Buddhisten-Treffen in Immenstadt Der Pfad zur Erleuchtung führt durchs Allgäu

Wer innere Ruhe sucht, der findet sie offenbar in Immenstadt: 3000 Buddhisten meditieren dort bis Samstag - für eine Massenveranstaltung geht es ziemlich gelassen zu.

Von Nils Nordmann

Der Lama sitzt an einer massiven Holztafel im Gut Hochreute, genannt "die Villa". Das Haus thront hoch über dem spiegelglatten Großen Alpsee nahe Immenstadt. Noch bis Sonntag werden hier 3000 Buddhisten aus 40Ländern die Meditation des bewussten Sterbens erlernen, auf Tibetisch heißt das "Phowa". Der "Internationale Sommerkurs" ist bereits das 18. Treffen der Buddhismus-Anhänger, zum dritten Mal findet es im Allgäu statt. Lama Ole Nydahl ist gebürtiger Däne und hatte im Jahr 1969 in Nepal den Pfad zur Erleuchtung gefunden. Seit Jahren reist er durch die Welt, um zu lehren.

Zum dritten Mal versammeln sich Buddhisten im Europa-Zentrum über dem Großen Alpsee. Lama Ole Nydahl lehrt seine Schüler noch bis Sonntag die Meditation des "bewussten Sterbens".

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zorn, Stolz, Eifersucht - bei den Buddhisten Störgefühle - all das soll es auf Gut Hochreute nicht mehr geben. Denn vor drei Jahren errichtete die deutsche Buddhismusstiftung des Diamantwegs, die zur historischen Karma-Kagyü-Linie gehört, dort ihr Europa-Zentrum. Das größte Buddhismustreffen Deutschlands kann man durchaus als die entspannendste Massenveranstaltung des Landes bezeichnen.

Bei den katholischen Nachbarn sind die Anhänger willkommen. "Wir sind schon daran gewöhnt, dass sich hier religiöse Gruppen niederlassen", sagt eine junge Immenstädterin und erzählt von zahllosen Esoterikern und selbsternannten Medizinmännern, die seit Jahren im Hinterland praktizieren. "Die Allgäuer sind grundsätzlich bei allem, was neu ist, sehr sperrig. Buddhismus ist hier etwas Exotisches, aber wir haben uns daran gewöhnt", betont auch Claudia Scheck, Besitzerin einer Lotto-Annahmestelle.

Die Immenstädter sehen es pragmatisch, bei zahlenden Touristen ist jede Konfession willkommen. "Nur wenn wir am Sonntag in die Kirche gehen, ist es schon seltsam, wenn die Buddhisten da oben in der Villa sägen und hämmern", sagt Waltraut Hagenauer, die seit 33 Jahren in Trieblings direkt am EuropaZentrum wohnt, und mutmaßt: "Die kennen wohl keinen Sonntag."

Für Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp sind Buddhisten in dieser Region schon lange eine Selbstverständlichkeit, den Status von liebenswürdigen Sonderlingen haben sie nach seiner Ansicht abgelegt. "Seit 20 Jahren gibt es ein buddhistisches Kloster in Oy-Mittelberg", sagt er. Der parteilose Schaupp freut sich "über das neue Stück Weltoffenheit". Das bisher 4,5 Millionen Euro teure Buddhisten-Zentrum soll bis 2013 weiter ausgebaut werden. Insgesamt 80 Gäste werden dort Platz finden - auch für längere Zeiträume zum Meditieren.