"Rein zufällige Terminkollision": Wie die Staatsregierung eine Nürnberger Demo gegen die bayerische Schulpolitik unterläuft.
Mit den jüngsten Beschlüssen zur Stoff- und Stundenkürzung am achtjährigen Gymnasium hatte die CSU gehofft, dass bei den Eltern wieder Ruhe einkehrt und das Thema Schulpolitik nicht mehr die Schlagzeilen bestimmt.
Ministerpräsident Günther Beckstein (© Foto: ddp)
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Der Staatsregierung konnte es deshalb nicht gefallen, dass am kommenden Samstag ein Aktionsbündnis in Nürnberg zur Protestkundgebung "Beste Bildung mit Zukunft für Bayern" aufruft. Also schritt die Staatskanzlei zur Tat und lud kurzerhand zu einer Diskussion mit dem einfallsreichen Titel ein: "Beckstein im Dialog: Schule."
So zumindest stellt sich das aus Sicht der Koordinatoren der Nürnberger Demonstration dar, die jetzt den Ministerpräsidenten gebeten haben, seine Veranstaltung zu verschieben.
25 örtliche Lehrer-, Eltern- und Schülerorganisationen wollen am 26. April am Nürnberger Kornmarkt für kleinere Klassen, mehr Lehrer, Ganztagsschulen und eine "Überarbeitung des G-8-Konzepts" demonstrieren. Als Redner war auch Ministerpräsident Günther Beckstein eingeplant, doch der sagte seine Teilnahme ab. Der Grund ist, dass parallel zur Nürnberger Demo in der Staatskanzlei ein runder Tisch mit Regierungschef Beckstein zu Fragen der Bildungspolitik stattfindet.
Zu dieser Veranstaltung sind auch die Repräsentanten aller wichtigen Verbände eingeladen, was sie daran hindert, an der Protestkundgebung in Nürnberg teilzunehmen. So gingen persönliche Einladungsschreiben der Staatskanzlei an den Philologenverband, den bayerischen Lehrerverband sowie die Landeselternvereinigung bayerischer Gymnasien, die allesamt Mitveranstalter der Nürnberger Großkundgebung sind.
Der Ärger bei den Kundgebungsplanern in Franken ist entsprechend groß. "Uns befremdet, dass circa zwei Wochen vor der Demonstration ausgewählte Vertreter der Verbände Einladungen von Ihnen zu einer Veranstaltung bekamen, welche leider am selben Tag wie unsere Demonstration stattfindet", heißt es in einem offenen Schreiben an Beckstein.
Die Koordinatoren des Bündnisses sprechen von einer gezielten Gegenveranstaltung der Staatsregierung und fordern den Ministerpräsidenten auf, statt hinter verschlossenen Türen mit den von der Schulpolitik Betroffenen auf der Straße zu diskutieren. In der Staatskanzlei will man davon nichts wissen. "Das ist keine bewusste Gegenveranstaltung, sondern eine rein zufällige Terminkollision. Das Datum stand schon lange fest", heißt es.
Um die Wogen zu glätten, schlug die Staatsregierung vor, Kultusstaatssekretär Bernd Sibler anstelle von Beckstein nach Nürnberg zu schicken. Doch das Bündnis schlug das Angebot aus. So wird es am kommenden Samstag zwei konkurrierende Bildungsevents in Bayern geben.
Die Eingeladenen können sich jetzt aussuchen, wem sie sich mehr verbunden fühlen: der CSU oder dem Bündnis von Eltern und Lehrern. Eines aber scheint klar zu sein: Die von der CSU ersehnte Ruhe an den Schulen wird vor der Landtagswahl nicht einkehren.
(SZ vom 22. April 2007)
OB-Kandidatin Nallinger
Die neueste Antwort
Es wird immer wieder argumentiert, Pisa beweise wie gut das bayerische Schulsystem sei. Ich hatte Anfang des Jahres eine Stelle für einen Hochschulabsolventen frei. Bei der Auswahl der Kandidaten war es für mich irrelevant, ob sie ihr Abitur in Bayern, Sachsen oder sonstwo gemacht haben. Wichtig war, dass sie das Richtige studiert hatten.
