Viele wussten vieles über die Lage der bayerischen Landesbank - nur das Parlament wusste nichts.
Am 31. Januar lud der bayerische Sparkassenpräsident Siegfried Naser eine kleine Runde zu sich: Die sieben Bezirksobleute seines Verbandes, dazu die Chefs der Großsparkassen von München, Nürnberg und Augsburg.
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Unklare Geschäftslage: Eingang der Bayerischen Landesbank in München (© Foto: ddp)
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Thema war die Situation der bayerischen Landesbank (BayernLB), die mit riskanten US-Immobilienkrediten spekuliert hatte. Konkrete Zahlen soll Naser an jenem Tag nicht genannt haben, heißt es aus Teilnehmerkreisen, gleichwohl sei klar gewesen, "dass die bisher genannte Größenordnung nicht mehr haltbar ist und es um mehr als um ein paar hundert Millionen Euro geht". Denn bis dato hatte die BayernLB nur Verluste von 100 Millionen Euro eingeräumt.
Die Skepsis der Sparkassen-Vertreter bestätigte sich vier Tage später, als die Truppe nach New York in die dortige BayernLB-Niederlassung reiste, um zu sehen, wie es um die Kredit-Engagements in den USA stehe. Davon berichtet ein Verwaltungsrat einer größeren Sparkasse. Das Ergebnis in New York war: Im Vergleich zu anderen Banken habe man zwar bessere Papiere und Kredite in den Büchern stehen, das nütze aber nichts, weil man "das Zeug auf dem US-Markt nicht los wird".
Ein ungefähres Bild
Vier Milliarden Euro hat die BayernLB in riskante Papiere investiert, auf 1,9 Milliarden Euro taxiert sie inzwischen die Abschreibungen und Risiken. Diese Zahlen gab sie vergangene Woche bekannt.
Dass es nicht bei den zunächst genannten 100 Millionen Euro bleiben würde, das wussten viele Leute - nur der bayerische Landtag erfuhr davon nichts. Noch am 12. Februar nannte Finanzminister Erwin Huber, der alternierend mit Naser dem Aufsichtsgeremium der BayernLB vorsitzt, im Haushaltsausschuss des Landtags keine Zahlen, weil es keine "belastbaren" gebe.
Zumindest ein ungefähres Bild der Lage aber hätte er haben können. Aus Bankenkreisen heißt es, Huber solle seit dem Herbst jede Woche über die geschätzten Belastungen informiert worden sein. Allerdings habe es sich nicht um Gewinn- und Verlustzahlen gehandelt, sondern nur um den jeweiligen Stand des mit insgesamt 32 Milliarden Euro angegeben Portfolios.
An jenem 12. Februar saßen vormittags die Bezirksobleute des Sparkassenverbands in der Münchner Zentrale noch einmal mit Naser zusammen. Die weitere Vorgehensweise wurde besprochen. Naser wollte in der letzten Februarwoche, also vor den Kommunalwahlen am 2.März, die Sparkassen in ganz Bayern über den Ernst der Lage informieren. "Wir haben die Kommunalpolitiker aber nicht eingeladen", sollen einzelne Obleute daraufhin gesagt haben. "Dann macht das noch", soll Naser erwidert haben.
Ahnungsloser Landtag
Sparkassenvertreter und Kommunalpolitiker aus dem ganzen Land sollten also noch im Februar erfahren, wie es um die Landesbank steht. Nur der Landtag und die Öffentlichkeit sollten offensichtlich weiterhin ahnungslos bleiben. Finanzminister Erwin Huber verwies an jenem Tag im Landtag noch einmal auf die Bilanz der BayernLB, die Ende April vorgelegt werde.
Gleichzeitig tagte an jenem 12. Februar seit neun Uhr der BayernLB-Vorstand und beschloss irgendwann im Laufe des Tages, entgegen der bisherigen Informationspolitik nun doch mit Zahlen an die Öffentlichkeit zu gehen. Huber will davon erst erfahren haben, als er den Landtagsausschuss verließ. Den Vorwurf, die Wahrheit vertuscht zu haben, weist er zurück. Als Beleg führt er an, dass er schon am 23. Januar vor einer Runde von Journalisten gesagt hatte, dass es bei der BayernLB wohl einen erhöhten Korrektur- und Abschreibungsbedarf geben werde.
- Nach Rücktritt von Werner Schmidt Staatsregierung gegen Fusion der BayernLB 20.02.2008
- BayernLB Schach dem Huber 20.02.2008
- Opposition erneuert Rücktrittsforderung Huber verwickelt sich in Widersprüche 20.02.2008
- BayernLB Schmidt geht - Huber in der Bredouille 19.02.2008
- Wechsel bei BayernLB Außer Kontrolle 19.02.2008
(SZ vom 21.02.2008/bavo/grc)
Rekord in Deutschland
Die neueste Antwort
Ihre Aufregung kann ich in keinster Weise verstehen - außer, dass Sie von den Medien aufgehetzt wurden:
Nochmals: Es ist ein europäisches Problem. Wieviele Minister und Staatschefs in Deutschland und Europa sollen ihren Hut nehmen? Alle?
