Christine Haderthauer Einzelteile einer Affäre

In der Causa Haderthauer werden immer mehr Details der Vorwürfe bekannt. Die Staatsministerin weist jedoch alle Verdächtigungen zurück.

(Foto: dpa)

Was kostet ein Luxus-Modellauto in der Herstellung? Mit Fragen wie dieser muss sich die Staatsanwaltschaft im Ermittlungsverfahren gegen das Ehepaar Haderthauer herumschlagen. Unklarheiten gibt es nicht nur bei den Materialkosten.

Von Dietrich Mittler

Der psychisch kranke Straftäter Roland S., der seit Ende der 1980er Jahre in seiner Arbeitstherapie faszinierende Oldtimer-Modelle herstellt und nun seinerseits angekündigt hat, Strafanzeige gegen Hubert Haderthauer erstatten zu wollen, ist ein begnadeter Konstrukteur - und was damit einhergeht: Er ist ein Perfektionist. Das gilt nicht nur für die exklusiven, aus weit mehr als 6000 Einzelteilen hergestellten Modelle, sondern auch für seine Buchführung. Akribisch listete er unter anderem auch die bei der Modellherstellung anfallenden Lohn- und Materialkosten auf.

Für die Staatsanwälte, die nun nicht nur gegen den Ingolstädter Landgerichtsarzt Hubert Haderthauer sondern auch gegen seine Frau, die Staatsministerin Christine Haderthauer, wegen Betrugs ermitteln wollen, sind diese Listen und Laufzettel wichtige Beweisstücke bei der Klärung, ob das Ehepaar Haderthauer tatsächlich den früheren Geschäftspartner Roger Ponton betrogen haben könnte, wie dieser behauptet. Gegen Hubert Haderthauer laufen zudem Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

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Gleicht man nun die Listen aus dem Bezirkskrankenhaus Straubing mit den Unterlagen ab, welche die für den Weiterverkauf der exklusiven Oldtimermodelle zuständige Firma Sapor Modelltechnik dem Finanzamt Ingolstadt zukommen ließ, dann ergeben sich offenbar erhebliche Diskrepanzen. Etwa bezüglich der Materialausgaben. Bei Hausdurchsuchungen im Bezirkskrankenhaus Straubing sowie auch im gemeinsamen Anwesen der Haderthauers wurde umfangreiches Material sichergestellt, darunter nach SZ-Informationen auch Kontounterlagen und eine Festplatte mit Geschäftsunterlagen zur Firma Sapor Modelltechnik.

"Zusammenfassend kann man sagen: Die Bücher der Firma Sapor Modelltechnik haben mit der Abbildung der Realität nur bedingt etwas zu tun", sagt der Nürnberger Anwalt Malte Magold, der im Auftrag von Roger Ponton eine Strafanzeige mit Strafantrag gestellt hat. So gibt die Firma in ihrer Gewinnermittlung an das Finanzamt Ingolstadt für das Jahr 2004 Materialausgaben in einer Höhe von fast 21 000 Euro an. Die Unterlagen aus dem Bezirkskrankenhaus Straubing, die Magold der Strafanzeige beilegte, listen aber lediglich Materialausgaben in Höhe von 5894,93 Euro auf. "Wo kommen dann bitte schön die weiteren 15 000 Euro her, die die Firma Sapor Modelltechnik gegenüber dem Finanzamt angibt", wundert sich Magold.

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Weitere Diskrepanzen ergaben sich offenbar auch im Folgejahr 2005, nun aber im umgekehrten Sinne: Die Firma Sapor Modelltechnik listete Materialausgaben in Höhe von 11 178, 71 Euro auf, aus den Listen des Bezirkskrankenhauses jedoch ergeben sich Materialkosten von gut und gern 22 000 Euro. Magold hütet sich zwar, hier einen konkreten Verdacht zu äußern, doch auf Nachfrage sagt er dann: "Es liegt natürlich nahe darüber nachzudenken, ob da jemand vielleicht deshalb nicht alle Ausgaben verbuchte, um dann auch nicht alle Erträge aus dem Verkauf der Fahrzeuge über die Bücher laufen zu lassen."

Roger Ponton, der frühere Geschäftspartner der Haderthauers, hat bereits jetzt den Verdacht, "hintergangen und betrogen" worden zu sein. Falls sich der Verdacht bestätigen sollte, so hat er womöglich nicht den ihm zustehenden Anteil an den Einnahmen der Firma bekommen. Aber, was für den 84-Jährigen noch schwerer wiegen würde, er wäre bei einem 2011 stattgefundenen außergerichtlichen Vergleich mit dem Anwalt der Haderthauers nicht über den wahren Wert der Firma informiert worden. Bei diesem hatte er sich noch bereit erklärt, gegen eine Zahlung in Höhe von 20 000 Euro auf sämtliche Ansprüche gegen die Haderthauers sowie gegen die mittlerweile von Hubert Haderthauer weiterverkaufte Firma Sapor Modelltechnik zu verzichten. Erst als ein Freund und früherer Geschäftspartner ihn auf die Preise aufmerksam gemacht hatte, die mit den Modellautos zu erzielen waren, wurde Ponton misstrauisch.

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Nach Kenntnis der SZ teilt die Staatsanwaltschaft München II Pontons Misstrauen- ihr Verdacht stützt sich auf die Ermittlungsergebnisse Augsburger Steuerfahnder. Demnach könnten hohe Einnahmen in Gewinnermittlungen aus den Jahren 2007 und 2008 nicht erfasst worden sein. Zuhilfe kamen den Ermittlern wiederum die akribischen Aufzeichnungen aus dem Bezirksklinikum Straubing.

Für Rechtsanwalt Magold sind damit noch längst nicht alle offenen Baustellen angesprochen. Ihm stellt sich auch die Frage, wie sich die hohen Ausgaben an Miete und Pacht seitens der Firma Sapor Modelltechnik erklären - etwa 12 745 Euro im Jahr 2003, im Jahr 2005 gar 13 840 Euro.

Laut Hubert Haderthauer spielen diese Fragen im Ermittlungsverfahren aber keine Rolle: "Es handelt sich bei der Position zum einen um Kosten für mein häusliches Arbeitszimmer und zum allergrößten Teil um Rechnungen des Bezirkskrankenhauses Straubing für die Nutzung der Therapieräume", erklärte er. Auf den Fragenkatalog der SZ konnte Haderthauer offenbar aus technischen Gründen bis Redaktionsschluss nicht umfassend eingehen. "Bei meinem Anwalt ist leider heute Nachmittag das komplette EDV-System abgestürzt", ließ er per Mail wissen.