Bayreuther Festspiele Sänger erklärt sich zur Hakenkreuz-Affäre

Ein Hakenkreuz-Tattoo bedeutet das Aus für Evgeny Nikitin in Bayreuth. Nur wenige Tage vor dem Start der Wagner-Festspiele muss der Sänger, der die Titelrolle im "Fliegenden Holländer" spielen sollte, abreisen. Das Tattoo stamme aus seiner Jugendzeit, sagt Nikitin jetzt - und es habe lediglich "eine spirituelle Bedeutung".

Er ist ein gefragter Sänger an den großen Opernhäusern, besonders für schwierige deutsche Rollen wie Wagners "Holländer". Doch durch Aufnahmen der ZDF-Sendung "Aspekte" wurde die Festspielleitung auf ein Tattoo auf Evgeny Nikitins Brust aufmerksam. Ein Hakenkreuz. Nikitin versicherte, er habe sich das Symbol in seiner Jugendzeit stechen lassen, aus heutiger Sicht sei es ein großer Fehler.

"Die Zeichen haben für mich überhaupt keine politische, sondern nur eine spirituelle Bedeutung. Ich war nie Teil einer politischen Partei und bin es auch heute nicht", sagte der 38-Jährige der Bild am Sonntag. Er habe sich die Tätowierungen zwischen 1989 und 1991 stechen lassen und die Motive unter anderem aus Büchern über nordische Mythen ausgewählt.

Auf früheren Filmaufnahmen aus seiner Zeit in einer Metal-Band ist ein Hakenkreuz-Motiv oberhalb der Brust zu erkennen. Inzwischen ist es überstochen. Auch Runen - sie spielen in der NS-Symbolik ebenfalls eine Rolle - trägt Nikitin am Körper. Es sei ihm nicht klar gewesen, dass seine Tattoos im Zusammenhang mit Nationalsozialismus oder mit Neonazis gebracht werden können, sagte er dem Blatt.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Sänger gesagt, mit dem Auftritt in Bayreuth gehe für ihn ein Traum in Erfüllung. Doch nun haben die Organisatoren die Notbremse gezogen. Nach einem Gespräch mit der Festspielleitung gab der russische Sänger seine Abreise bekannt.

Bisher waren die Vorbereitungen auf die 101. Festspielsaison in Bayreuth harmonisch und weitgehend geräuschlos verlaufen. Dirigent Christian Thielemann hatte nach der Orchesterhauptprobe von der guten Zusammenarbeit der Beteiligten bei der "Holländer"-Neuinszenierung geschwärmt.

Auf dem geschichtssträchtigen Boden, der einst tiefbraun durchtränkt war - Hitler ging im Hause Wagner ein und aus, spielte Ersatzvater für Wagners Erben - muss nun ein anderer die Rolle des 38-Jährigen Russen übernehmen. Und dieser neue "Holländer" heißt Samuel Youn. Der Bassbariton habe bereits bei der Generalprobe am Samstag auf der Bühne gestanden, sagte ein Sprecher der Festspiele am Sonntag. Der Südkoreaner sei auch im Falle einer Erkrankung als Ersatz für Nikitin vorgesehen gewesen. Bis zur Eröffnung der Festspiele am kommenden Mittwoch seien weitere Einzelproben mit Youn geplant.