In anderen europäischen Städten gehören sie zum Straßenbild: Bettler. Doch der deutsche "Demutsbettler" sei inzwischen die Ausnahme, sagen die Behörden. Und deshalb gehen sie im Freistaat rigoros gegen Bettler vor - nicht nur gegen organisierte "Banden". Dafür machen sie von einer kleinen juristischen List Gebrauch.
Mittags kommen immer die Schüler, und das heißt: die Ungewissheit darüber, welcher der kleinen Menschen wortlos ein 20-Cent-Stück in die Wollmütze von Werner H. hineinlegt und welcher bloß wieder ein 1-Cent-Stück hineinpfeffert und mit viel Gelächter und beleidigenden Worten weiterziehen wird. Werner H. kennt beides.
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Fast täglich sitzt der Mann, der wesentlich älter aussieht als 41, an einer Kreuzung nahe dem Münchner Hauptbahnhof. Auf einer Straßenseite ohne Geschäfte. Man könnte sich günstigere Orte zum Betteln ausmalen, zumal in einer Stadt wie München mit ihrem Innenstadtgedrängel, in dem die Portemonnaies locker sitzen und die Sonnenbrillen im Haar, nur: Sobald Werner H. sich näher an den Hauptbahnhof oder die schicken Ladenzeilen der Landeshauptstadt heran platziert, so erzählt er, vertreibe ihn die Polizei.
Keine Kriminalisierung beim Anblick von Armut
50-mal im Monat greifen Polizisten auf diese Weise durch, schätzt das städtische Kreisverwaltungsreferat. Wäre das anders, würden Menschen, die in einem Pappbecher oder einer Mütze Kleingeld sammeln, hier vielleicht zum Stadtbild gehören wie in anderen europäischen Städten auch. München hat 1980 entschieden, das nicht zuzulassen. Die Stadt hat damals die Bettelei zur Belästigung erklärt, Bußgelder ausgeschrieben und Streifen losgeschickt. Das Antlitz der Stadt hat sich damit verändert - und von München ist auch ein Trend ausgegangen, der den Freistaat insgesamt verändert hat.
Seit kurzem, sagt der Magdeburger Sozialforscher Titus Simon, der die Situation von Obdachlosen bundesweit untersucht hat, finde sich in Bayern kaum mehr eine Stadt mit mehr als 50.000 Einwohnern, die nicht gegen Bettler vorgehe. Die Städte müssen dafür von einer kleinen juristischen List Gebrauch machen. Denn das Bundesverfassungsgericht hat eigentlich vor 40 Jahren klargestellt, dass das stille Handaufhalten, also die bloße Konfrontation mit dem Anblick von Armut, nicht kriminalisiert werden darf. Die Stadt München war 1980 die erste, die darauf eine findige Erwiderung gab: Dann müsse man Bettler eben als Gewerbetreibende betrachten - die allerdings eine Genehmigung benötigten.
Die "osteuropäische Bettelbande"
Aus der kleinen List ist ein großer Trend erwachsen. Städte wie Regensburg, Nürnberg oder Augsburg folgten dem Beispiel, erklärten in kommunalen Satzungen fast wortgleich das Betteln zur genehmigungspflichtigen "Sondernutzung" ihrer öffentlichen Flächen - und schlossen deren Genehmigung im selben Atemzug aus. Lediglich die Begründungen haben sich mit der Zeit gewandelt. 1980, als der damalige Münchner CSU-Oberbürgermeister Erich Kiesl erstmals seine Bediensteten anwies, Bettler von ihren Sitzplätzen zu vertreiben, begründete er dies mit der Sorge um das Erscheinungsbild der Innenstadt. Auch Prostituierte mussten damals weichen. Später, in den neunziger Jahren, rückten zahlreiche bayerische Städte das "subjektive Sicherheitsgefühl" ihrer Bevölkerung in den Fokus. Die Stadt Nürnberg etwa verdrängte unter den viel publizierten Kampagnen-Schlagwörtern "Sichere Stadt" und "Saubere Stadt" nicht nur Bettler, sondern auch Punks und andere, die auf öffentlichen Plätzen "lagerten".
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Die neueste Antwort
1) bandenmäßiges Betteln
Ich würde mal behaupten, dass dies eine Straftat ist, die der Staat verfolgen muss. Denn es werden hier Menschen von Banden ausgenutzt wenn nicht sogar ausgebeutet (teilweise eigene Familie usw.) Die Realtität sieht dann allerdings gant anders aus -> Da die Stadt sich damit aber nicht beschäftigen will, entledigt man sich des Problems einfach durch die Polizei, die dann nur dafür sorgt, dass die entsprechenden Personen verschwinden, statt sich um den Kern des Themas zu kümmen und die Täter zu verantwortung zu zihen.
2) Betteln
Gehe mal davon aus, dass niemand auf die Welt kommt um später zu betteln. Aso muss zwischendurch einiges schief gelaufen sein. Nun könnte man sagen, naja, ist derjenige halt selber schuld, hätte er sich besser organisiert bla bla ...
