Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat sich für die politischen und wirtschaftlichen Fehler entschuldigt, die bei der Landesbank gemacht wurden. Der Opposition ist das nicht genug.
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat sich erstmals im Namen der Staatsregierung für Fehler im Zusammenhang mit der Krise der BayernLB entschuldigt und zugleich vor weiteren Milliarden-Kosten zur Rettung der Bank gewarnt. Nach der Finanzspritze des Freistaats in Höhe von zehn Milliarden Euro drohten weitere Belastungen, um den Zusammenbruch der zweitgrößten deutschen Landesbank zu verhindern, sagte Seehofer in seiner ersten Regierungserklärung im Landtag. Dennoch halte die Staatsregierung an ihren geplanten Zukunftsinvestitionen im Haushalt fest. SPD- Fraktionschef Franz Maget warf Seehofer "Traumtänzerei" und ein waghalsiges Rettungsmanöver im Alleingang vor.
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Erwartet Auswirkungen auf künftige Haushalte: Horst Seehofer in seiner ersten Regierungserklärung. (© Foto: dpa)
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Seehofer zufolge müsse man damit rechnen, dass auch die Garantie des Freistaats in Höhe von 4,8 Milliarden Euro für weitere Verluste der Landesbank in Anspruch genommen werden. Zugleich rechtfertigte er das insgesamt 30 Milliarden Euro schwere Rettungspaket von Bund und Freistaat für die BayernLB, davon besonders die zehn Milliarden Euro des Landes. "Die BayernLB ist eine systemrelevante Bank", sagte er. "Eine Insolvenz hätte neue Schockwellen für die gesamte Finanzwirtschaft bedeutet." Der Freistaat helfe mit seinem Rettungspaket nicht einer anonymen Institution oder Bankmanagern, sondern der Wirtschaft, den Sparern und den Kommunen.
Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt
Die BayernLB hat allein im dritten Quartal wegen der Turbulenzen auf den Finanzmärkten einen Verlust von einer Milliarde Euro eingefahren. Eine Prognose für das Gesamtjahr wagte die Bank am Mittwoch nicht. Sie hatte sich zunächst auf einen Verlust von drei Milliarden Euro in diesem Jahr eingestellt, diesen Ausblick aber bereits aufgehoben. Am Montag hatte die BayernLB wegen der Krise eine massive Umstrukturierung mit dem Abbau von 5600 Arbeitsplätzen angekündigt.
"Ich möchte mich für die gesamte Staatsregierung bei der Bevölkerung und auch bei den Mitarbeitern entschuldigen für die Fehler, die in der Bank, im Vorstand, im Verwaltungsrat und bei beiden Eigentümern - den Kommunen und Sparkassen und dem Freistaat Bayern - gemacht wurden", sagte Seehofer, der vor etwas mehr als einem Monat sein Amt als Regierungschef antrat. Die Staatsregierung werde alles in ihrer Macht stehende tun, um weiteren Schaden abzuwenden. Auch im Namen der Vorgängerregierungen räumte Seehofer Fehleinschätzungen bei der Geschäftspolitik der BayernLB ein.
Die Staatsregierung sucht weiter nach einem tragfähigen Eigentümermodell für die BayernLB. Auch die Fusionsgespräche mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gingen weiter, sagte Seehofer. Derzeit sehe er aber noch "keine zukunftsfähige Lösung". Die CSU/FDP- Regierung habe sich keinem Gespräch verweigert. "Aber ich bin nicht bereit, dass wir die Risiken anderer Landesbanken auch noch schultern", sagte Seehofer. Es bestehe weiter auch die Möglichkeit der Privatisierung der BayernLB.
Der Kraftakt zur Rettung der Bank wird nach Einschätzung Seehofers nicht spurlos an künftigen Doppelhaushalten vorübergehen. Die zehn Milliarden hätten "Auswirkungen auf die mittel- und langfristige Finanzsituation", sagte er. 2009 und 2010 sollen die Zinsbelastungen für den Zehn-Milliarden-Kredit unter anderem aus Rücklagen geschultert werden. Für die Zeit danach werde man sich "gehörig anstrengen" müssen, sagte Seehofer. Der Doppelhaushalt 2009/2010 solle noch vor Weihnachten im Kabinett beschlossen werden.
