Zeugnistag für Kultusminister Spaenle: Der Bayerische Lehrerverband kommt zu dem Schluss: "Die Schulpolitik tritt auf der Stelle".
Zum Ende des Schuljahres (31. Juli) hat der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) schlechte Noten gegeben. "Die Schulpolitik tritt auf der Stelle und hat auch das zu Ende gehende Schuljahr nicht für eine Modernisierung des Schul- und Bildungswesens genutzt", kritisierte BLLV-Präsident Klaus Wenzel in München.
Kultusminister Spaenle: BLLV kritisiert die bayerische Schulpolitik. (© Foto: dpa)
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Im Mittelpunkt müsse die Förderung der Schüler stehen und nicht "das krampfhafte Festhalten an einem fragwürdigen Auslesesystem".
"Junge Menschen müssen sich angenommen fühlen und dürfen nicht durch schlechte Noten demotiviert und ausgegrenzt werden", sagte Wenzel laut BLLV-Mitteilung. "Ihr individuelles Lerntempo darf nicht dazu führen, dass Bildungswege verschlossen bleiben."
Alle Bildungswege müssten grundsätzlich allen Kindern offenstehen - unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern, ihrem Wohnort und ihrer Herkunft. "Die in diesem Schuljahr vom Kultusminister angekündigten schul- und bildungspolitischen Maßnahmen tragen nicht wesentlich dazu bei, dass sich die Situation an den Schulen verbessert", bilanzierte Wenzel. "Der BLLV bedauert dies sehr."
Trotz zahlreicher Ankündigungen sei auch das Ganztagsangebot völlig unzureichend. Zwar habe es im vergangenen Schuljahr eine "Flut neuer Maßnahmen und Änderungen" gegeben, grundlegende und hilfreiche Reformen seien jedoch ausgeblieben.
Die vielen Änderungen seien zudem für Laien kaum noch zu durchschauen und raubten auch Lehrern und Schulleitern wertvolle Zeit und Energie. Auch in den jüngsten Ankündigungen von Spaenle zur Grund- und Hauptschule sei wenig Substanz erkennbar.
Der Zeugnistag sei für viele der fast 1,45 Millionen Schüler ein schwieriger Tag, betonte Wenzel. Auch am Ende dieses Schuljahres müssten Tausende junger Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen und Zigtausende würden zum Sitzenbleiben gezwungen.
Ein schlechtes Zeugnis konstatiere schulisches Versagen, aber die eigentliche Frage sei, ob "nicht in Wahrheit die Schulpolitik versagt hat, weil sich alles nur um Auslese, um Noten und um Berechtigungen dreht".
Die Gründe für schlechte Noten seien so verschieden wie die betroffenen Kinder, betonte der Lehrerpräsident. "Es gibt die, die einfach nur mehr Zeit bräuchten, die zusätzlichen Förderunterricht benötigen würden oder aber gerade die Trennung ihrer Eltern verkraften müssen." Die Hauptaufgabe der Schule müsse heute darin liegen, auf diese unterschiedlichen Problemlagen angemessen reagieren zu können. Dabei fühlten sich viele Lehrer aber von der Schulpolitik im Stich gelassen.
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(dpa/bica/ihe)
Die neueste Antwort
vollkommen richtig,
das Kultusministerium dient vielmehr als Abstellgleis für verdiente Parteimitglieder (siehe Hohlmeier). Innovationen kann man von diesen Herrschaften nicht erwarten, die schicken ihre Kinder auf Privatschulen.
Die Liste an dringend notwendigen Verbesserungen ist ellenlang und keinen interessiert.
Das Desaster setzt sich an den Universitäten fort.
Dank unserer Bildungspolitik ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir den letzen verbleibenden Wettbewerbsvorteil des Standorts Deutschland verlieren!
Wie wird man in Bayern Kultusminister? Ganz bestimmt nicht dadurch das man sich auskennt in diesem Fach sondern durch lange Parteizugehörigkeit.
Was kann man von so jemand erwarten? Nichts!
Genau das haben wir! Nichts! Seit Jahren ändert sich nichts, macht sich keiner wirklich Gedanken was gut oder schlecht ist im Schulsystem.
