Ihr Bericht bringt die Staatsregierung in Not: Sonderprüferin Linner hat viele Rügen über die Bayerische Landesbank verfasst. Jetzt erzählt sie, was sie entdeckt hat.
Bislang war Corinna Linner eine Art Phantom. Die Münchner Wirtschaftsprüferin kümmerte sich neun Monate lang, bis Mitte November, um das größte wirtschaftliche Desaster des Freistaats, um die Milliardenverluste der Bayerischen Landesbank (BayernLB).
Bild vergrößern
Das größte wirtschaftliche Desaster des Freistaates: die Bayerische Landesbank. (© Foto: ddp)
Anzeige
Im Auftrag von Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) forschte die Zahlenexpertin nach den Ursachen für den Niedergang des staatlichen Kreditinstituts und erarbeitete Vorschläge, was man in Zukunft besser machen könne. Die Öffentlichkeit erfuhr aber so gut wie nichts über Linners Tätigkeit, und schon gar nichts über ihre Erkenntnisse. Selbst der Landtag, der eine eigene Kontrollkommission für die Landesbank eingesetzt hat, bekam kaum Informationen.
Erst jetzt, nach langer Zeit, nimmt das Phantom Gestalt an. An diesem Mittwoch erzählt Linner der Parlamentarischen Kontrollkommission für die BayernLB, was sie alles in der Staatsbank entdeckt hat. Die 50-Jährige ist vom Fach. Sie hat bereits fast zwei Jahrzehnte als Wirtschaftsprüferin gearbeitet, hat vier Jahre in München eine ausländische Bank geleitet und war vier Jahre Konzernleiterin Steuern und Bilanzen der Commerzbank.
Als erste Frau hatte sie den Aufstieg in die zweithöchste Führungsebene dieser Großbank geschafft. Heute ist sie Vorstandsmitglied der Wirtschaftsprüfgesellschaft Rölfs Partner. Eine erfahrene Frau also, der man nichts so einfach vormachen kann. Und die sich auch nicht schnell einschüchtern lässt, möchte man meinen.
Finanzminister Fahrenschon hatte Linner im Februar bei der Landesbank eingesetzt, aber erst jetzt rückt er ihre Prüfergebnisse heraus, auf Druck der Opposition. Dass Linner Brisantes über die BayernLB gefunden hat, das hatten die Abgeordneten aus der Zeitung erfahren.
Linners Prüfberichte füllen einen ganzen Ordner, und sie bringen die Staatsregierung zunehmend in Bedrängnis. Linner hat nämlich nicht nur, wie vor einer Woche bekannt wurde, den Erwerb der österreichischen Finanzgruppe Hypo Alpe Adria im Jahr 2007 durch die Landesbank heftig gerügt. Sie hat auch den Handel mit Kreditpaketen aus den USA, der die Landesbank inzwischen mehrere Milliarden Euro gekostet hat, vehement kritisiert.
Doch das Erstaunliche: Sie hat diese Einwände wie auch im Fall Hypo Alpe Adria am Ende größtenteils wieder zurückgezogen. Sie halte es nicht für "angezeigt, Maßnahmen zu ergreifen", lautete ihr Resultat auch bei dem verlustreichen Kredithandel. Ein fragwürdiges Ergebnis. Immerhin hatte Linner in einem ersten Prüfbericht vom 27. Mai 2009 über die teuer gekauften Kreditpakete aus dem US-Immobilienmarkt viele Mängel aufgelistet. Die Ausweitung dieser Geschäfte habe auf einem "einsamen Beschluss" des Landesbank-Vorstandes beruht; der Verwaltungsrat, das Aufsichtsgremium, sei unzureichend informiert gewesen.
"Erstaunlich" sei aber auch, rügte Linner, dass der mit etlichen Ministern besetzte Verwaltungsrat "nicht bereits früher eine umfassende Darstellung" dieser Aktivitäten verlangt habe. Außerdem sei es zu einem "eindeutigen Verstoß" gegen die von der Bankenaufsicht verfügten Mindestanforderungen an das Risikomanagement gekommen.
