Bischof sorgt für Ärger Mixa holt Sektierer in die Kirche

Bischof Mixa reicht dem ultraorthodoxen Rand der katholischen Kirche die Hand - und firmt Mitglieder der umstrittenen "Marienkinder".

Von Stefan Mayr

Der Augsburger Bischof Walter Mixa bemüht sich derzeit nach Kräften, dem Papst nachzueifern. Wie Benedikt XVI. streckt auch der Bischof die Hand zum ultraorthodoxen Rand der katholischen Kirche aus: Wie jetzt bekannt wurde, hat Mixa im September 2008 etwa 30 sogenannte Marienkinder gefirmt.

Die Marienkinder sind eine umstrittene Glaubensgemeinschaft, die in den achtziger Jahren durch Gewaltexzesse Aufsehen erregte. Mixa will die Sektierer wieder an die katholische Kirche heranführen.

1996 wurde der vorbestrafte Sektenführer Josef Zanker wegen Körperverletzung zu drei Jahren Haft verurteilt. Noch im Jahre 2000 bezeichnete das Bistum Augsburg die Marienkinder als "apokalyptische Gruppierung" mit "totalitärem Glaubenssystem".

In einer Broschüre berichtete das Bischöfliche Seelsorgeamt über "äußerst scharfe Angriffe" der Sekte gegen die katholische Kirche. "Das Gesangbuch 'Gotteslob' wird als Sünde gegen den Geist bezeichnet", hieß es. "Der Papst wird als satanisch bezeichnet", und für die Jahrtausendwende prophezeiten die Marienkinder eine "fürchterliche Schlacht", in der es zum "endgültigen Zusammenprall der Anhänger Mohammeds und den christlichen Nationen" komme. Damals hieß der Bischof Viktor Josef Dammertz und der Papst Johannes Paul II.

Heute ist Mixa Bischof - und auf der Internetseite des Bistums heißt es: "Seit Sommer 2007 sind die Marienkinder dabei, sich wieder in die Katholische Kirche zu integrieren."

Heilige Spedition

Sektenchef Zanker ist inzwischen gestorben, die 140 Mitglieder sind von Mindelheim nach Bad Wörishofen umgezogen. Dort leben sie heute im Gewerbegebiet, wo sie die Spedition AVE betreiben und in Heimarbeit Dekoartikel herstellen. Die Kinder besuchen normale Schulen.

Seit 2007 nehmen die Marienkinder auch an den Gottesdiensten teil, die im tridentinischen Ritus in lateinischer Sprache abgehalten werden. "Der Prozess der Eingliederung in die Kirche ist ein längerer Weg der Heranführung", sagt Christoph Goldt, Pressesprecher des Bischofs. Die Frage, ob die Marienkinder das Zweite Vatikanische Konzil anerkennen, beantwortet Goldt ausweichend: "Die Akzeptanz aller ökumenischen Konzilien ist zwingend notwendig. Dies trifft auch auf die Marienkinder zu, die sich ja auf den Weg in die Kirche gemacht haben."

Ähnlich unbestimmt äußert er sich zur Akzeptanz des ehemals verteufelten Gesangbuches: "Die Marienkinder werden behutsam mit dem 'Gotteslob' vertraut gemacht", formuliert Goldt. Robert Müller, der Sprecher der Marienkinder, wollte sich zu diesen Fragen nicht äußern. Er bestätigte jedoch, dass dies die erste Firmung durch einen Bischof seit Gründung der Gemeinschaft in den siebziger Jahren war: "Das hat uns sehr gefreut", sagte Müller.

Zum Betreuer der Marienkinder hat Bischof Mixa Pater Walter Huber von der sogenannten Petrusbruderschaft bestimmt. Die Petrusbrüder gelten als konservativ und haben sich 1988 von der umstrittenen Piusbruderschaft abgespalten. Helmut Mangold, der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrats, betont, dass die Marienkinder keine Sekte mehr seien, wenngleich es eine "außergewöhnliche Gruppierung" sei.

Andererseits hätte es Mangold "für sinnvoll gehalten", wenn Mixa mit den 30 Marienkindern gleichzeitig die Kinder der Stadtgemeinde gefirmt hätte. Letztere empfingen die Firmung nicht vom Bischof, was in der Gemeinde einigen Unmut auslöste. Dass die Annäherung des Bistums an die Marienkinder eine gewisse Ähnlichkeit zur Annäherung des Vatikans an die Piusbruderschaft hat, dementiert selbst Mixas Sprecher Goldt nicht: "Abspaltungen sind für alle Bischöfe seelsorgerische Herausforderungen. Heilung, Vergebung und Versöhnung gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Kirche."