Ich frage mich, wozu unsere Politiker rumreisen und sich andere Schulsysteme anschauen - für viel Geld natürlich - aber trotzdem nichts daraus lernen. Waren nicht erst kürzlich welche in den nordischen Ländern (die bekanntermaßen im Pisa Test sehr gut abschneiden) - was haben wir darüber erfahren? Was wird bei uns umgesetzt? Müssen wir das Rad immer neu erfinden oder können wir mal was von anderen annehmen?
Nein geht nicht - da bräuchte es ja einen innovativen Minister - und so was haben wir in Bayern ganz bestimmt nicht!
Die Gründe warum die abi-Lehrer, dass jetzige Schulsystem zementieren wollen sind doch klar und gehen nach den alte k.u.k. Motto: "Bewegen muss sich was, aber ändern darf sich nichts.
Ich verstehe auch nicht warum hier ein (künstlicher) Widerspruch zwischen Fach- und Klasslehrer aufgebaut wird: Sollen etwa 14 jährige mit derselben Pädagogik wie 6-jährige unterrichtet werden. Richtig ist: "unterschiedliches schuelerklientel erfordert nun einmal unterschiedliche behandlung." Aber die Klientel kann sich auch im selben Schulgebäude, unter derselben Verwaltung befinden und wie ein Lehrer eigentlich wissen sollte sind die Begabungen nicht immer auf allen Gebieten gleich - oder sie werden durch äußere Umstände verschüttet bzw. nicht gefördert (etwa Technik/Mathematik bei Mädchen). Und dann dieser unsägliche Anklang an den zu zementierenden unterschied zwischen fachlich/pädagogisch (deshalb kann ein Fachlehrer auch seine Ausbildung (fast) ohne pädagogische Ausbildung abschließen).
Die Durchlässigkeit im Schulwesen ist zwar gegeben - aber nicht oder kaum für die die von Anfang an in die unterste kognitive Schublade gesteckt werden.
Politiker machen keinen Unterricht sondern stellen nur die Rahmenbedingung.
Warum der eine Schüler durchfällt oder nicht liegt auch an den entsprechenden Lehrern. Leider sagt Herr Wenzel darüber nichts. Ich glaube, dass jeder Leser mindestens einen Fall kennt, indem die Lehrer eine 'falsche' Schulempfehlung gegben haben.
In Bayern gibt es die Durchlässigkeit, wer dies bezweifel hat meiner Meinung nach keine Ahnung.
Es tut mir ja sehr leid, aber der bllv steht hier mit seiner meinung allein auf weiter flur in bayern. Die anderen Lehrer-Verbände haben sich in der abl (arbeitsgemeinschaft bayerischer lehrerverbände) zusammengeschlossen und plädieren stark für den prinzipiellen erhalt des derzeitigen systems. Auch fast alle landeselternverbände unterstützen die derzeitige struktur. leider berichtet die sueddeutsche hier sehr sehr einseitig. die falschen und zunehmend beleidigenderen aussagen der führungsebene des bllv werde nicht dadurch richtiger, dass man sie immer vehementer wiederholt.
wann begreifen wir endlich, dass es unterschiedliche kognitive begabungen gibt?
wann verstehen wir endlich dass sich eine abiturientenquote von 50%+x nur dann erreichen lässt, wenn man das niveau drastisch senkt?
wann verstehen die leute endlich dass ein klasslehrerprinzip (ein lehrer für eine klasse) und ein fachlehrerprinzip ( jedes fach ein anderer lehrer) nicht einfach zusammenwerfen lässt. ich selbst unterrichte mathe und bwl und ich möchte auf keinen fall eine 10 klasse realschule in z.b englisch oder deutsch in den abschluss führen müssen! das geht nicht ohne einen drastischen qualitätsverlust. hingegen können klassenlehrer viel mehr pädagogisch wirken, da sie die schüler im normalfall mehrere stunden am tag betreuen.
unterschiedliches schuelerklientel erfordert nun einmal unterschiedliche behandlung.
angesichts des dramatischen lehermangels ist es zudem nahezu unverschämt eine individualisierung zu versprechen und anzukündigen!
hier ist auch mittel- und langfristig nur eine segmentierung in begabungskategorien möglich. zudem stehen in bayern mit jedem abschluss immer weiterführende wege offen.
Paging