Brauereien Bierfahrer in Bayern: Der Mann gegen den Durst

Der Rosenheimer Bierfahrer Georg Huber.

(Foto: Victor Film)

Der Beruf scheint voller Tücken und Kalamitäten zu stecken - doch Bierfahrer Georg Huber will keinen anderen - trotz Dackelangriffen, eiskalten Kühlhäusern und versenkten Fässern.

Von Hans Kratzer

Es war ein gemütlicher Sommertag, ganz Rosenheim strahlte und der Bierfahrer Georg Huber sowieso, denn der ist von Haus aus mit einem sonnigen Gemüt gesegnet. Doch schlagartig war es vorbei mit der Gemütlichkeit, als er nämlich eine Wirtschaft am Stadtbach beliefern sollte. "Da ist es recht varreckt eine zammgflickte Treppn obiganga", erzählt Huber, und so kam es, dass sein Handwagerl umkippte und eines der geladenen Bierfassl selbständig hinunterkegelte.

Dann versank es in den Tiefen des Stadtbachs. "Des hamma leider nimmer kriagt", erinnert sich Huber, der unter seinem Rufnamen Huaba Schorsch eine Rosenheimer Institution ist. Schon seit 1977 arbeitet er als Bierfahrer beim Flötzinger Bräu. Auf eine Annonce hin hatte er damals als junger, kräftiger Bursche unter 40 Mitkonkurrenten den Zuschlag erhalten.

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Seine Berufswahl hat er noch keinen Tag bereut, mag er auch manches Malheur erlebt haben. "Du bist draußen bei de Leit, hast vui Kontakte, kimmst weid umanand in de scheena Berg. Was wuist denn mehra?", fragt sich der Huber Schorsch völlig zu Recht.

In einem kurzen Dokumentarfilm, der im Internet auf dem Kanal Youtube zu sehen ist (Stichwort "Huber Schorsch"), hat er seine Tätigkeit beim Flötzinger Bräu in einem zeitlos legendären Satz verdichtet: "Mei Arwat is eigentlich schnoi erklärt. Es werd über wundascheene Landschaften zum Wirt auffegfahrn, ent oglaart, einigwaglt, aufgricht, Laarguat aussegwaglt, auffedo, wieder zammgraamt und dann bin i fast scho wieder dahi - aber ned bevor dass i ned a bisse a Gaudi gmacht hob."

Er fährt also die Ware zum Wirt hinauf, dann ins Wirtshaus hinein, das Leergut kutschiert er hinaus auf den Wagen und zuletzt gibt es noch eine kurze Gaudi. Doch so romantisch geht es nicht immer her. Hunderte Bier- und Limotragl in einer Kurve unfreiwillig abzuladen, weil sich die Bordwand öffnet, das ist die absolute Katastrophe.

"Wem des no ned passiert is, der is koa Bierfahrer", sagt Huber mit dem zufriedenen Lachen desjenigen, der keine Kalamität dieses Berufs ausgelassen, aber alles heil überstanden hat. Am Hundhamer Berg ist ihm eine volle Ladung Getränke auf die Straße gerutscht. "Ja wos dua i denn jetzt?", fragte er sich verzweifelt. Überall Scherben, ein Durcheinander an Tragln, hinten ein Stau, mitleidige Blicke der Passanten, ganz zu schweigen vom materiellen Schaden.

Frustriert schaufelte der Schorsch die Scherben auf die Ladefläche seines Lasters. Kaum war er fertig, näherte sich eine Streckenkontrolle des Landkreises. "Bierfahrer, ois liegen lassen!", riefen ihm die Männer zu, "das machen wir!"

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Jeden Tag Getränkekästen, Fässer und sonstige Gewichte schleppen, heben, stemmen. Wie reagiert denn da der Rücken? "Mir geht's ausgezeichnet", sagt Huber, "Verletzungen hat's nia geben, und 's Kreiz is aa verschont blieben!" Einmal ist Huber von einem Dackel angefallen worden. Es gibt kaum einen Bierfahrer, der noch nicht vom Hund gebissen wurde.

Erst dachte sich der Huber Schorsch nichts dabei, eine Woche später ließ er die Bisswunde dann doch begutachten. "Ja Huaba, da bist aber früh dran!", ermahnte ihn der Doktor. Am Stammtisch breiten die Kollegen gerne ihre Erlebnisse aus. Manch einer hat sogar schon Leben gerettet, beim Liefern zum Beispiel Kunden entdeckt, die einen Schlaganfall erlitten hatten und hilflos im Wohnzimmer lagen.