Bayreuth Keine Angst mehr vor dem Feuer

Eine Bayreuther Studentin hat einen ungiftigen Flammschutz für Autos entwickelt, der schon bald den Weg in die Industrie finden könnte

Von Anne Kostrzewa, Bayreuth

Es ist der Albtraum eines jeden Autofahrers: Nach einem Unfall züngelt eine kleine Flamme aus der Motorhaube - und im nächsten Moment steht das ganze Fahrzeug in Flammen, umhüllt von dichtem, schwarzem Rauch. Ein solches Szenario könnte bald der Vergangenheit angehören. Dafür hat Christin Pawelski gesorgt.

Die Bayreuther Studentin hat für ihre Masterarbeit einen häufig in Autos verbauten Schaumstoff so modifiziert, dass er sich deutlich langsamer entzündet und viel weniger raucht. Das Verarbeitungsverfahren und die Produktionskosten für die Industrie blieben die gleichen - ungiftig und umweltfreundlich ist das Material noch dazu. Für ihre Forschung wurde Pawelski nun mit dem "Innovationspreis Neue Materialien" ausgezeichnet.

Den Preis verleiht die Fördervereinigung Neue Materialien Bayreuth jungen Wissenschaftlern aus ganz Deutschland, die besonders kreative Lösungen für die Materialentwicklung und Verfahrensoptimierung entwickeln. Dass Christin Pawelski sich gerade auf den Flammschutz spezialisierte, dafür hat die junge Forscherin ganz persönliche Beweggründe: "Ich habe selbst mal ein Feuer miterlebt. Seitdem habe ich Angst davor", sagt Pawelski. "Etwas entwickeln zu können, das den Flammschutz verbessert, war für mich eine gute Möglichkeit, dieser Angst aktiv zu begegnen - und ihr etwas entgegenzusetzen."

Bislang wurden Kunststoffe oft mit einem Flammschutz aus halogenhaltigen Substanzen versehen. Diese sind jedoch ziemlich teuer, beeinträchtigen die Eigenschaften des Kunststoffs - und belasten durch ihre Zusammensetzung noch dazu die Umwelt. Auch deshalb sind diese Stoffe im Flammschutz seit vergangenem Jahr EU-weit verboten, die Unternehmen müssen umdenken. Christin Pawelskis Flammschutz kommt da genau zur richtigen Zeit: Er ist umweltfreundlich, günstig in der Verarbeitung und sehr leicht, was dem Material in der Umweltbilanz einen weiteren Pluspunkt beschert: je leichter das Fahrzeug desto geringer der CO₂-Ausstoß während der Fahrt. "Ich habe das Material nicht völlig neu erfunden, sondern es nur modifiziert", betont Pawelski. "Wichtig war dabei, dass sich im Verarbeitungsprozess und an den Produktionskosten für die Unternehmen nichts ändert." So sei sichergestellt, dass das Material ohne lange Testphasen in die Produktion gehen kann.

Der Stoff, um den es geht, heißt Expandiertes Polypropylen, kurz EPP. Der Schaumstoff steckt zum Beispiel in Stoßstangen. Er kann vieles, was für Autobauer interessant ist. Bei einem Crash kann EPP die Energie des Aufpralls gut absorbieren, es reduziert also aktiv den Schaden an der Karosserie. Der einzige Nachteil war bislang, dass sich EPP sehr leicht entzündet. Brennt es einmal, bildet sich sofort dichter Rauch, das Material schmilzt in der Hitze wie Kerzenwachs, die Flammen breiten sich dadurch noch schneller aus. Ein enormes Sicherheitsrisiko, das im Auto immer mitfährt - bislang eingedämmt durch einen giftigen Flammschutz.

Christin Pawelski promoviert mittlerweile. Der Uni Bayreuth ist sie treu geblieben, die EPP-Forschung überlässt sie aber anderen Studenten. Das öffentlich geförderte Projekt, im Rahmen dessen sie ihre Masterarbeit verfasst hat, läuft in der Neue Materialien Bayreuth GmbH weiter. In einem nächsten Schritt soll das neue EPP den Weg in die Industrie finden, Anfragen von Unternehmen habe es bereits gegeben, sagt Pawelski. Zumindest im Auto wird die Wissenschaftlerin Flammen also möglicherweise schon bald nicht mehr befürchten müssen.