Comic "Mädschigg-Schobbe"

Ein neues Asterix-Heft erscheint wieder auf Mainfränkisch

Von Olaf Przybilla, Würzburg

Zu den komplexesten stammesgeschichtlichen Fragen in Franken zählt das Verhältnis von Nürnberg und Würzburg. Es gäbe da theoretisch ja zwei Möglichkeiten: gegenseitige Sympathie, weil die beiden größten Kommunen Frankens nur gemeinsam etwas ausrichten können gegen die übermächtige Konkurrenz aus Bayerns Süden. Oder gegenseitige Verachtung, weil das ja oft so ist, wenn sich zwei Städte nahe sind und beide etwas auf sich halten. Die Wahrheit zwischen Nürnberg und Würzburg aber ist viel schwieriger: Man nimmt sich zwar wahr. Interessiert sich aber nicht wirklich füreinander, weil man viel zu unterschiedlich ist. Die einen sind evangelisch, verwalten ihre Stadt seit Jahrhunderten selbst und trinken Bier, die anderen sind katholisch, haben es unter der Regentschaft der Fürstbischöfe zu architektonischem Weltruhm gebracht und trinken Wein. Was noch dazu kommt: Das Mittel- und das Mainfränkische sind so verschieden, dass sich beide Seiten kaum verstehen, wenn's mal hitzig wird.

Dass Asterix-Bände in deutschen Dialekten erscheinen, ist schon ein etwas älterer Hut. Dass aber jetzt bereits der fünfte Band auf Mainfränkisch zu lesen ist, darf als Überraschung gelten. Von den ersten vier Übersetzungen wurden 90 000 Exemplare verkauft, was umso imposanter ist, wenn man bedenkt, dass Würzburg kaum 130 000 Einwohner hat. Die Sehnsucht nach literarischer Spiegelung regionaler Identität scheint umso größer zu sein, je übersichtlicher die Region ist. Und so wird man dem fünften Band - "Asterix un die Schlachtbladdn" - schon jetzt einen Erfolg voraussagen können. Zumal sich der Band mit den seltsamen Nachbarn aus dem Osten beschäftigt: mit den Mittelfranken.

Dort haben sie es verbockt. In Campus Förth, dem heutigen Fürth, "geits a Niederlaach geeche die Besatzer", was zur Folge hat, dass "Frangn des erschde Mal in derer Weltgeschicht underdrüggt" ist. Damit gilt auch Mainfranken als unterworfen, erweist sich nach unvermeidlichem Genuss etlicher "Mädschigg-Schobbe" aber als aufsässig und unbesiegbar. Aufzustöbern gibt es keinen Arvernerschild, dafür eine original fränkische Schlachtbladdn. Besonders unglückliche Auftritte hat dabei ein gewisser Magnus Södrus Maximus, der aus Würzburger Perspektive als "Subberminimal-Oberindendent" und "Schbezialkontrollör" der Besatzer in Erscheinung tritt und volle Dröhnung auf den Helm bekommt. Mädschigg.