Beckstein zu Alkohol am Steuer Zwoa gehn scho

Ist man nach zwei Maß Bier noch in der Lage, Auto zu fahren? Bayerns Ministerpräsident Beckstein findet: ja - sofern es sich bei dem Trinker um "ein gestandenes Mannsbild" handelt. Nicht nur die Polizei ist entsetzt.

Bayerns Ministerpräsident und Ex-Innenminister Günther Beckstein ist nicht als großer Liberaler bekannt. Doch wenn es um Alkohol am Steuer geht, zeigt sich Beckstein ungewohnt tolerant. Er hält es für vertretbar, nach zwei Litern Bier noch Auto zu fahren. "Wenn man die zwei Maß in sechs, sieben Stunden auf dem Oktoberfest trinkt, ist es noch möglich", sagte Beckstein dem Bayerischen Rundfunk.

Während die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), ein absolutes Alkoholverbot am Steuer verhängen will, hält Beckstein ein Glas Bier oder Wein für vertretbar. Nur "bei Fahranfängern halte ich die 0,0-Promille-Grenze für absolut notwendig." Aber ein gestandenes Mannsbild vertrage an einem Abend auch "zwei in der Regel schlecht eingeschenkte Maß", ohne fahruntüchtig zu werden. "Natürlich nicht, wenn man die zwei Maß in zwei Stunden trinkt", sagte der frühere Innenminister. Derzeit liegt die Promillegrenze für Fahranfänger bei 0,0 Promille, für alle anderen Fahrer bei 0,5 Promille.

"Beckstein hat wohl einen über den Durst getrunken", befindet Bätzing. Zwei Liter Bier überschreiten ihr zufolge die Trinkmengenepfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um das Dreifache. In bestimmten Situationen müsse man auf Alkohol verzichten. "Dazu gehören der Straßenverkehr und die Schwangerschaft."

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) reagierte mit Unverständnis auf die Aussage des Ministerpräsidenten und kritisierte seine Aussage als "unmöglich". "Ich frage mich, was ihn da geritten hat. Vermutlich hatte er gerade zwei Maß Bier getrunken, als er das gesagt hat", sagte GdP-Landesvorsitzender Harald Schneider. "So was macht unsere Arbeit ja zunichte", betonte Schneider und wies auf zahlreiche Präventions-Kampagnen hin.

Der GdP-Vorsitzende fügte hinzu: "Da riskiere ich Menschenleben, wenn ich mit zwei Maß Bier durch die Gegend fahre." Beckstein habe sich mit der Aussage zwei Wochen vor der Wahl "einen Bärendienst erwiesen". Die Menschen seien jedoch "vernünftiger als unser Ministerpräsident", betonte Schneider. So kämen "99 Prozent" der Oktoberfest-Besucher mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Wiesn. Die Polizei kontrolliere Autofahrer trotzdem verstärkt.

Auch der bayerische SPD-Spitzenkandidat Franz Maget kritisierte Beckstein für seine bierseligen Aussprüche: Er habe nichts dagegen, auf einem Volksfest eine Maß Bier oder auch eine zweite zu trinken, sagte Maget. Aber dann müsse das Auto "definitiv stehen bleiben". Maget betonte: "Ein früherer Innenminister muss das wissen."

Maget riet Beckstein "dringend davon ab, das so unters Volk zu bringen". Alkohol am Steuer dürfe nicht verharmlost werden, betonte der bayerische SPD-Fraktionschef und warnte: "Das kostet den Führerschein, und möglicherweise führt das zu vermeidbaren Unfällen."

Der ADAC hält Becksteins Ansichten ebenfalls für "Unsinn". "Man kann sich auf keinen Fall an die Promillegrenze rantrinken", betont Sprecherin Maxi Hartung. Jeder Mensch reagiere anders auf Alkohol. "Fahrtüchtig" sei man höchstens noch nach einem kleinen Bier oder einem Glas Wein zum Essen, keinesfalls aber nach zwei Maß.

Beckstein solle "die Menschen nicht dazu auffordern, Alkohol zu trinken und dann noch Auto zu fahren", warnt Hartung. "Dafür passieren zu viele Alkohol-Unfälle." Dabei seien 2006 bundesweit fast 600 Menschen gestorben und fast 27.000 Verkehrsteilnehmer verletzt worden. "Wer auf die Wiesn geht, sollte das Auto stehen lassen", appelliert Hartung daher.

Die Grünen-Landesvorsitzende Theresa Schopper höhnt: "Solange man wie Günther Beckstein einen Chauffeur hat, kann man auch mit zwei Maß noch Auto fahren." Der Genuss von Bier gehöre zur bayerischen Tradition, "besoffen Auto fahren nicht".

Der Vizechef der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, beschuldigt Beckstein gar, das "gute Oktoberfestbier als dünne Plörre" zu verunglimpfen. "Das sollten sich die Wiesn-Wirte nicht gefallen lassen."

Und allein die zeigen noch Verständnis für Beckstein. Wiesn-Wirtesprecher Toni Roiderer findet: Wenn ein "Mannsbild mit hundert Kilo" den ganzen Tag über zwei Maß trinke und dazu etwas esse, könne der mit Sicherheit noch Auto fahren. "Wir wollen ein bisschen Lebensfreude auch noch haben."