Und das mitten im Sommer: Mit einem Grand Prix von 60 Springerinnen wird am Wochenende in Bischofsgrün die runderneuerte Sprungschanze freigegeben.
Wenn sich wie vorhergesagt das Wetter noch bessern sollte, dann wird es ein tolles Wochenende für Klaus Lederer und seine Mitstreiter vom Ski-Club Bischofsgrün. Mehr als 60 Skispringerinnen aus zwölf Nationen haben sich für den 6.FIS-Ladies Summer Grand Prix angekündigt.
Am Wochenende wird die neue Sprungschanze in Bischofsgrün eingeweiht. (© Foto: dpa)
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Mit Trainingsdurchgängen am heutigen Samstag und dem Wertungsspringen am Sonntag von 13.30 Uhr an. Das Springen markiert das Ende eines sechs Jahre währenden Ringens um eine moderne Mattenschanze. Nun ist sie fertig, nach Baustopp und etlichen Prozessen.
"Das hat sehr viel Kraft gekostet", sagt Lederer , der die Hoffnung nie aufgab, dass irgendwann doch wieder internationale Sprungwettbewerbe auf der Schanze am knapp über die 1000-Meter-Marke reichenden Ochsenkopf stattfinden. Jetzt kehre die erste Mattenschanze der westlichen Welt nach ihrem größten Umbau endlich zurück zum alten Glanz.
Unzählige unbezahlte Arbeitsstunden der Club-Mitglieder machen sich am Ende nun doch bezahlt. Es bedurfte allerdings einiger Gerichtsverfahren und Gutachten, bis ein Vergleich vor dem Landgericht in Bayreuth die endgültige Fertigstellung der Schanze sicherte.
Das bislang letzte Sommerspringen unterhalb des gut 1000 Meter hohen Ochsenkopfs ging im September 2001über den Bakken. Danach machten sich freiwillige Helfer und Baufirmen ans Werk, die 1957 als erste mit Kunststoffmatten präparierte Schanze in Europa komplett umzubauen.
Zwar war sie 1975 erweitert worden. Doch Sprungverhalten und Ausrüstung der Athleten haben sich seither geändert. Der V-Stil setzte sich durch und führte die Springer zu größeren Weiten. "Die Schanze musste den neuen Gegebenheiten angepasst werden, wollten wir weiter internationale Veranstaltungen ausrichten", sagt Lederer.
Aber schon im Spätherbst 2002 wölbte sich der neu gestaltete Aufsprunghügel leicht auf. Im folgenden Frühjahr brachen die Kunststoffbretter teilweise auseinander. Unterirdische Wasseradern, die bei der Planung unberücksichtigt geblieben waren, lösten kleine Hangrutsche aus.
Ein kommunaler Zweckverband als Bauherr und der Ski-Club waren mit den finanziellen Folgen einer Sanierung völlig überfordert. Die kalkulierten Kosten von 900 000 Euro waren nicht mehr zu halten. Doch der planende Architekt, selbst erfahrener Skispringer, und der Bodengutachter lehnten unter dem Einfluss ihrer Haftpflichtversicherungen einen Schadensausgleich in der vom Zweckverband geforderten Höhe lange Zeit ab.
Zwei Gutachten der Landesgewerbeanstalt in Nürnberg und der Technischen Universität München ließen jedoch kaum Zweifel an der Verantwortung der ausführenden Planer zu. Im Sommer 2006 kam ein Vergleich über 340000 Euro Schadensersatz zustande. Unmittelbar danach legten die Koordinierungsgruppe Sprungschanze und 150 Helfer Hand an das Projekt.
Manchmal habe man aber auch Probleme mit der Motivation gehabt, sagt der Bischofsgrüner Bürgermeister und Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Stephan Unglaub. Andererseits hätte eine Schanzenruine für das Skispringen im Fichtelgebirge das Aus bedeutet. Aus Mangel an Trainingsmöglichkeiten im Sommer seien junge Talente bereits zu anderen Vereinen abgewandert. Es fehlte eine übers ganze Jahr zur Verfügung stehende Schanze, die Weiten bis 75 Meter ermöglicht. "Unsere jungen Springer sind jetzt ganz heiß auf Trainingszeiten", sagt er.
Die fertige Schanze zählt nun zu den modernsten der Welt. Die Springer gleiten im Sommer auf vom Wasser überflossenen Edelstahlrinnen die 72,7 Meter zum Absprungtisch hinunter. Im Aufsprungbereich wurden 1500 Quadratmeter Kunststoffmatten verlegt. Technische Neuerungen und die lange Zeitdauer verdoppelten allerdings die Kosten. T
rotz Zuschüssen vom Land und der Oberfrankenstiftung blieb eine Finanzierungslücke von 250.000 Euro.Unglaub schmiedet dennoch schon wieder Pläne. Er will Mattenschanzen für Kinder und Jugendliche anlegen lassen, um den Fichtelgebirgsort zur bayerischen Kaderschmiede zu machen. Ein Vorbild für den Nachwuchs gibt es auch. Der Bischofsgrüner Henrik Ohlmeyer, in den 1960er Jahren einer der erfolgreichsten Springer der Bundesrepublik. Er ist am Wochenende Schanzenchef am Ochsenkopf.
(SZ vom 11. 8.2007)
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