Begehrtes Prestigeobjekt Geschichtsmuseum soll nach Regensburg

Die Empfehlung der Experten ist nach SZ-Informationen eindeutig: Regensburg ist der beste Standort für das Geschichtsmuseum. Gleich mehrere Gründe sprechen für die alte Reichsstadt. Das letzte Wort hat jedoch das Kabinett.

Von Hans Kratzer und Frank Müller

Das Museum der Bayerischen Geschichte wird mit großer Wahrscheinlichkeit in Regensburg gebaut werden. Zwar wird die Entscheidung erst im Kabinett fallen, aber der aus Museumsexperten und Historikern zusammengesetzte wissenschaftliche Beirat des Projekts hat nach SZ-Informationen ein deutliches Votum für die alte Reichsstadt abgegeben und damit eine Vorentscheidung herbeigeführt. Zuletzt waren noch sechs von 25 Kandidaten im Rennen, darunter neben Regensburg auch noch Städte wie Ingolstadt und Nürnberg.

Regensburg hat den westlichen Bereich des Donaumarktes als Standort für das neue Museum angeboten. Das ist eine absolute 1A-Lage, wie Regensburg-Kenner wissen, sie ist in etwa vergleichbar mit dem Marienhof in München. Das Museum wäre an diesem Ort nicht nur zentral gelegen, sondern auch eingebettet in eine vielfältige Museumslandschaft, die auf engstem Raum Häuser wie das Historische Museum, das Domschatzmuseum und das Reichstagsmuseum umfasst, um nur einige zu nennen. Außerdem ist der Dom nur fünf Gehminuten entfernt.

Der Donaumarkt ist die letzte große Kriegslücke in der Stadt und eine städtebaulich hochinteressante Fläche. Im Jahr 2004 sollte hier eine große Stadthalle errichtet werden, doch in einem Bürgerentscheid sprach sich die Mehrheit gegen das Projekt aus. Das bisherige Marktareal wird laut dem eingereichten Konzept der Stadt weiter bestehen bleiben, das Hauptgebäude des Museums wird jedoch neu gebaut werden. Über die Baukosten herrscht noch keine Klarheit, bisher war die Rede davon, dass die Summe von 50 Millionen Euro nicht überschritten werden soll. Depotlager und Werkstattgebäude könnten in bereits bestehende Baulichkeiten wie dem sogenannten Österreicherstadel integriert werden.

Interessant wird sein, ob es wieder einen Bürgerentscheid geben wird wie 2004. Momentan sieht es allerdings nicht so aus. Das liegt auch daran, dass die Stadt hier vier Jahre lang geplant hat, und zwar mit mehreren Bürgerbeteiligungen, wie Oberbürgermeister Hans Schaidinger am Mittwoch der Mittelbayerischen Zeitung sagte. Niemals habe sich jemand gegen das Museum ausgesprochen, war aus Kreisen einschlägiger Bürgerinitiativen zu hören.

Die heftigen Anstrengungen, die fast alle Bewerber geleistet haben, belegen, dass dieses Museum allgemein als großer Gewinn betrachtet wird. Kritisch hatten sich nur die bayerischen Grünen geäußert, die im Vorfeld betont hatten, der Freistaat könne sich ein solches Prestigeobjekt nicht leisten. Um Kosten zu sparen, soll das Museum energieautark gebaut werden und in dieser Hinsicht neue Perspektiven im Museumsbau eröffnen. Das Haus soll 2018 eröffnet werden, der Termin gilt als fix.

Die endgültige Entscheidung will das Kabinett wohl noch im November treffen. Als Vorentscheidung wird auch ein Auftritt von Regierungschef Horst Seehofer in dieser Woche in Regensburg gewertet. Bei einer Feier zum 25-jährigen Bestehen des BMW-Werks in Regensburg rühmte Seehofer nicht nur den bayerischen Autokonzern. Er sagte auch, es gebe noch eine weitere "gute Nachricht" für die Domstadt. Es sehe gut aus für die Museumsbewerbung von Regensburg, meinte der Ministerpräsident.