Bistum Regensburg Sechs Priester und Nonnen unter Verdacht

Im Bistum Regensburg belasten Missbrauchsopfer auch noch lebende Ordensleute. Diese Fälle prüft nun die Staatsanwaltschaft.

Im Bistum Regensburg melden sich immer mehr Missbrauchsopfer. Neue Vorwürfe richten sich nun auch gegen sechs noch lebende Ordensleute.

Die Beschuldigten seien ein Pfarrer, zwei Ordensgeistliche, einen ehemaliger Ordensmann und zwei Ordensschwestern, sagte Bistumssprecher Clemens Neck. Nun untersuche die Staatsanwaltschaft die Fälle.

Unter den Beschuldigten sei auch ein Priester, der sich vor etwa 40 Jahren als studentische Hilfskraft im Internat der Domspatzen an zwei Jungen vergangen haben soll, sagte der Sprecher. Der zuletzt im Landkreis Ansbach tätige Pfarrer wurde in der vergangenen Woche von der Kirche suspendiert.

Die meisten Vorwürfe beträfen allerdings den Zeitraum vor Mitte der 70er Jahre, sagte Neck. Eine Tat soll 1984 geschehen sein. Der Sprecher versicherte, das Bistum werde sämtliche Informationen und Angaben der Betroffenen an die Staatsanwaltschaft weitergeben.

Drei der vier beschuldigten Priester wohnen laut Neck mittlerweile außerhalb der Diözese Regensburg, ihre jetzigen Bistümer seien benachrichtigt worden. Die beiden beschuldigten Ordensschwestern seien "dement und kaum ansprechbar".

Drei neue Tatvorwürfe gebe es gegen bereits verurteilte Geistliche, sagte Neck. Betroffen ist unter anderem Georg Z., der 1959 acht Monate als Direktor der Domspatzen tätig war. "Für diesen Zeitraum wurden bisher keine Straftaten nachgewiesen", sagte der Bistumssprecher. Auch gegen bereits gestorbene Geistliche gebe es Tatvorwürfe für das Jahr 1975 und die Zeit davor.

Trotz vieler Gespräche mit Missbrauchsopfern sind allerdings viele Umstände noch unklar.

So sagte Birgit Böhm, die Beauftragte für sexuellen Missbrauch im Bistum Regensburg, es sei derzeit "schwer nachvollziehbar", in welchen kirchlichen Einrichtungen die sexuellen Missbräuche geschehen sein sollen. Weitere Fälle bei den Regensburger Domspatzen seien bisher nicht bekanntgeworden.

Bei den vielen Gespräche mit Missbrauchsopfern hätten sich "relativ wenige Tatvorwürfe" herausdestillieren lassen. Oft seien die Opfer "zurückhaltend und unkonkret".

Während der Untersuchungen werden die Beschuldigten vom Dienst suspendiert oder beurlaubt, sagte der Bistumssprecher. Im Fall einer Verurteilung vor einem Gericht sei die Entlassung aus dem Klerikerstand die Folge.