Bürgermeisterin Schmid in Kollnburg "Es brennt lichterloh"

Mitarbeiter halten sie für unberechenbar und kühl: Das Verhältnis zwischen Josefa Schmid und der CSU gilt schon lange als schwierig. Doch jetzt kommt die Kritik von fast allen Gemeinderäten in Kollnburg.

Von Wolfgang Wittl

Hart in der Kritik: Die Kollnburger Bürgermeisterin Josefa Schmid.

(Foto: oh)

Es hätte so ein wunderbares Wochenende werden können für Josefa Schmid. Am Samstag wurde sie von der niederbayerischen FDP auf Listenplatz sechs für die Landtagswahlen gesetzt, obwohl sie den Liberalen erst vor wenigen Wochen beigetreten war. "Ein wirklich gutes Ergebnis", fand Schmid. Doch ungetrübt war ihre Freude nicht.

Denn just am Tag ihrer Nominierung musste sie in der örtlichen Zeitung lesen, was die Gemeinderäte ihrer Heimat Kollnburg von ihren Führungsqualitäten halten. Von deutlichen Defiziten der Bürgermeisterin war die Rede, von rüdem Umgangston und schlechtem Stil gegenüber Mitarbeitern. Mehrere Gemeinderäte legten Schmid sogar einen Rücktritt nahe.

Dass Josefa Schmid ein schwieriges Verhältnis zur CSU pflegt, ist bekannt. Erst vor Kurzem trat sie aus der Partei aus, weil der CSU-Bezirksvorstand sie ihrer Ämter enthoben und für fünf Jahre gesperrt hatte. Die Parteiführung um Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Bezirkschef Manfred Weber warf Schmid parteischädigendes Verhalten vor, weil sie bei der Regener Landratswahl auf eigener Liste gegen den CSU-Kandidaten angetreten war. Bei den Bürgermeisterwahlen 2008 hatte sie bereits für die Freien Wähler kandidiert, weil sie sich von der CSU übergangen fühlte. Schmid gewann, seitdem ist das Verhältnis zur Kollnburger CSU zerrüttet.

Diesmal waren es jedoch nicht einzelne CSU-Gemeinderäte, die Schmid kritisierten, sondern nahezu das komplette Gremium. 13 von 14 Gemeinderäten wünschen sich, die 38-Jährige solle als Bürgermeisterin abtreten, heißt es. Sie begründen dies mit gravierenden Mängeln in der Personalführung. Oder wie der stellvertretende Bürgermeister Ludwig Saller (SPD) sagt: "In unserer Verwaltung brennt es lichterloh."

Eine Mitarbeiterin hat bereits vor Monaten gekündigt, nun hat der designierte Geschäftsleiter mitgeteilt, er werde die Gemeinde verlassen. Als Grund für ihren Abschied sollen beide das miserable Betriebsklima genannt haben. Schmid sei unberechenbar, spiele Mitarbeiter gegeneinander aus und pflege einen kühlen Umgangston, lauten die Vorwürfe.

Als eine Mitarbeiterin 40-jähriges Dienstjubiläum feierte, habe die Bürgermeisterin ihr nicht einmal die Hand gegeben. Eine weitere Angestellte soll sich ebenfalls weg bewerben. "Wir hatten einmal eine sehr gut funktionierende Verwaltung, aber das ist vorbei", sagt der Zweite Bürgermeister Saller.

Schon vor einem Jahr habe der Gemeinderat die Bürgermeisterin auf die Probleme hingewiesen, doch geschehen sei seitdem nichts. Selbst Schmids letzter Befürworter von den Freien Wählern macht sich ernsthafte Sorgen. Man müsse zusehen, dass der Rest der acht Köpfe zählenden Verwaltung nicht auch noch abwandere.

Vergangene Woche trafen sich die Gemeinderäte zu zwei Krisensitzungen: einmal mit Mitarbeitern, einmal mit Schmid. Die Bürgermeisterin habe zugesichert, sie werde sich hinterfragen. Doch schon am nächsten Tag habe sie ihr Versprechen offenbar wieder vergessen gehabt, sagt Saller, der unter diesem Umständen davon ausgeht, dass von den amtierenden Gemeinderäten kaum noch einer kandidieren werde.

Josefa Schmid erklärte am Montag, sie wüsste nicht, was sie sich zuschulden kommen habe lassen. Sie habe eine tolle Verwaltung, die ihr ausdrückliches Lob verdiene. Zu den Vorwürfen wollte Schmid keine Stellung nehmen: "Ich wäre eine schlechte Führungskraft, wenn sie mich zu Details äußern würde."