Mit einem Millionenprogramm will die Staatsregierung die Chancengleichheit der Kinder verbessern.
Die Staatsregierung will die Ganztagsschulen in der nächsten Legislaturperiode flächendeckend ausbauen. Dafür soll ein dreistelliger Millionenbetrag zur Verfügung gestellt werden. Das kündigte Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts an. "Damit schaffen wir gleiche Chancen für alle Schüler unabhängig vom Elternhaus", sagte er. Derzeit gibt es lediglich für fünf Prozent der bayerischen Schüler Ganztagsplätze.
Mehrkosten in Höhe von "nennenswerten, dreistelligen Millionenbeträgen": Die Staatsregierung will die Ganztagsschulen ausbauen. (© Foto: dpa)
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Bayern sei das deutsche Bildungsland Nummer eins, sagte Beckstein. Die Staatsregierung habe den Anspruch, diesen Vorsprung auszubauen. Deshalb solle Bildung in der nächsten Legislaturperiode ein Schwerpunkt der Regierungsarbeit sein. Entsprechende Eckpunkte hat das Kabinett gestern beschlossen.
Im Zentrum steht der Ausbau der Ganztagsschule in gebundener Form. Das heißt: Unterrichtsstunden finden nicht nur vormittags statt, sondern werden über den Tag verteilt. Folgende Pläne sind beschlossen oder sollen in Angriff genommen werden: An den Grundschulen gibt es seit diesem Jahr 40 Ganztagsschulen. Ein weiterer Ausbau soll zum Schuljahr 2009/10 erfolgen.
Ziel der CSU-Regierung ist es, bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode an 500 Schulen Ganztagszüge einzurichten. Priorität hat für die Staatsregierung dabei der Ausbau der Hauptschulen. Hier gibt es bereits 162 Ganztagsstandorte. Für das nächste Schuljahr wurden weitere 175 Züge beschlossen, sodass im kommenden Jahr 337 Schulen - also ein Drittel aller Hauptschulen - die Ganztagsform anbieten können.
Richtige Ganztagsschulen eine Rarität
2013 sollen zwei Drittel aller Hauptschulen umgestellt sein. "Wir rechnen damit, dass wir das hinbringen", sagte Kultusminister Siegfried Schneider.
An den weiterführenden Schulen gibt es zwar je nach Raum- und Personalsituation schon eine Nachmittagsbetreuung. Richtige Ganztagsschulen sind dort jedoch eine Rarität: Zwölf zählt das Kultusministerium an den bayerischen Gymnasien und zehn an den Realschulen.
Auch hier strebt die CSU nun einen bedarfsgerechten Ausbau in der nächsten Legislaturperiode an. Zumindest für die unteren Jahrgänge, also die fünften und sechsten Klassen. Überall, wo es nicht die gebundene Ganztagsschule gibt, soll alternativ dazu die Nachmittagsbetreuung erweitert werden, um sicherzustellen, dass Schüler montags bis donnerstags von 7 Uhr bis 16 Uhr und freitags von 7 bis 13 Uhr versorgt sind. Voraussetzung ist, dass Eltern das wünschen und sich die Kommunen an den Kosten beteiligen.
Ob die Ganztagsschule auch an den weiterführenden Schulen umfassend eingerichtet wird, hängt entscheidend von den Verhandlungen für den nächsten Doppelhaushalt 2009/10 ab. "Mit den heutigen Beschlüssen habe ich einen guten Trumpf für die Verhandlungen mit Finanzminister Erwin Huber in der Hand", sagte Kultusminister Schneider.
Sollten die Pläne bis 2013 umgesetzt sein, rechnet er mit jährlichen Mehrkosten von 250 bis 300 Millionen Euro. Ministerpräsident Beckstein kündigte gestern lediglich an, dass "nennenswerte, dreistellige Millionenbeträge" erforderlich wären, um die Pläne zu realisieren.
Die Opposition kritisierte die Ankündigung der Staatsregierung als "Schall und Rauch", da sie keine Finanzierungsgrundlage hätten. Wenn es der Bayerischen Staatsregierung mit dem Ausbau der Ganztagsschule ernst wäre, hätte man schon viel früher finanzpolitisch handeln und Mittel im Nachtragshaushalt einstellen müssen, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Simone Tolle.
Positiv wurden die Ankündigungen der Regierung jedoch von Lehrern und Eltern aufgenommen. "Frühe Sprachförderung, Ganztagsschulen und individuelle Förderung sind der einzige Weg zu mehr Chancengerechtigkeit", sagte der Vorsitzende des Philologenverbands, Max Schmidt. Auch die Eltern zeigten sich aufgeschlossen: "Ein solcher Beschluss liegt voll auf unserer Linie", sagte Thomas Lillig, Vorsitzender der Landeselternvereinigung bayerischer Gymnasien.
Begrüßt wurde auch, dass das Angebot bedarfsorientiert eingeführt werden soll. Lillig geht denn davon aus, dass Ganztagsgymnasien vor allem in der Stadt auf große Nachfrage stoßen werden. "50 Prozent der Schulen wollen das haben."
(SZ vom 25.06.2008/sekr)
Die neueste Antwort
...not?
Warum sollte sich nicht doch mal was ändern?
Die Baustellen, die diese Staatsregierung aufgerissen hat, sind nicht nur in großer Anzahl vorhanden, sondern auch qualitativ hoch anspruchsvoll, sprich problematisch!
Darüberhinaus sind die internen Strukturen der CSU so festgebacken, dass an neuerem und unbelastetem Personal absolut Mangelware herrscht.
Also: Bitte nicht vor lauter "Das war immer schon so!" zur Tagesordnung übergehen!
Aber genau das wird passieren, nach der Wahl heißt es dann nur "Bildung? Welche Bildung? Achja, wir haben hier ein Gesetz für höhere Studiengebühren und Schulgeld für alle..."
Und es soll tatsächlich noch Leute geben, die glauben diesen Unsinn auch noch.
Laut Pisa ist in keinem anderen Bundesland der Zusammenhang zw. Schulabschluß und Bildungsstand der Eltern grösser als in Bayern.
Von Chancengleichheit keine Spur.
Und dann noch mit Unschuldsmiene behaupten, es ginge völlig in Ordnung, wenn In Bayern die Hauptschule die Regelschule sei.
Die betrügen ihre eigenen Kinder und sind noch stolz drauf !
Liebe Bayern SPD
Danke, dass Ihr es endlich geschafft habt, der kleinkarierten und spießbürgerlichen CSU beizubringen, dass es tatsächlich um Chancengleichheit, um Gerechtigkeit und Emanzipation geht und nicht um diese unsägliche Elitebildung, die die CSU mit den Gymnasien beabsichtigte. Wieviel Abiturienten hat Bayern, wieviel ist der europäische Druchschnitt? Traurig, sehr traurig. So viel kluge Kinder, die in Bayern keine Chance haben.
Lange, viel zu lange hat es gedauert, bis die CSU es kapiert hat. Noch im letzten Jahr war noch Widerstand zu spüren. Doch ENDLICH haben sie es gerafft.
Ich hoffe ehrlich, dass Beckstein das Versprechen nicht nach den Landtagswahlen wieder vergisst.
Ach ja, und ich werde trotzdem auf keinen Fall die CSU wählen!