Projekt gefährdet: Auf deutscher Seite haben die Planungen für die Infrastruktur der Brenner-Röhre noch nicht begonnen, beim Gotthard-Basistunnel geht es dagegen deutlich schneller voran.
Ob es jemals reichen wird, weiß derzeit keiner. Auf vier Gleise, so hatte der Bund den Regierungen in Wien und Rom schon 2009 im "Aktionsplan Brenner" in Aussicht gestellt, könnte die Eisenbahnstrecke zwischen München und der österreichischen Grenze ausgebaut werden, eine Art Autobahn für den Güterverkehr.
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Die Arbeiten im Gotthard-Basistunnel sind schon weit fortgeschritten, während es am Brenner bislang nur Erkundungsbohrungen gab. (© REUTERS)
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Das ist auch wichtig, denn ob sich der Brenner-Basistunnel jemals rechnet, hängt auch vom Güterverkehr auf der Schiene ab. Trifft der diesseits oder jenseits des Brenners, in Italien, auf Engpässe, dann ist es mit der Rentabilität nicht mehr weit her. Weshalb sich Deutschland und Italien dazu bekannten, "die nördlichen und südlichen Zulaufstrecken zum Brenner-Basistunnel bedarfs- und termingerecht abgestimmt auszubauen". So jedenfalls steht es in der Absichtserklärung von 2009.
Doch die Zeit spielt möglicherweise gegen das Projekt. Obwohl der europäische Korridor Berlin - Palermo, der durch den Brenner-Tunnel führen würde, offiziell das "Vorrangige Vorhaben Nr. 1" ist, sind andere schneller. Denn parallel läuft der Ausbau der sogenannten Rheintal-Bahn. Das ist jene Strecke, die Nordseehäfen wie Rotterdam dereinst mit Norditalien verbinden soll - quer durch die Schweiz. Bis 2017 soll dort der Gotthard-Basistunnel entstehen, der längste Eisenbahntunnel der Welt.
Zwar droht auch hier ein Nadelöhr, denn auf deutscher Seite rühren sich beträchtliche Widerstände. Etwa in Offenburg, das möglicherweise ebenfalls untertunnelt werden muss. Allerdings sind die Planungen hier weit vorangeschritten. Schon im nächsten Jahr könnten Arbeiten für den Ausbau der Gleise im Rheintal beginnen, auch dort soll die Eisenbahn künftig nicht zwei-, sondern viergleisig fahren können. Die Güterstrecke gilt als Rückgrat des Nord-Süd-Verkehrs.
Nicht ausgeschlossen, dass die Freunde des Brenner-Basistunnels deshalb irgendwann in die Röhre blicken müssen. Schon jetzt ist klar, dass sich der Bau des Tunnels in Österreich verzögert. Anders als ursprünglich einmal geplant, soll der Tunnel nicht in diesem Jahr, sondern erst 2016 in Bau gehen. "Mit der Realisierung des Brenner-Basistunnels rechnen wir nun frühestens 2025", heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium. "Dann werden die Verkehrsströme über die Alpen so stark zunehmen, dass die vorhandene zweigleisige Verbindungsstrecke auf deutscher Seite dafür nicht mehr ausreichen wird." Ein Ausbau stünde an, rein theoretisch.
Rein praktisch allerdings hängt das vom Nutzen der Strecke ab. Der wird alle Jahre neu erhoben, im Verhältnis zu den erwarteten Kosten. Nur Projekte, deren Nutzen die Kosten übersteigen, haben eine Chance auf Realisierung, dazu muss der Nutzen-Kosten-Faktor größer als eins sein. Erst kürzlich wurde der "Planfall 36" einer solchen Überprüfung unterzogen, auf Basis von provisorischen Daten.
Ergebnis: Ganz knapp, mit einem Faktor von 1,2, erfüllt die Strecke die entscheidende Vorgabe. Sollte der Güterverkehr niedriger ausfallen als angenommen, sinkt der Faktor der 2,6-Milliarden-Euro-Strecke auf eins. Damit hätte sie kaum Chancen auf eine Finanzierung durch den Bund. Zum Vergleich: Bei der Strecke Richtung Gotthard liegt der Faktor bei 2,9. Und sollte die irgendwann in Betrieb sein, könnte sie sogar Nord-Süd-Güterverkehr absaugen. Der Basistunnel am Gotthard würde zur Konkurrenz zu dem am Brenner.
