Von Kassian Stroh

Begehrtes Machtinstrument: Die BayernLB wurde von der CSU für politische Zwecke genutzt - der Auftrag, für das Gemeinwohl zu sorgen, blieb dabei oft auf der Strecke.

Das Dilemma der Bayerischen Landesbank ist vom Gesetz vorgegeben: Sie dürfe alle Arten von Bankgeschäften tätigen, steht in Artikel 3 des Landesbankgesetzes. Zwei Zeilen darüber aber ist fixiert, die BayernLB müsse den Freistaat Bayern und seine Kommunen zugleich "in der Erfüllung öffentlicher Aufgaben", etwa der Wirtschaftsförderung, unterstützen. Was das im Einzelfall ist, ist Definitionssache. Und die Definitionshoheit darüber hat die Politik.

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Die BayernLB - einst Machtinstrument der Politik im Freistaat. (© Foto: ddp)

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Über Jahrzehnte hinweg nutzte die allein herrschende CSU die Landesbank auch als Machtinstrument. Vor neun Jahren brauchte der CSU-nahe Medienunternehmer Leo Kirch einen Milliardenkredit unter anderem für sein Engagement in der Formel 1, er bekam ihn von der Landesbank; als Kirch 2002 pleiteging, war die BayernLB einer der größten Gläubiger.

Anfang des Jahrzehnts suchte die CSU-Regierung einen Investor für ein Luxushotel am Obersalzberg, wo einst Adolf Hitlers Berghof stand. So wollte sie verhindern, dass die Gegend zum Ort brauner Umtriebe wurde. Es fand sich aber kein Unternehmen, auf Drängen der Politik sprang schließlich die Landesbank ein. Das verlustbringende Hotel hat sie bislang mehr als 50 Millionen Euro gekostet.

Die Nähe zur Politik zeigt sich auch daran, dass immer wieder verdiente Staatsbeamte lukrative Posten bei der Bank und ihren Töchtern bekamen. So stieg Rudolf Hanisch zum Vize-Chef der BayernLB auf - er war bis 1999 unter Edmund Stoiber der Chefbeamte der Staatskanzlei. Lange habe die Politik die Bank als "Teil des Staatsapparates" verstanden, räumt selbst Ex-CSU-Chef Erwin Huber ein. Vom "verlängerten Arm der Politik" sprach der Finanzwissenschaftler Wolfgang Gerke.

Bis Ende 2008 gehörte die BayernLB je zur Hälfte dem Freistaat und den bayerischen Sparkassen. Die aber beteiligten sich nicht an der Zehn-Milliarden-Euro-Rettungsaktion und halten seither nur noch etwa sechs Prozent der Anteile.

Die Doppelfunktion, Bank zu sein und sich gleichzeitig ums Gemeinwohl kümmern zu müssen, wird für die BayernLB nun auch zum Problem bei ihrer anstehenden Neuausrichtung. Die Träume, ins Ausland, vor allem nach Osteuropa, zu expandieren, haben sich mit dem Debakel der Hypo Group Alpe Adria zerschlagen.

Druck aus Brüssel

Privatkundengeschäft und Kreditversorgung kleinerer Betriebe im Inland wiederum sind Sache der Sparkassen - ein dauernder Konflikt. Zumal Bayern für die Mittelstandsförderung noch seine LfA Förderbank unterhält. Wo bleibt da Platz für die BayernLB?

Zudem will sie sich nun - nicht zuletzt auf Druck der EU - von allen Beteiligungen trennen, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören. Wie der Wohnungsgesellschaft GBW, der größten in Bayern, die 34.000 Wohnungen besitzt. Gegen die Verkaufspläne laufen die Oberbürgermeister der betroffenen Städte Sturm. Ihr Argument: 100.000 Mieter dürften "nicht zum Spielball von Spekulanten werden". Die Landesbank müsse ihrem öffentlichen Auftrag gerecht werden. Auch das wieder eine Frage der Politik.

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(SZ vom 11.12.2009/bica)