Von Kassian Stroh

Für den bayerischen Finanzminister Huber wird es brenzlig - er muss einräumen, vor dem Landtag nicht die ganze Wahrheit gesagt zu haben.

Beim Schachspiel nennt man es ein Bauernopfer: Die (scheinbar) niedrigste Figur fliegt aus dem Spiel im Sinne des großen Ganzen; sie muss gehen, um einen höheren Nutzen zu ermöglichen.

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Den Rücktritt von BayernLB-Chef Werner Schmidt als ein Bauernopfer zu beschreiben, scheint auf den ersten Blick der falsche Begriff zu sein. Schließlich ist der Vorstandsvorsitzende der zweitgrößten deutschen Landesbank alles andere als eine rangniedere Figur. Und doch hat er ein größeres Ganzes über sich: die bayerischen Sparkassen und vor allem die Staatsregierung. Weil er für deren Image eine Gefahr geworden war, muss Schmidt vorzeitig in Ruhestand gehen.

Scharfe Wende

Das lag nicht an den Fehlspekulationen in Amerika, sondern daran, dass er seine Kontrolleure, die Sparkassen- und Regierungsvertreter im Verwaltungsrat, blamiert hat. Erst sagte er wochenlang, er wolle keine vorläufigen Bewertungen der Kreditrisiken veröffentlichen. Finanzminister Erwin Huber hielt dafür öffentlich seinen Kopf hin. Doch just wie der den Kopf gerade mal wieder weit aus dem Fenster streckte, da legte Schmidt eine scharfe Wende hin und nannte die schlimmen Zahlen.

Das wollte sich nun Huber nicht gefallen lassen. Schon gar nicht als CSU-Chef und zwölf Tage vor den bayerischen Kommunalwahlen. Das Problem ist nur: Nimmt ein Schachspieler ein Bauernopfer in Kauf, zeigt er damit häufig, in welch misslicher Lage er sich befindet.

Für Huber wird sie das immer mehr - nicht zuletzt da er nun einräumen muss, vor dem Landtag nicht die ganze Wahrheit gesagt zu haben. Ob das Bauernopfer den CSU-Vorsitzenden vor dem Schachmatt bewahrt, ist nach Schmidts Abgang weniger gewiss als zuvor.

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(SZ vom 20.02.2008/hgn)