Der frühere Finanzminister Kurt Faltlhauser schrieb an einen Brief an Seehofer, dass auch er zu seiner Mitverantwortung für die Zeit stehe, in der er Verwaltungsrats-Chef der BayernLB war. Faltlhauser betonte zwar nach Worten Seehofers ebenso wie der ehemalige Finanzminister Erwin Huber (CSU), er trage keine persönliche Schuld an der Entwicklung. Während Huber zurückgetreten sei, bleibe ihm als Pensionär nur die Möglichkeit, sich zu entschuldigen, schrieb Faltlhauser. Seehofer sagte, er nehme diese Erklärung "mit Dankbarkeit und Respekt zur Kenntnis".
SPD-Fraktionschef Maget sprach von einem Offenbarungseid der alten und der neuen Staatsregierung und der "schlimmsten Stunde in der bayerischen Nachkriegsgeschichte". Die Krise sei verharmlost, verleugnet und ignoriert worden. Die Freien Wähler forderten weitere personelle Konsequenzen bei der Landesbank und Neuwahlen in Bayern. Die Grünen warfen der Regierung vor, kein tragfähiges Geschäftsmodell zu schaffen, sondern nur gigantische neue Schulden zu machen.
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(dpa/che/bosw)
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Die neueste Antwort
Seehoher entschuldigt sich ... darin hat er ja inzwischen Übung.
genau so ist es.
Dieses "Ich entschuldige mich" ist völliger Nonsens, weil man sich selbst nicht entschulden kann.
Ich habe darüber in der "Die Zeit" einen interessanten Artikel gelesen.
Ein Hamburger Professor hat diese Unsitte angeprangert und vor allem dafür die Politiker- an erster Stelle den brutalst möglichen Aufklärer aus Hessen- dafür verantwortlich gemacht.
Es ist m.E. beschämend für einen Minister nicht einmal die Grundregeln des Anstand zu beherrschen.
Ich jedenfalls nehme diese Entschuldigung nicht an.
Bitte liebes Redaktionsteam, stellt eine Abstimmungsseite ins Netz, wo jeder die Möglichkeit hat, die Entschuldigung abzulehnen.
Eine Entschuldigung ist immer eine bilaterale Angelegenheit - auf der ganzen Welt - nur nicht bei uns; die Öffentlichschuldigen in Deutschland wollen sich stets mit dem reflexiven Wort-Unsinn ".. ich entschuldige mich .." entschuldigen. So schaffen sie es nicht, die Schuld bleibt kleben!
Es muss z. B. heissen " Ich bitte um Entschuldigung ..".
Dann wird aus einem monolateralen Unsinn eine bilaterale echte Entschuldigung: der Geschädigte bekommt ja erst dann die Chance die Entschuldigung anzunehmen und den Schuldigen von seiner Schuld zu befreien (oder auch nicht).
Ich bitte das geneigte Auditorium um Entschuldigung für diesen Nebenexkurs in Sachen BayernLB!
"Faltlhauser betonte zwar nach Worten Seehofers ebenso wie der ehemalige Finanzminister Erwin Huber (CSU), er trage keine persönliche Schuld an der Entwicklung. Während Huber zurückgetreten sei, bleibe ihm als Pensionär nur die Möglichkeit, sich zu entschuldigen, schrieb Faltlhauser. Seehofer sagte, er nehme diese Erklärung "mit Dankbarkeit und Respekt zur Kenntnis"."
Nein, Herr Faltlhauser, Ihnen bleibt nicht nur die Möglichkeit der Entschuldigung. Auch als Pensionär können Sie viel dazu beitragen, aufzuklären, wie es zu dieser Vermögensverbrennung in größtem Ausmass kommen konnte. Helfen Sie wenigstens hierbei mit und wenn Sie selber verknackt werden, stehen Sie auch dazu! Als Minister hatten Sie die Pflicht, Schaden von uns abzuwenden. Das haben Sie nicht getan, vermutlich noch nicht mal versucht. Das ist ihre Schuld und die werden Sie nicht so einfach los mit einer "Entschuldigung als armer Pensionär", denn so hört es sich an!
"Aber ich bin nicht bereit, dass wir die Risiken anderer Landesbanken auch noch schultern", sagte Seehofer
Keine andere Bank wird bereit sein, die Risiken der BLB mitzuschultern. Verfolgt man die Entwicklung der letzten Wochen und Monate, ist nicht ersichtlich warum ausgerechnet jetzt alle Zahlen auf dem Tisch liegen und nicht noch gewaltig was nachkommt.
Seehofer braucht deswegen nicht zu glauben, dass auch nur irgendeine andere Landesbank in dieser Lage interessiert daran wäre, sich auf noch kommende Risiken einzulassen durch ein Engagement bei der der BLB:
Eher schon ein einsamer Stern aus der texanischen Wüste für 1 Euro.
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