Bayerns Innenminister Herrmann "Wir wollen keine Rambos"

In Rosenheim soll der Polizeichef einen 15-Jährigen misshandelt haben - und in Pfaffenhofen drangen Beamte in die Wohnung einer unbescholtenen Familie ein. Im SZ-Interview äußert sich nun Bayerns Innenminister Herrmann zu den Vorwürfen - und verspricht Aufklärung.

Von Annette Ramelsberger

Erst drangen Polizisten in die Wohnung einer unbescholtenen Familie in Pfaffenhofen ein und rangen sie nieder. Dann kamen Vorwürfe auf, der Polizeichef von Rosenheim habe einen 15-jährigen Jungen misshandelt. Er soll den Gefesselten fünfmal mit dem Kopf gegen die Wand der Volksfestwache geschlagen haben.

CSU-Innenminister Joachim Herrmann verspricht, die Prügel-Vorwürfe gegen bayerische Polizisten aufzuklären.

(Foto: dpa)

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann verspricht nun umfassende und vorbehaltlose Aufklärung. "Wir wollen keine Rambos und auch keine Rambo-Manieren", sagte der CSU-Politiker der Süddeutschen Zeitung (Samstagausgabe). "Soziale Kompetenz ist bei uns entscheidend bei der Einstellung und bei der Karriere. Wir nehmen nur die Guten."

Gerade im Fall Rosenheim dringt Herrmann auf schnelle Aufklärung. "Ich will, dass absolut objektiv ermittelt wird, was da los war", sagte Herrmann. "Es gibt ja eine Reihe von Zeugen, auch die Mutter hat Dinge beobachtet. Wir müssen wissen: Was war in der Wiesnwache los?"

Die Mutter berichtet, ihr Sohn sei festgenommen, gefesselt und in die Volksfestwache gebracht worden - und blutüberströmt wieder herausgekommen. Der Inspektionschef in Rosenheim ist mittlerweile vom Dienst suspendiert, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Er werde rechtswidriges Verhalten nicht dulden, sagte Herrmann. Die bayerische Polizei sei besonnen, es handele sich bei den Vorfällen nur um Einzelfälle.

Trotzdem will er nun den Vorwürfen gegen Polizisten, die zu forsch auftreten, nachgehen. Auch in einem dritten Fall eines unschuldigen Bürgers aus dem fränkischen Mespelbrunn, der im Schlaf von einem Sondereinsatzkommando überrascht wurde, werde er sich die Sachlage vorlegen lassen, sagte der Minister. Man dürfe Einzelfälle aber nicht verallgemeinern. "Insgesamt haben wir in Bayern eine Super-Polizei", sagte Herrmann.

Lesen Sie das gesamte Interview in der Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 24. September 2011.