Und haben Sie damls, als die LB gute Geschäfte machen, bei jedem positivem Ausgang einen kleinen Lob-Artikel geschrieben? Nein - natürlich nicht.
JETZT - wo mal EIN Geschäft daneben ging, ja - da ist es populistisch plötzlich hervorzukommen! Lächerlicher geht es wirklich nicht - wären Sie mal lieber auf das eingegangen was ich geschrieben habe. Stattdessen schwimmen Sie kritiklos mit dem Strom.
@ Axolotl79
Wo und wann hat der Staatsminister gelogen - erbitte Beweise, die über das "es wird schon so ähnlich gewesen sein" hinausgehen. Danke.
Zu Ihrem Punkt 3:
Ich halte es für schlimm, wenn diese 4 Milliarden Subprime-Geschäfte zu 100 % abgeschrieben werden müßten. Die Zeche zahlt der Steuerzahler!
Zu Ihrem Punkt4:
Warum müssen wir auf jeder Party tanzen, die gerade in Mode ist????
Das ist die Ursache von dieser Bankenkatastrophe.
Fragen Sie einmal den US-amerikanischen Wirtschaftsexperten Joseph Stieglitz. Der ist über dieses verantwortungslose Verhalten erbost!
Hier ist Verantwortung gefragt und nicht Zockerei, Lügen und "Null Ahnung haben" vom Geschäft!"
Es ist leicht, fremdes Geld, das einem nicht gehört, im Spielkasino zu verzocken!
Schauen Sie sich einmal diese Leute an, die dieses Geschäft betreiben!!!
Eine Landesbank sollte hier besonders vorsichtig sein und die Politiker, diese beaufsichtigen erst recht! Hier handelt es sich um Steuergelder!
Diese Verantwortungslosigkeit und Unfähigkeit (nicht durchgeführte Kontrolle) der Politiker als erfundenen Populismus von irgendwelchen Linken Spinnern zu betiteln, zeigt doch nur die Unkenntnis der Sachlage und soll diejenigen schützen, die hier völlig versagt haben.
1. Er kann nichts dafür, dass er vom LB-Chef Schmidt falsch informiert wurde. Dafür musste Schmidt zu recht gehen - er hat die falsche Informationspolitik betrieben, nicht der Staatsminister. Daher sehe ich die Kampagne gegen Staatsminister Huber mit großer Gelassenheit. Als reinen Sturm im Wasserglas, natürlich angezettelt vom politischen Gegner.
2. Versagt hat das BAFin, die Bundesaufsicht für das Finanzwesen und die privaten Ratingagenturen, auf die ansonsten fast immer Verlass war.
3. Eigentlich hängen da doch wohl fast alle Banken in Deutschland mit drin. Nach meinen, gelesenen, Informationen hält die BayLB, mittlerweile Subprimes, im Wert von 4 Milliarden. Selbst wenn sie die zu 100% abschreiben müsste, was ich nicht glaube, wäre das vergleichsweise niedrig und für das Institut in jedem Fall problemlos verkraftbar, da es ja in der Regel Profite erwirtschaftet. Dazu gehört, dass auch mal ein Geschäft schief laufen kann.
4. Das interessanteste, sind wohl die Gründe für das Entstehen dieses EUROPÄISCHEN Problems. Ich kann es mir nur so erklären: Irgendwelche Big Player aus Europa (Banken, Investmenthäuser) müssen diese verbrieften amerikanischen Schrottforderungen (Non-performance-loans ), also leidende Kreditforderungen, nach dem Urteil der Ratingagenturen, gekauft haben und der Rest der europäischen Finanzwelt hielt dies damit für absolut sicher und zog nach.
5. Clever waren damit nur die Amerikaner - die ihre Mistforderungen los wurden und in den Europäern dumme Abnehmer gefunden hatten. Die Europäer wurden allerdings auch von den Ratingagenturen getäuscht. Die zwei größten und renommiertesten kommen aus - richtig - den USA.
6. Und da schließt sich dann wieder der Kreis....
7. Es ist hochgradig unredlich die gesamte Finanz- und Bankenwelt oder gar einen bayerischen Staatsminister dafür nunmehr an den Pranger zu stellen, weil ein Deal in europäischem Ausmaß schief gelaufen ist. Wieviel Minister sollen denn dann Bundes- und Europaweit abtreten? Und was ist mit den Regierungschefs? Ohne ein funktionierendes Bankenwesen, und in der Regel leistet es hervorragendes, wäre unsere Volkswirtschaft gar nicht denkbar.