Dann sollte man sich allerdings direkt mal davon verabschieden, ein soziales Wesen zu sein (ich glaube auch, dass der Mensch in Kern gar kein soziales Wesen ist).
Gerne wird auch behauptet, das diejenigen, die betteln, doch selber schuld sind. Sie könnten doch auf das Sozialamt gehen und dann wird ihnen doch geholfen. Ich wünsche niemand, diesen Weg einmal einschlagen zu müssen.
Alleine, dass jemand zum Bettler geworden ist, ist schon ein Versagen der Gesellschaft (und diese Gesellschaft versagt nicht nur hier (Stichwort: Kinderarmut) und sollte eigentlich in einem so "christlischen Land" (der Scheinheiligen) nicht vorkommen.
Der Mensch ist einereseits genial, andererseits aber seit seinem Bestehen das übelste Raubtier, dass man sich vorstellen kann.
Fazit: Bettler erinnern den Menschen daran, dass etwas schief gelaufen ist und es ist ihm unangenehm. Wenn etwas unangenehm ist, dann muss man es beseitigen, pardon entsorgen, wie man heute so schön sagt. Und genau so wird es dann auch gemacht, nicht nur hier, sondern überall!
Fehlt nur noch der Hinweis: Schaut her, wenn ihr Euch nicht durchsetzen könnt (egal wie), dann landet ihr auch hier und könnt betteln.
Bin mal gespannt, wann die ersten Tafeln verboten werden, wenn es immer mehr davon geben sollten und diese dann zu stark in die Öffentlichkeit geraten.
"In der Bundesrepublik wurde die Sozialhilfe eingeführt, damit bedürftige Menschen nicht betteln müssen. Auch Wohngeld gibt es, damit Menschen nicht obdachlos sein müssen und verwahrlosen. "
Jo. Unter der Bedingung, man hat Zugang zu einem Konto, nutzt einem das sogar etwas. Was aber mit denen ist, die - aus welchen Gründen auch immer - kein Girokonto eröffnen dürfen/können, ist dabei schön ausgeblendet.
" Es hat also auch was mit sozialem Fortschritt zu tun, daß man in den Innenstädten nicht ständig angebettelt wird, wie z.B. in Rio oder Manila. "
Falsch. Es hat etwas mit sozialem Fortschritt zu tun, daß es einem Großteil der potentiell vom Betteln Betroffenen ermöglicht wird, diesem Schicksal zu entgehen.
"Ebenfalls hat es auch was mit Menschenwürde zu tun, nicht sein Elend den anderen vorzuführen."
Falsch. Ginge es danach, dürften Opfer von Kriegsverbrechen, Vergewaltigungen etc nicht klagen. Sie sollten, nebenbei, DWWs Vorschlag an ihren Diskussionsfreund folgen: Schlagen Sie unbedingt das Wort Würde nach.
"Es ist nicht notwendig, von Menschen belagert zu werden, welche die Hand aufhalten."
Richtig. Notwendig (interessante Sprache, kaizendesign...) ist das nicht. Nut manchmal passiert das. Manchmal rutschen Menschen durch das angeblich engmaschige Netz unserer sozialen Sicherung und manchmal sollte man diesen Menschen einfach etwas Unterstützung geben. Ich rede nicht von "Gesellschaftsausteigern" ala Öff-Öff, sondern von den ganz kaputten Kreaturen, die da ebenfalls rumlaufen. Ob man Geld gibt oder lieber nen Kaffee holt bzw. etwas zu essen, ist jedem ja selbst überlassen. Aber warum man nicht von dem was man hat auch was abgeben sollte, erschließt sich mir aus ihrer "Analyse" nicht.
Evtl formulieren Sie einfach etwas aus...
Habe ich Ihnen das verboten? Langsam wird es lächerlich. Sie hatten geschrieben: "Aber gut, Sie haben den Groesseren und ich das letzte Wort?" - Und daraufhin kam meine Replik mit dem "Sie dürfen gerne noch etwas schreiben,..." was andeuten sollte, daß ich hier nicht das letzte Wort haben muß.
Also Ruhe bewahren, ärgern Sie sich nicht über Bettler und freuen Sie sich, daß es Ihnen gutgeht, es gibt wahrhaftig schlimmere Dinge auf unserer Welt als ein paar münzensammelnde Menschen, z.B. Menschen, die andere zusammenschlagen und morden, weil sie sich für die bessere Rasse halten etc. etc. TuMas
Na da bedanke ich mich doch recht herzlich fuer Ihre Erlaubniss hier noch etwas zu schreiben.
Und, wirklich ich glaube Ihnen doch das Sie nicht frustriert sind, ich bin Ihnen auch ein wenig dankbar das sich die Zeit nehmen mir das immer wieder verstaendlich zu machen, es beschaemt mich fast schon.
@Florian71: Seien sie so gut und informieren sie sich zuerst, z.B. in den Medien, bevor sie mit mir Reden! Ich unterhalte mich nur mit gebildeten Menschen. Wenn ich keinen finde, dann am liebsten mit mir selbst!
Dort wurde schon zu oft berichtet, daß Menschen kein Konto erhalten haben - auch von Sparkassen, als man diese Unwissenheit hier vortragen müßte!
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