Boom Immer mehr Menschen kaufen eine Waffe

Weniger Schusswaffenbesitzer in Thüringen ARCHIV - ILLUSTRATION - Hände laden am 27.11.2015 in Dresden (Sachsen) eine Schreckschuss-Pistole ´Walther P22" mit einem Magazin. Immer weniger Thüringer haben erlaubnispflichtige Schusswaffen. Foto: Oliver Killig/dpa (zu lth ´Weniger Schusswaffenbesitzer in Thüringen" vom 04.12.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)
  • Pfeffersprays, Tierabwehrpistolen, Signalwaffen und Gaspistolen: Immer mehr Menschen in Bayern legen sich Waffen zu.
  • Auch in den Ordungsämter steigt die Nachfrage nach dem "kleinen Waffenschein".
  • Die Gründe dafür sind diffus - doch immer wieder berichten Bürger, sie hätten Angst.
Von Martin Schneider

Die Bayern besorgen sich verstärkt mehr Waffen. Vor allem in den vergangenen zwei Monaten sind die Umsätze für Pfeffersprays, Tierabwehrpistolen, Signalwaffen und Gaspistolen rapide nach oben gegangen. Das belegen Zahlen des Verbandes Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler.

Auch die Ordnungsämter in verschiedenen bayerischen Städten melden eine gesteigerte Nachfrage nach dem kleinen Waffenschein, den man zum Führen von Signal- und Schreckschusswaffen braucht. Was löst diesen Run auf die Waffen aus? "Über die Ursachen für diese Zunahme lässt sich nur spekulieren", sagt ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums. Auf SZ-Anfrage sprechen Händler und Behördenvertreter von diffusen Ängsten der Käufer.

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Ein Morgen unter der Woche in einem Waffengeschäft. Eine ältere Frau hat Probleme mit ihrer Taschenlampe und fragt nach neuen Batterien, zwei Kunden schauen sich zwischen Flinten um, sonst ist wenig los. Hinter dem Verkaufstresen steht der Geschäftsführer. Wie läuft das Geschäft in den letzten Monaten? "Sorry, keine Auskunft, schlechte Erfahrungen mit der Presse." Die erste Lektion bei diesem Thema: Die Beteiligten reden ungern. Nicht nur die Waffenhändler.

Deutlich mehr kleine Waffenscheine

Dafür sprechen die Zahlen für sich. In Bayern wurden innerhalb der vergangenen zwölf Monate 3161 kleine Waffenscheine beantragt. Das ist deutlich mehr als im vergangenen Jahr, bestätigt der Ministeriumssprecher.

Deutlicher wird der Trend, wenn man Zahlen von einzelnen Ordnungsämtern vergleicht. In Nürnberg waren es von Januar bis November 118 neue Scheine, im vergangenen Jahr im gleichen Zeitraum lediglich 61. In München ist der Anstieg von 155 (2014) auf bisher 222 (2015) moderater. In Regensburg hat das Ordnungsamt in diesem Jahr schon 44 neue kleine Waffenscheine ausgegeben (2014 waren es 18), davon 36 im zweiten Halbjahr. In Straubing waren es in den Jahren 2012, 2013 und 2014 jeweils um die sieben Scheine, jetzt sind es schon 27, die meisten ausgestellt seit September.

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Auch Gaspistolen können tödlich sein

Um einen solchen Schein zu bekommen, darf man keine Vorstrafen über 60 Tagessätzen haben, darf nicht drogenabhängig sein und muss über 18 Jahre sein. Kostenpunkt: um die 50 Euro. Ziemlich einfach, ein Sachkundenachweis ist zum Beispiel nicht erforderlich, er ist auch zeitlich nicht befristet. Was man mit so einem Waffenschein und der dazugehörigen Waffe machen kann, das zeigt der Geschäftsführer im Laden.

An der Wand sind die verschiedenen Signal- und Gaspistolen aufgereiht. Wer keine Ahnung hat, kann sie nicht von echten Waffen unterscheiden. Allerdings feuern diese Waffen keine Projektile ab, sondern heiße Gase. Was kann man damit anrichten? "Da ist schon Druck drauf", sagt der Geschäftsführer. "Wenn Sie die Waffe einem anderen an die Schläfe halten und abdrücken, kann er hin sein."