wort der große Ehrenvorsitzende: "Glauben Sie mir, es wurden keine Scherben zerbrochen."

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(SZ vom 26.11.2008)