8. Also bitte populistische Bedenkenträger kleinere Semmeln backen und mal die Tatsachen zur Kenntnis nehmen. Danke!
Spätestens seit den Milliarden schweren Rettungsaktionen für IKB und SachsenLB aufgrund der Auswirkungen der Subprime-Krise und der Tatsache, dass die BayernLB neben WestLB und LBBW ebenfalls erhebliche Summen in außerbilanziellen Zweckgesellschaften stecken hatte, lag es auf der Hand, dass mit wesentlich höheren als den ursprünglich genannten 100 Millionen EUR Abschreibungen bzw. Verlusten zu rechnen war. Dennoch dauerte es auch hier Monate bis ein Verlust von 1,9 Mrd. EUR offen gelegt wurde. Der nun eingeräumte Verlust zeigt zweierlei: Zum einen scheint es mit der Kontrolle und dem Risikomanagement der BayernLB nicht weit her zu sein und zum anderen ist zu vermuten, dass sich die Politik in unzulässigerweise in die Belange der Bank eingemischt hat. Der Verwaltungsrat, der je zur Hälfte von Staatsregierung und Sparkassen besetzt wird, scheint überfordert zu sein oder er ließ sich über eine lange Zeit hinweg von den Bankern blenden. Ein klarer Fall für die BaFin.
Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass laut § 6 KWG die BaFin die Aufsicht über die Institute nach den Vorschriften dieses Gesetzes ausübt und dass sie Missständen im Kredit- und Finanzwesen entgegenzuwirken hat, welche die Sicherheit der den Instituten anvertrauten Vermögenswerte gefährden, die ordnungsgemäße Durchführung der Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen beeinträchtigen oder erhebliche Nachteile für die Gesamtwirtschaft herbeiführen können.
Weiter heißt es dort: Die BaFin kann im Rahmen der ihr gesetzlich zugewiesenen Aufgaben gegenüber den Instituten und ihren Geschäftsleitern Anordnungen treffen, die geeignet und erforderlich sind, um Verstöße gegen aufsichtsrechtliche Bestimmungen zu unterbinden oder um Missstände in einem Institut zu verhindern oder zu beseitigen, welche die Sicherheit der dem Institut anvertrauten Vermögenswerte gefährden können oder die ordnungsgemäße Durchführung der Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen beeinträchtigen.
Was muss eigentlich noch passieren, damit diese Anstalt endlich ihre Verantwortung wahrnimmt?
Ein Finanzminister, der es sich gefallen läßt, bei solch brisanten Zahlen von Herrn Werner Schmidt vertröstet und hingehalten zu werden, ist unfähig!!!
Hier muß man sich durchsetzen und die Zahlen sofort fordern!
Selbst wenn diese Zahlen nicht auf den Cent genau stimmen, die Höhe des Verlustes war Herrn Schmidt durch die laufenden SAP-Auswertungen und Informationen sehr gut bekannt!
Welche Macht hat eigentlich ein Herr Schmidt? Wenn Herr Huber, der hier eine Kontrollfunktion zusammen mit Herrn Naser hatte, sich nicht durchsetzen kann, hat er in solchen Funktionen nichts zu suchen!
Und ein Herr Naser, der nicht einmal persönlich dafür sorgt, daß sein Kontrollpartner (Herr Huber) informiert wird, hat in solchen Gremien auch nichts zu suchen!!!
Hier zeigt sich falsches Management-Verhalten!
Hier ist Durchsetzungsvermögen erforderlich - das aber nicht vorhanden ist und war!!!
Zudem beruht dieses Verhalten auf Unkenntnis. Diese Herren haben vermutlich keine Ahnung von EDV und SAP-Läufen. Sie sollten sich nicht nur CSU-Leute mit Parteibuch in ihren Berater-Kreis holen, sondern Wirtschaftsprüfer und Experten (nicht die von McKinsey oder Accenture - nicht Dampfplauderer, sondern echte Experten) die sich mit dem Alltagsgeschäft in solchen Situationen auskennen. In der Maximilianstraße sitzt eine mittlere Wirtschaftsprüfung mit drei Buchstaben- diese hat entsprechende Experten.
Ein Privatunternehmer, der sich so verhalten würde wie Huber und Naser, wäre schon längst pleite.
Von welch einer angeblichen und dazu noch hochbezahlten Elite werden wir eigentlich regiert und in den Ruin getrieben????
Dieses Verhalten, lieber auf die "angeblich ehrenwerten Herren" zu hören, anstatt mit gesundem Menschenverstand zu handeln, setzt sich hier bundesweit durch.
Unglaublich!
Ich fordere den Rücktritt von Huber!
Paging