Es wird keine Rückabwicklung des Alpe-Adria-Kaufs geben. Bayern will aber Schadenersatz erwirken. Unterdessen wird die Forderung nach Haftstrafen für die Manager laut.
Das bayerische Finanzministerium zerstört die selbst geweckten Hoffnungen auf eine vollständige Rückabwicklung des 3,7 Milliarden Euro teuren Kaufs der österreichischen Skandalbank Hypo Group Alpe Adria (HGAA). Es sei "unrealistisch", dies versuchen zu wollen, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag in München. Es habe sich um ein Missverständnis gehandelt. Eine Rückabwicklung des Kaufs ist nach Einschätzung von Experten juristisch gar nicht möglich.
Die Verantwortlichen für das Debackel um den Kauf der Kärntner Hypo Group Alpe Adria (HGAA) sollen nun verschärft gesucht werden. (© Foto: dpa)
Anzeige
Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) hatte kurz zuvor noch in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gesagt, der Freistaat werde "alle Möglichkeiten der Rückabwicklung nutzen". Sollte der HGAA-Kauf durch die Landesbank "auf Lug und Trug aufgebaut" gewesen sein, "dann wäre nachträglich die Geschäftsgrundlage entzogen", sagte der Minister zunächst.
Hoffnung auf Schadenersatz
Nun bleiben nur mögliche Schadenersatzansprüche. "Falls sich der Verdacht von Insidergeschäften bestätigt, werden wir entsprechende Schritte einleiten", sagte Fahrenschon dem Münchner Merkur. Darin sei er sich mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) einig.
Der stellvertretende Vorsitzende des geplanten Landesbank-Untersuchungsausschusses, Harald Güller (SPD), warf Fahrenschon unprofessionelles Verhalten vor. "Statt seriöser Aufklärungsarbeit und umsichtigem Handeln ist bei der Staatsregierung jetzt nur noch Aktionismus angesagt", kritisierte Güller. Fahrenschon steht wegen des BayernLB-Dramas seit Wochen unter Druck. SPD und Grüne werfen ihm vor einen brisanten Prüfbericht nur unter Druck veröffentlicht zu haben.
Haftstrafen für Bankchefs gefordert
Als Konsequenz der Milliardenverluste für Bayern durch die HGAA fordert der Leiter der BayernLB-Kommission des Landtags, Ernst Weidenbusch (CSU), Haftstrafen für Bankmanager. Die zuständige Münchner Staatsanwaltschaft solle massiv aufgestockt werden.
Weidenbusch schließt sich außerdem der Forderung der Opposition an, die Banker im geplanten Untersuchungsausschuss unter Eid zu vernehmen: "Angesichts unserer Erfahrungen mit der Verlässlichkeit der Aussagen von Bankchefs wäre das angebracht.
"Wir müssen alles tun, damit es die erwischt, die dafür verantwortlich sind", sagte Weidenbusch im Münchner Merkur. Er sieht als "die Hauptverantwortlichen" den früheren Vorstandschef der BayernLB, Werner Schmidt, und dessen inzwischen entlassenen Nachfolger Michael Kemmer.
- Hyo Alpe Adria Wirtschaftskrimi BayernLB 03.01.2010
- CSU und das BayernLB-Desaster "Gefühlt: 30 plus X" 22.12.2009
- Martin Zeil im Gespräch "Da darf nichts unter den Teppich gekehrt werden" 29.12.2009
- Landesbank-Desaster Kassieren in Klagenfurt 13.05.2010
- Hypo Group Alpe Adria Bank für Kriegsverbrecher und Terroristen? 12.05.2010
- BayernLB: Quartalszahlen Gewinn mit vielen Fragezeichen 11.05.2010
- Ex-BayernLB-Chef Schmidt Einer packt aus 06.05.2010
(dpa/ddp-bay/bica)
Unnütze Hygienemaßnahmen
Die neueste Antwort
Manager werden für ihre Verantwortung königlich bezahlt, also dürfen sie sich bitte auch nicht ducken, wenn ihnen Fehler unterlaufen, die sie zu vertreten haben.
Die Verluste der BayernLB haben diese Herren zu verantworten. Die Richter sollten sie dazu verurteilen, den angerichteten Schaden zu ersetzen oder im Gefängnis abzusitzen. Warum sollten Bankmanager anderes behandel werden, als andere säumige Schuldner?
Das Gleiche gilt natürlich auch für Politiker und Ex-Politiker. Auch diese Herrschaften dürfen keine Narrenfreiheit in einem ernstzunehmenden Land genießen.
für Manager, da kann ich ja nur lauthals lachen, denn das wird es niemals geben hierzulande, schon garnicht in Bayern. Den Staatsanwalt will ich sehen, der den Mut hat hier tätig zu werden, incl. Anklageerhebung, obwohl es sich hier massenhaft um sogenannte Offizialdelikte handelt, bei deren Kenntniserlangung, jeder Staatsanwalt gesetzlich verpflichtet ist, ermittelnd tätig zu werden.
Doch ist auch zu beachten, dass jeder Staatsanwalt einen politischen Vorgesetzten hat, der gegebenen falls, weisungsbefugt ist, ergo wer weiter kommen will wird sich das mehrfach überlegen,
leider ist das in aller Regel der Fall, besonders bei politisch heiklen
Zusammenhängen.
Da beschwere sich noch einer der politischen Machtinhaber, dass der Bürger Wahl/Polikverdrossen ist, wo das wohl herührt?
Immer tiefer in den Staatsbankrott: die CSU muss ganz klare Linien ziehen.
Die Bayern könnten rabiat werden: wer hatte das Szenario vorausgesehen?
Wer konnte das erahnen, dass es jemals so weit kommen würde?