Bildungspolitik Was sich zum neuen Schuljahr in Bayern ändert

Das neue Schuljahr steht unter dem Motto "Stark machen".

(Foto: dpa)
  • In allen weiterführenden Schulen in Bayern tritt zu Schuljahresbeginn zugleich ein neuer Lehrplan in Kraft.
  • Bildungsminister Ludwig Spaenle sieht darin einen "historischen Moment".
  • 13 Jahre nach der Einführung des G 8 werden in 430 Gymnasien die ersten Schüler anfangen, die wieder nach neun Jahren Abitur machen.
Von Anna Günther

Am Dienstag wird um acht Uhr morgens Bildungsgeschichte geschrieben. Zumindest, wenn es nach Bayerns Schulminister Ludwig Spaenle geht. 112 400 Erstklässler werden an diesem Tag zum ersten Mal in einem Klassenzimmer sitzen, mehr als im vergangenen Schuljahr. Aber Spaenles "historischer Moment" betrifft die älteren Schüler: Noch nie sei an allen weiterführenden Schulen zugleich ein neuer Lehrplan in Kraft getreten, sagte er am Freitag.

Teilnehmer der Pressekonferenz dürften sich auch daran erinnern, wie lange es am Freitag im Ministerium dauerte, bis klar war, worin der Unterschied zwischen dem alten Lehrplan und dem neuen Lehrplan Plus besteht. Am Ende klärten Elfriede Ohrnberger, zuständig für Grundsatzfragen, und Spaenles Amtschef Herbert Püls auf: Das Plus ist kaum sichtbar. Denn nicht die Inhalte ändern sich, sondern das Wie.

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Die Lehrer sollen den Stoff nicht wie bisher vermitteln, sondern an die Kompetenzen denken, die alle Schüler bis zu den Sommerferien idealerweise erworben haben. In den Grundschulen wird bereits so unterrichtet. "Im Heft werden Eltern das wohl zunächst nicht merken", sagte Püls.

Kaum spürbar ist auch die größte Veränderung. Dabei soll sie den Schlusspunkt unter einen langen Streit setzen: 13 Jahre nach der Einführung des G 8 fangen am Dienstag in 430 Gymnasien die ersten Schüler an, die wieder nach neun Jahren Abitur machen. Offiziell beginnt das G 9 erst 2018, aber dann für die fünften und sechsten Klassen. Die Unterschiede im Lehrplan der Fünftklässler seien marginal, die Pläne für fünfte und sechste Klasse quasi fertig. Bücher und Pläne für die nächsten Jahrgangsstufen sind in Arbeit.

Chaos wie 2004 zum Beginn des G 8 erwartet im Ministerium niemand, und Spaenle setzt auf maximalen Konsens. Vertreter von Eltern, Schülern, Lehrern und Ministerium erarbeiten gemeinsam die Stundentafel, die sogenannte Überholspur, mit der Schüler das Abitur auch künftig nach acht Jahren ablegen können, und die neue Oberstufe.

Eine Reform der Kursphase wünschen sich Lehrer und Schüler sehr, aber sie müssen sich noch gedulden. Weil die Kultusministerkonferenz Rahmenbedingungen für alle 16 Bundesländer erarbeitet, will Spaenle noch abwarten. "Aber ich sage heute zu, dass die Oberstufe reformiert wird", betonte er.

Das neue Schuljahr steht unter dem Motto "Stark machen". Alle Schüler sollen individuell gefördert und auf das Leben nach dem Abschluss vorbereitet werden. Die Schulen will Spaenle so ausstatten, dass sie Aufgaben wie Digitalisierung, Inklusion und Integration der Flüchtlinge leisten können. Aus Sicht des Ministers ist man mit 2000 Stellen aus dem Bildungspaket auf einem guten Weg.

Die Opposition sieht die Lage weniger rosig

Die größte anstehende Veränderung aber sei die Digitalisierung. Dafür müssen alle 6100 Schulen ein Medienkonzept entwickeln. Zudem soll das Fach Informatik nun in allen Schularten ausgebaut werden - sofern die Haushaltsverhandlungen das hergeben.

Dass Verbände und Opposition seit Tagen den drohenden Lehrermangel beklagen und vor einer Situation wie im vergangenen Februar warnen, als Hunderte Lehrer wegen Pensionierungen und Krankheit fehlten, brachte Spaenle nicht aus der Ruhe. Alle Stellen seien momentan besetzt, sagte Spaenle, ein Lehrer komme auf 13,8 Kinder, 2400 Springer stünden für Notfälle an Grund- und Mittelschulen bereit.

Bayerns Schulen seien "gut gerüstet", sagte er und wirkte entspannt. Als einziger Minister hat er bereits die Zusage Horst Seehofers, dass er auch nach einer Kabinettsumbildung seinen Job behält.

Die Opposition sieht die Lage weniger rosig: Michael Piazolo (Freie Wähler) warf Spaenle vor, die derzeitigen G-8-Schüler im Stich zu lassen, denen eine Verlängerung um ein Jahr verwehrt bleibe. Martin Güll (SPD) kritisierte die Mutlosigkeit des Ministers, der die Chance einer echten Gymnasialreform vergebe.

Für Thomas Gehring (Grüne) ist das Bildungspaket eine "Mogelpackung", denn "die Hälfte der Stellen ist für die Gymnasien und kommt auch erst, wenn die G-9-Einsteiger in die Oberstufe wechseln."

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