Linner notierte sogar, eine frühere von der Bank in Auftrag gegebene Untersuchung, die Vorstand und Verwaltungsrat entlastet habe, sei in mehreren Punkten "nicht richtig" gewesen.
Auf diesem Prüfbericht vom 27. Mai ist ein handschriftlicher Vermerk, wonach der Report am 12. Juni von Linner mit Fahrenschon und weiteren Personen erörtert worden sei. Linner habe gesagt, es handele sich um ein "vorläufiges Papier, das noch der Überarbeitung bedürfe".
Fahrenschon erhielt mit Datum vom 15. Juli eine entschärfte Version, die aber immer noch den bemerkenswerten Satz enthielt: Aus der Fachliteratur ergäben sich Hinweise, dass der von der BayernLB betriebene Handel mit Kreditpaketen "möglicherweise als rechtswidrig angesehen" werde, da er nicht mit der Satzung der Bank vereinbar sei. Diesen Satz hat jemand durchgestrichen. Jemand aus dem Ministerium? Sollte verhindert werden, dass die Landesbank zum Fall für den Staatsanwalt wird?
Die abschließende Fassung des Prüfberichts vom 28. Juli enthielt nur noch Rügen im Detail. Der Satz, diese Geschäfte seien womöglich rechtswidrig gewesen, fehlte. Und alles andere, was Linner vorher bemängelt hatte, war plötzlich in Ordnung.
- Finanzminister zur BayernLB "Ich sehe den Vorwurf nicht bestätigt" 09.12.2009
- Personalversammlung der BayernLB Lachen über den Chef 08.12.2009
- Querelen um BayernLB Anzeigen gegen CSU-Politiker und Banker 07.12.2009
- BayernLB Milliardengeschäft auf die Schnelle 05.12.2009
- BayernLB "Risikolage nicht geprüft" 03.12.2009
- Landesbank-Desaster Kassieren in Klagenfurt 13.05.2010
- Hypo Group Alpe Adria Bank für Kriegsverbrecher und Terroristen? 12.05.2010
(SZ vom 09.12.2009/bica)
Sparpaket
Die neueste Antwort
würden die Banker und Politiker die Milliarden in dunkle Kanäle pumpen, wenn die befürchten müssten dafür straf- und zivilrechtlich gerade stehen zu müssen?
nach dieser Logik ist an einem Betrug weniger der Betrüger als der nicht ermittelnde Staatsanwalt schuld
Hä????
Für die ist heute ein schwarzer Tag. Auf der einen Seite geht's gegen die CSU und deren Ehrenspielführer Stoiber und dass der auch nicht ganz sauber war und an anderer Stelle wird der von ihr so verehrte Guttenberg durch den Kakao gezogen, da er offensichtlich doch mehr gewusst hatte, als er zugegeben hat.
Für Pira ist heute ein Tag um Trauer zu tragen.
Die Betrügereien der Landesbanken waren das Werk der politischen Klasse der Länder.
In Bayern dominiert die CSU; also ist die (nach normalem Dafürhalten) der Hauptschuldige. Und deshalb kommen von da ja die Ablenkungsmanöver. Oder was glaubst Du, warum Seehofer und Herrmann in der Mannichl-Posse total durchgedreht sind?
In den Kontrollgremien der SachsenLB saß auch die LINKE. Und, was hat der Genosse Weckesser dort gemacht? Richtig, Pläne erarbeitet für eine Welt mit mehr FrauInnen in Führungspositionen. Das war es dann auch. Unter seinen Augen sind die Milliarden verschwunden.
In NRW hat Steinbrück die einst biedere WestLB zum GlobalPlayer gemacht. Ergebnis wie in Bayern.
Das schlimme an den Bankenbetrügereien ist nicht so sehr das Verhalten der Regierung, sondern das Totalversagen der parlamentarischen Opposition!
Frage in die Runde:
Wo ist eigentliche Pira?
Sie würde uns Uneinsichtigen das Ganze sicherlich als heilsames Tun der Staatsregierung erklären und einen Schuldigen für das ganze LB-Debakel in den Reihen irgendwelcher Linker finden.
Paging