Bilderfund im Depot Regensburger Historiker sucht Sensation und findet Blamage

  • Der Historiker Rudolf Reiser wollte im Historischen Museum in Regensburg ein bislang unbekanntes Gemälde von Albrecht Dürer entdeckt haben.
  • Reiser hatte mit Unterstützung des Museums den Fund schon medienwirksam vorgestellt, als bekannt wurde: Stimmt leider alles so nicht.
  • Das Bild ist eine Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Das Historische Museum sei "eigentlich informiert", dass es sich um kein Dürer-Gemälde handele.
Von Andreas Glas, Regensburg

Die Pressekonferenz war kaum zu Ende, da machte die Nachricht schon Karriere: "Sensation in Regensburg", twitterte ein Münchner Journalist. "Echten Dürer in 'Rumpelkammer' entdeckt", hieß es am Tag danach in der Donau-Post. Weiter im Text erfuhr der Leser, dass es sich bei der Rumpelkammer um das Depot des Historischen Museums in Regensburg handelt und beim Entdecker um den Historiker Rudolf Reiser.

Dass es keine Beweise dafür gab, dass es ein Dürer-Gemälde ist? Wurscht. Entdecker Reiser hatte ja einen guten Grund, keine Kunstexperten auf das Bild schauen zu lassen: Er hält sich offenbar selbst für den kundigsten Experten. Die Expertise anderer Fachleute "interessiert mich nicht, die wären nur neidisch", sagte Reiser. Das klang, "als seien wir alle Vollidioten", findet einer dieser Fachleute, Thomas Schauerte, Chef des Nürnberger Albrecht-Dürer-Hauses.

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Nun, vier Tage nach der Pressekonferenz, muss sich das Regensburger Museum die Frage gefallen lassen, ob die wahren Idioten im eigenen Haus sitzen. "Nichts liegt diesem Bild ferner, als in die Nähe von Albrecht Dürer gerückt zu werden", sagt Martin Schawe, Vize-Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (BStGS). Er sollte es wissen, das Bild gehört den BStGS und ist eine Leihgabe an das Historische Museum. Es handelt sich wohl um Nazi-Raubkunst.

Dass das Gemälde kein Dürer ist, sondern "ein Werk der sogenannten Donauschule im weiteren Sinne", sagt Schawe, darüber sei das Regensburger Museum "eigentlich informiert". Trotzdem lud das Museum am vergangenen Freitag die Presse ins Haus, um Rudolf Reiser den angeblichen Sensationsfund präsentieren zu lassen. "Höchstpeinlich", kommentiert eine Sprecherin des Nürnberger Dürer-Hauses. Und ihr Chef, Thomas Schauerte, sagt: "Es ist mir schleierhaft, wie man das Risiko eines solchen Blindflugs eingehen konnte."

Das Ölgemälde zeigt die Heiligen Drei Könige bei der Anbetung von Maria und Jesus. Die vermeintliche Echtheit des Bildes hatte Rudolf Reiser unter anderem damit erklärt, dass Albrecht Dürer einst drei Ringe an einem seiner Finger getragen habe - eben genauso wie der "Mohrenkönig" auf dem vermeintlichen Sensationsfund. Reisers Umkehrschluss: Der schwarze König ist ein Selbstporträt des Künstlers Dürer, ganz klar. Auch die Nürnberger Burg und der Torbogen im Hintergrund seien typisch gewesen für Dürers Kunst.

"Das ist so abwegig", sagt Thomas Schauerte. Dass sich Dürer als "Mohrenkönig" malen würde, sei "für die damalige Zeit schlichtweg nicht denkbar" gewesen. Und die Burg und die Bogenstrukturen seien "so flau und schematisch, das hätte Dürer nicht mal seinem Lehrling durchgehen lassen".

Dass man "kein gewiefter Dürer-Spezialist sein muss", um den Irrtum zu erkennen, wie Schauerte sagt, das finden auch einige Mitarbeiter des Historischen Museums in Regensburg. "Es wirft ein schlechtes Licht auf unser Haus, weil das einfach Humbug ist und man das von vornherein hätte unterbinden können", sagt eine Mitarbeiterin über die Blamage. Sie stört vor allem, dass Reiser "seine Hirngespinste" öffentlichkeitswirksam in den Museumsräumen vortragen durfte.

Dass Reiser, der vor Jahren Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung war, das Museumsdepot dann noch als Rumpelkammer bezeichnete, dürfte dem Ansehen des Museums auch nicht unbedingt gut tun. Zumal die städtischen Museen in Regensburg eh mit Negativpresse kämpfen. Nach Ansicht des Regensburger Arbeitskreises Kultur ist kürzlich bei der Ausschreibung des Museen-Chefpostens getrickst worden. Die Stadt habe die Anforderungen an den künftigen Chef in einer "lächerlichen Art und Weise eingegrenzt" und die Stellenausschreibung so gezielt auf ihren Favoriten zugeschnitten. Diesem Favoriten aber traut der Arbeitskreis die Aufgabe offenbar nicht zu - und fürchtet, dass das Historische Museum Regensburg bald gar keine ernstzunehmende Rolle mehr spielt in der überregionalen Museumsszene.

Und was sagt der noch bis zum Frühjahr amtierende Museumschef zur Dürer-Blamage? Nichts. Peter Germann-Bauer lässt lieber den Kulturreferenten reden. Man habe nie von einem Sensationsfund gesprochen, teilt Klemens Unger mit, außerdem habe man Rudolf Reisers Forschungsergebnisse ausdrücklich "als dessen Ergebnisse bezeichnet und darauf verwiesen, dass diese der Bestätigung von Fachleuten und Experten bedarf". Eine entsprechende Prüfung stehe noch aus. In Regensburg, so scheint es, hat man die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich irgendwo ein Experte findet, der die Blamage doch noch zur Sensation erklärt.

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