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Verfahren gegen Gustl Mollath

Am 25. September 2003 übergibt Mollath dem Amtsgericht Nürnberg einen Schnellhefter. Der Inhalt: Ein wirr wirkendes Bündel Papier mit der Überschrift "Was mich prägte" auf der ersten Seite. Es liest sich stellenweise bizarr, viele Seiten haben mit dem Kern dessen, was Mollath eigentlich sagen will, wenig zu tun: eine Zeitleiste von seiner Geburt über den Krebstod des Vaters, das Massaker von My Lai, die Ermordung Martin Luther Kings, die Mondlandung, den Putsch von Idi Amin, die Demonstration von 200 Sioux-Indianern bis zum Ende seiner Ehe.

Er legt Flugblätter und Briefe an Banken und seine Ehefrau bei, die er geschrieben hat - offenbar als Beleg für den Rosenkrieg und als Beleg dafür, dass er die aus seiner Sicht dunklen Geschäfte seiner Frau bei deren Arbeitgeber, der Hypo-Vereinsbank, bereits mehrfach moniert hatte. Er nennt auch Fakten zu den angeblich illegalen Geldgeschäften seiner Ehefrau. Später legt er mit mehreren Anzeigen nach, die zwischen zwei und sechs Seiten lang und weit weniger ausufernd sind als seine Verteidigungsschrift in eigener Sache.

Mollath beschränkt sich in diesen Strafanzeigen auf Personen und Daten. Auch diese Anzeigen lösen aber keine Ermittlungen aus. Der Wahrheitsgehalt der enthaltenen Vorwürfe wird offenbar nicht überprüft. Die Staatsanwaltschaft entscheidet schnell: Kein Anfangsverdacht, also auch keine Ermittlungen.

Bild: SWR

6. August 2013, 12:06 2013-08-06 12:06:42

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