Nun wartet einer auf den anderen. "Bevor wir mit den konkreten Planungen anfangen können", sagt ein Bahnsprecher, "muss erst eine Vereinbarung zwischen den Staaten geschlossen sein." Erst dann aber wird klar, wie teuer die Strecke wird, ob sie sich also überhaupt noch rechnet. Zumal auch noch völlig unklar ist, in welchem Umfang sich die EU an dem Projekt beteiligt. Zwar könnte Brüssel bis zu 20 Prozent der Kosten zuschießen, schließlich ist es ein vorrangiges Projekt. Dass sie aber so viel locker macht, gilt in Regierungskreisen als unwahrscheinlich. Zu erwarten sei wohl nur eine sehr geringe Förderung. Und der Baubeginn? Ganz ungewiss.
- Brennerautobahn Im Durchfahrland 01.08.2009
- Brennerautobahn Im Durchfahrland 31.07.2009
(SZ vom 17.02.2011/sonn)
Probleme beim Berliner Flughafen lange bekannt
Die neueste Antwort
Einmal mehr wird Goldgräberstimmung verbreitet und so getan, als ob die Basistunnel durch die Alpen ein Geschäft wären. Zwei Dinge gilt es dazu (mindestens) zu erinnern:
1. Bekanntlich fahren LKWs nur auf der "Rollenden Autobahn" (RoLa) bzw. Container als "kombinierter Verkehr" huckepack auf einem Flachwaggon durch die Schweiz, weil die Eidgenossenschaft für Güterzüge keine Trassengebühr erhebt, unter dem Titel "flankierende Massnahmen zur Verkehrsverlagerung" pro verlagerten LKW-Transit etwa 500 CHF ausschüttet und jede Containersendung mit ca. 200 CHF subventioniert. An der Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels kommentierten die europäischen Verkehrsminister diese Transportbewirtschaftung mit "Schön, aber das kann sich nur die Schweiz leisten."
2. Ohne eine wirklich spürbare LKW-Maut eingeführt zu haben, sollte gar nicht erst über Bahntunnel unter den Alpen durch diskutiert werden. Oft wird kolportiert, die Schweiz finanziere die NEAT mit der LSVA (Leistungsabhängige Schwer-Verkehrs-Abgabe = schweizer LKW-Maut). Tatsächlich generieren die LSVA-Einnahmen von durchschnittlich etwa 1 CHF pro Km Fahrt eines 40-Tönners etwa einen Drittel der NEAT-Kosten von voraussichtlich 19 Milliarden CHF. Die restlichen zwei Drittel stammen aus einem Zuschlag auf die Mehrwertsteuer und aus der Mineralölsteuer. Etwa zwei Drittel der LSVA-Erlöse stammen aus nationalen LKW-Transporten, denn die Abgabe wird diskriminierungsfrei vom gesamten LKW-Verkehr erhoben. Die Bahninfrastruktur für die Verkehrsverlagerung wird also in Wahrheit nur zu einem sehr geringen Teil über die Maut der Transit-LKWs finanziert.
In der schwärmerischen Berichterstattung über das Bahnwesen sollten diese Dinge deutlicher zur Sprache kommen. Dann würde bald weniger romantisch verbrämt über die Bahn diskutiert und im Widerstreit zwischen ökologischer Lenkung und marktwirtschaftlicher Ordnungspolitik könnte wieder objektiver entschieden werden.
meinte natürlich @Rhinelander.
Der ist beim KT-Verteidungmanöver vollends beschäftigt :-)
ein Nutzen/Kosten-Quotient von 1,2 ist dermassen knapp über dem Minimum von 1,0, dass eine konkrete Planung eigentlich noch nicht angesagt ist. Erst sollten weitere Gutachten über die langfristige Entwicklung des Verkehrsaufkommens (Personen wie Güter) eingeholt werden, um eine Rentabilität dieser Großinvestition sicherer zu machen.
Schließlich muß bei jeder Verplanung von Steuergeldern eine besondere Sorgfalt eingebracht werden.
Jetzt muss ich doch noch auf pira warten, damit man mir erklärt, warum Zuwarten hier toll ist.