Carsharing Teile und spare

Viele Firmenfahrzeuge stehen am Wochenende ungenutzt herum. Deshalb wollen Münchner Carsharing-Anbieter nun auch den Fuhrpark der Unternehmen nutzen - und die Autos an die Mitarbeiter vermieten.

Von Marco Völklein

Im ersten Moment wirkt Tim Ruhoff wie einer dieser typischen Jungdynamiker, die bereits während ihres Betriebswirtschafts- oder Jura-Studiums eine eigene kleine Firma aufbauen, später Investoren ins Boot holen - und dann mit Anfang oder Mitte 30 den großen Reibach machen. Es stimmt schon: Das alles trifft auf Ruhoff zu. Und dennoch hat der 28-Jährige auch eine Mission: "Wir wollen mehr Mobilität bieten - mit weniger Autos." Seit Ruhoff denken kann, fährt er mit dem Fahrrad oder mit Bus und Bahn. Ein Auto hat er noch nie besessen. Und dennoch setzt er nun darauf, mit Autos Geld zu verdienen, möglichst viel Geld natürlich. Und dabei, wenn möglich, die Welt zumindest ein bisschen vom Auto zu befreien.

Zusammen mit seinem Geschäftspartner Leonhard von Harrach, 38, sitzt Ruhoff in einem Besprechungsraum in der Firmenzentrale in Obersendling. Harrach hat auf seinem Laptop die Buchungsmaske von "Fleetster" geöffnet. So nennt sich das Angebot, das die beiden Firmengründer mit ihren zehn Mitarbeitern ausgetüftelt haben, und mit dem sie die Mobilität von Morgen ermöglichen wollen. Ruhoff und Harrach setzen auf "Corporate Carsharing", also darauf, dass in vielen Firmen ganze Autoflotten zeitweise ungenutzt herumstehen. Und dass künftig die Mitarbeiter dieser Unternehmen diese Autos nutzen, um damit etwa am Samstag ins Möbelhaus zu fahren oder am Sonntag in die Berge. Im Idealfall verzichten sie dann auf ein eigenes Auto. Weil sie sich die Autos aus der Firma mit den Kollegen teilen.

Ganz ähnlich funktioniert ja das klassische Carsharing auch. Anfang der 1980er Jahre zunächst von Umweltbewegten erfunden, dann in vielen Großstädten etabliert, setzt sich die Idee nun mehr und mehr durch: Vor allem wegen der hohen Spritpreise verzichten Menschen auf das eigene Auto und teilen sich einen Wagen mit anderen. Allein bis Ende 2012 stieg die Zahl der bei Carsharing-Anbietern registrierten Nutzer bundesweit auf 453.000; ein Jahr zuvor waren es nur 263.000 gewesen. Vor allem neue Anbieter wie Drive-Now oder Zebra-Mobil, die ihre Fahrzeuge nicht mehr an festen Stationen abstellen, sondern die Autos quasi überall in der Stadt anbieten, gewinnen viele Nutzer hinzu. Auch wenn es bei Drive-Now zuletzt Ärger gab (siehe unten), ist davon auszugehen, dass die Idee des Autoteilens sich weiter verbreiten wird. Auch Ruhoff und von Harrach glauben das. Sie wollen das Ganze nun in Firmen hinein- und an deren jeweilige Belegschaften herantragen.

Schon jetzt unterhalten viele Unternehmen einen eigenen Fahrzeugpool. Meist sind es nur wenige Autos, die die Mitarbeiter nutzen können, um etwa zu Geschäftsterminen zu fahren. Ein Fuhrparkmanager verwaltet Fahrzeuge und Schlüssel, sorgt für Reifenwechsel und für die gelegentliche Innenreinigung. Wer eines der Autos nutzen will, bestellt es bei ihm. Der Fuhrparkmanager führt oft nur eine Liste oder einen Kalender im Computer. Am Wochenende und nach Feierabend werden die Autos meist nicht bewegt; die Auslastung sei daher "eher dürftig", sagt von Harrach.

Das wollen er und Ruhoff nun ändern. Sie haben eine Software entwickelt, die die Fuhrparkverwaltung quasi automatisiert. Über das Internet oder das firmeneigene Intranet bucht der Mitarbeiter das Fahrzeug, den Schlüssel holt er sich aus einem speziell entwickelten Schlüsselschrank, der an einer zentralen Stelle im Unternehmen hängt, und kann dann das Firmenauto am Abend oder am Wochenende nutzen. Die Abrechnung erledigt das System. Auch um steuerliche Fragen kümmert es sich: Die Führung eines Fahrtenbuchs fürs Finanzamt erfolgt automatisch. Weil die Fahrzeuge somit öfter fahren und seltener ungenutzt auf dem Firmenhof herumstehen, steigt die Auslastung. Und weil die Mitarbeiter für die private Nutzung zahlen, spart die Firma unterm Strich Geld.