Bayern siebt seine Schüler immer wieder aus bis nur 20% Abitur machen oder ca. 13% über Fachabitur studieren können. In Baden-Würthemberg sind die Zahlen z.B. ca. 30% plus 12%. Das verwundert nicht, da die Durchfallquote in Bayern fast doppelt so hoch sein soll wie in Baden-Würthemberg - wieso eigentlich? Bayerische Schüler dürfen seltener studieren als ihre Kollegen aus anderen Bundesländern - Bayern ist hier nahezu Schlußlicht (!).
Das bayerische Schulsystem erfüllt also zwei Aufgaben nicht ausreichend, die Schüler erhalten bei gleicher Eignung nicht die Chancen wie ihre Mitschüler in z.B. anderen Ländern und die Bedürfnisse der bayerischen Wirtschaft nach Höherqualifizierten werden nicht genügend erfüllt, da es die Suche z.B. nach Ingenieuren etc noch zusätzlich erschwert, was z.B. mein Unternehmen ganz klar beim Wachstum behindert.
Nachtrag aus
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/astuecke/34282/index.html
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In der Wertung der naturwissenschaftlichen Leistung der Neuntklässler in Gymnasien liegt Schleswig-Holstein auf Platz eins: Das nördlichste Bundesland errang hier 595 Punkte, Baden-Württemberg mit 588 Punkten Platz zwei und Bayern mit 587 Punkten Platz drei.
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Die bayrischen Neuntklässler von 2000 KÖNNTEN heute auch schon Studenten in einer Natur- und Ingenieuswissenschaft sein, wenn sie die Voraussetzungen dafür hätten.
Interessant wäre doch neben der Pisastudie, eine Studie, die Auskunft gibt, über die Studierfähigkeit eines Jahrgangs in Fächern, für deren Absolventen eine rege Nachfrage herrscht. In Bayern machen ja leider nur ca 20% eines Jahrgangs überhaupt regulär am Gymnasium Abitur, ein Prozentsatz der von der OECD schon bei den STUDIENABSOLVENTEN , also der Spitze der Pyramide, als unzureichend kritisiert wird. Hier wäre die Politik gefordert ..
Die Industrie wird sich das wie immer einfach machen: Fehlen hier Ingenieure, Naturwissenschaftler, Informatiker, dann wird eben auch eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung nach Osten verlagert. Polen und Rumänen dürfen sich freuen.
Vorher (jetzt schon) wird ja ein massiver Import ausländischer Fachkräfte gefordert .. Und was und wozu bilden wir aus? Ministerialbürokraten /Juristen usw ? ;)
Dem jungen Herrn SIBLER kann man sicher eine solide Praxis als Berufspolitiker bescheinigen.
Aber Schulerfahrung? Seine Vita (HP des Kultusministeriums) sagt: 2 Jahre Referendarzeit plus 1 Jahr Asessor. Macht 3 Jahre Schulpraxis, 2 davon Ausbildung. Und diese geballte Schulpraxiskompetenz soll Eltern überzeugen?
..
ist doch kein Trick zu billig, um sich aus der Verantwortung für seine missratene Schulpolitik zu stehlen. Wieder ... typisches Beispiel für die Arroganz und Intriganz der CSU
Führung. Statt mit den Leuten zu reden, die kleinen dummen Tricks. Ob die Bürger sich das noch lange gefallen lassen, selbst mm Obrigkeitsstaat Bayern in dem manche Einfaltspinsel noch auf einen überdrehten Märchenkönig stolz sind? :D
Interessant finde ich ja an der alten (veralteten) Pisa Studie folgenden Abschnitt - und zwar vor dem Hintergrund dass der Anteil der Gymnasiasten an einem Jahrgang in Schleswig-H viel höher als in Bayern ist. In SWH wurde also viel mehr Kindern eines Jahrgangs gute naturwissenschaftliche Bildung vermittelt als in Bayern. Was fehlt denn derzeit und künftig in der Industrie? Lateinlehrer oder Ingenieure? ;)
Zitat aus http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/astuecke/34282/index.html
Wo habe ich das Gegenteil behauptet? Solche Angriffe sind doch nur noch langweilig.
haben ihre Kinder schon mal vorsorglich in die Waldorf-Schule oder sonstige verfrachtet.
Da haben die keinen Streß - daß die Kinder des einfachen Wählervolkes jetzt im Streß leben, interessiert nicht.
Hauptsache - die Elite bleibt unter sich.
Paging