Hochschulen in Bayern Auf dem Land gibt es immer mehr Studierende

  • Die Zahl der Studierenden, die an einem der 16 Standorte außerhalb der Unistädte eingeschrieben sind, ist in diesem Wintersemester auf 1900 gestiegen.
  • Der bayerische Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle sieht das als Erfolg der Regionalisierungsstrategie.
  • Insgesamt gibt es rund 390 000 Studenten im Freistaat, 10 000 mehr als noch 2016/17.
Von Vinzent-Vitus Leitgeb

Inzwischen kann es sehr schnell passieren, dass man den Überblick über die bayerischen Hochschulstandorte verliert. Sogar Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle geht das manchmal so, obwohl er - wie er es am Mittwoch formulierte - "überall selbst hinfährt wie eine gesengte Sau". Zum Teil vielleicht deshalb präsentierte er jetzt, zu Beginn des neuen Wintersemesters an den bayerischen Hochschulen, eine neue Überblickskarte.

Bunte Kreise und Dreiecke zeigen an, wo geforscht und gelehrt wird: an neun Universitäten, 17 Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HaW) und sechs Kunsthochschulen. An 16 Standorten gibt es zudem verknüpfte Studienangebote "in der Region", an 17 Orten Forschungseinrichtungen.

Die Uni Nürnberg soll klein und fein werden

Über den inhaltliche Schwerpunkt der Hochschule müssen sich Politik und Strukturkommission noch einigen. Fest steht: Bis zum Jahr 2030 soll es etwa 6000 Studienplätze geben. Von Claudia Henzler mehr ...

Die Karte soll dabei natürlich mehr als eine Gedankenstütze sein. "Jetzt kann jeder auf einen Blick den strategischen Grundsatz der bayerischen Wissenschaftspolitik sehen", sagte Spaenle. "Wir wollen die Wissenschaft zu den Menschen bringen. Die neuen Standorte sind Innovationsmotoren in den Regionen."

Jemand, der eine Ausbildung mache, könne so heimatnah noch ein Teilzeitstudium absolvieren und sich weiterqualifizieren. Die Zahl der an den 16 Standorten außerhalb der Unistädte eingeschriebenen Studenten ist von 1100 im letzten Wintersemester auf 1900 in diesem gestiegen. Pro Jahr fließen rund 31 Millionen Euro in solche regionalen Standorte. Im aktuellen Doppelhaushalt sind dafür 120 neue Stellen vorgesehen. Insgesamt gibt es jetzt etwa 390 000 Studenten im Freistaat, 10 000 mehr als noch 2016/17. Darunter sind 77 000 Studienanfänger. Die Studenten sind in etwa gleich verteilt auf die Universitäten und die HaW. 13 Prozent der Studenten kommen aus dem Ausland.

Für die Hochschulen sind dieses Jahr 5,18 Milliarden Euro vorgesehen. 2018 sollen es 5,27 Milliarden sein. Neben den Investitionen in neue Standorte geht es für Spaenle und die Staatsregierung vor allem darum, die Infrastruktur angemessen zu erhalten und weiterzuentwickeln. "Kein Land in Deutschland hat so ambitionierte Großvorhaben wie Bayern", sagte er. Die geplante Technische Universität in Nürnberg sei ein Beispiel - dort sollen 5000 bis 6000 neue Studienplätze entstehen. Bei der neuaufgebauten Universitätsmedizin in Augsburg seien 200 weitere Planstellen vorgesehen.

Dazu kommen immer neue Studiengänge und Gebäude. Beispielsweise liegen die Kosten für Baumaßnahmen an den Unikliniken für die kommenden Jahre im hohen dreistelligen Bereich. Alleine ein geplantes Forschungszentrum für Herzinssuffizienzen in Würzburg macht 50 Millionen Euro aus. Die sei jedoch nötig, um in der Forschung national und international mithalten zu können. "Das ist bislang sehr gut gelungen. Bayerische Hochschulen und viele ihrer Wissenschaftler spielen nach wie vor eine Spitzenrolle", sagte Spaenle.

Kritik an Spaenle kam von den Freien Wählern, die von "Eigenlob und Selbstbeweihräucherung" sprachen. Sie sehen an anderen Stellen größere Probleme. Bayern sei ohne Zweifel ein attraktiver Hochschulstandort - und das sowohl mit Blick auf exzellente Forschung als auch auf das Lehrspektrum, sagte Michael Piazolo. Doch mangele es den Hochschulen an Lehrpersonal. "Auf rund 56 Studierende kommt im Freistaat ein Professor", sagte Piazolo. "Aber auch der Mittelbau, der die Lehre in großen Teilen mitgestaltet, muss nachhaltig mit entsprechendem Personal gestärkt werden." Hierfür wollten sich die Freien Wähler in den Verhandlungen über den Nachtragshaushalt einsetzen.

Spaenle will mehr Geld aus Berlin

Verena Osgyan, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, kritisierte dagegen eher das Tempo der Baumaßnahmen. "Der Sanierungsstau bei unseren Hochschulen ist alleine bei den großen Maßnahmen auf drei Milliarden Euro angestiegen", sagte sie. Außerdem folge die mit großem Ballyhoo aufgesetzte Regionalisierungsstrategie nach wie vor keinem nachvollziehbaren Plan.

Positiv deutete Osgyan dafür ein anderes Signal: Gerade mit Blick auf die Digitalisierung der Hochschulen und die Finanzierung von mehr Studienplätzen hatte Spaenle am Mittwoch mehr Geld aus Bundesmitteln gefordert. "Wenn die CSU hiermit das Signal für kommende Koalitionsverhandlungen aussendet, dass sie das Kooperationsverbot endlich abschaffen will, hat sie unsere volle Unterstützung", sagte Osgyan.

Dem widersprach Spaenle später. Artikel 91 des Grundgesetzes sehe eine Kooperation zwischen Bund und Ländern schon jetzt vor. Die Koalitionsgespräche in Berlin hatte er bereits zuvor als schwierigste Verhandlungen bezeichnet. Für die CSU werde es darum gehen, aus Bayern heraus starke Positionen für die Wissenschaftspolitik zu vertreten. Es gehe um viel Geld. Den anderen Ländern könnte Bayern dafür mit einem Erfolgskonzept zurückzahlen: Die Regionalisierungsstrategie des Freistaats komme bestimmt in den Verhandlungen vor, sagte Spaenle.

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