Die Rettung der BayernLB kostet den Freistaat Milliarden - und lässt die Verschuldung innerhalb von nur zwei Monaten auf eine neue Rekordhöhe klettern.
Was der Landtag am Dienstag beschließen sollte, war von historischer Dimension. Die Abgeordneten von CSU und FDP wollten am Abend den lediglich 16 Seiten starken, zweiten Nachtragsetat für 2008 billigen. Dieser sieht nicht weniger vor als die größte Schuldenaufnahme der Nachkriegszeit: zehn Milliarden Euro. Die braucht die Staatsregierung, um die Bayerische Landesbank vor der Pleite zu retten.
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Finanzminister Georg Fahrenschon - die Rettung der BayernLB kostet den Freistaat Milliarden. (© Foto: dpa)
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Wenn der zuständige Beamte im Finanzministerium in diesem Umfang tatsächlich alle Kredite aufgenommen hat, was Schritt für Schritt erfolgen wird, dann hat rein rechnerisch jeder Bürger in Bayern fast 800 Euro Schulden mehr. Bisher waren es 1821 Euro pro Kopf. SPD und Grüne hatten vor der Landtagsdebatte, die bei Redaktionsschluss noch nicht beendet war, Ablehnung angekündigt.
Damit startet Horst Seehofers neue Regierung mit einer schweren Hypothek. Sie hat in den zwei Monaten ihrer Amtszeit bereits mehr Schulden gemacht als die Vorgängerregierungen in den 20 Jahren zuvor.
Zusätzlich zu dem 10-Milliarden-Zuschuss wird der Freistaat eine Garantie über 4,8 Milliarden Euro übernehmen - für drohende Ausfälle aus Wertpapiergeschäften der BayernLB.
Selbst der stets sehr auf Ausgabendisziplin bedachte Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) hält die Rekordverschuldung angesichts der desolaten Lage der Landesbank für alternativlos. ORH-Präsident Heinz Fischer-Heidlberger weist allerdings darauf hin, dass der Freistaat damit de facto enorme Ausgaben zugunsten der Kommunen schultert. Schließlich werden durch das Rettungspaket die Sparkassen, denen die BayernLB zur Hälfte gehört, von den Milliardenrisiken befreit.
Der Nachtragsetat sieht vor, dass Bayern am Ende den 50-Prozent-Anteil der Sparkassen für einen symbolischen Preis übernehmen kann. Damit wären sie aus dem Schneider, sollte sich die Krise der Landesbank noch verschärfen.
Für die neuen Schulden werden nun Jahr für Jahr etwa 500 Millionen Euro an Zinsen fällig. Wie sehr das die Planungen von Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) belastet, zeigte sich am Dienstag ebenfalls.
Am Vormittag billigte das Kabinett den Entwurf für den Doppelhaushalt 2009/2010, den der Landtag im Frühjahr verabschieden will. Die Regierung muss darin nicht nur die Zinsen für die Landesbank-Kredite finanzieren, sondern auch mit deutlich sinkenden Steuereinnahmen rechnen. Zum einen wegen der erwarteten Rezession, aber auch wegen der nicht zuletzt von der CSU propagierten Steuersenkungen.
Allein die Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale kostet 500 Millionen Euro - dafür verzichtet der Minister auf die ursprünglich geplante Tilgung von Altschulden in Höhe von 400 Millionen Euro. Vor allem aber greift er auf Rücklagen zurück, die der Freistaat dank der seit 2006 überdurchschnittlich guten Einnahmen bilden konnte.
Fahrenschon beziffert deren Höhe nicht, nach Angaben aus der CSU dürften sie etwa drei bis vier Milliarden Euro betragen. Nach 2010 dürfte davon nicht mehr viel übrig sein. "Die Rücklagen werden sehr stark angegriffen", sagt Fahrenschon. Das aber sei angesichts der Wirtschaftskrise "nachvollziehbar und geboten".
Kritisch ist auch, dass seine Planungen auf der November-Steuerschätzung beruht, die für 2009 noch ein kleines Wirtschaftswachstum kalkuliert hatte. Inzwischen rechnen Fachleute mit deutlichen Rückgängen.
Gleichwohl hat das Kabinett für 2009 und 2010 eine Reihe von Investitionen und neuen Stellen geplant, wie sie CSU und FDP im Koalitionsvertrag vereinbart haben. 2280 neue Lehrerstellen etwa, 1000 neue Polizisten, mehr Bürgschaften für Mittelständler, deutlich mehr Geld für Unis und die Kommunen, nicht zuletzt auch einen Ausbau der Kinderbetreuung.
In diesem Zusammenhang verkündete Fahrenschon am Rande eine neue Nachricht: Für 2009 war vorgesehen, durch eine Erhöhung der Einkommensgrenzen mehr Eltern das Landeserziehungsgeld zu zahlen. Das soll nun rückwirkend auf den 1. April 2008 vorgezogen werden. Die staatlichen Gesamtausgaben steigen 2009 um zwei Milliarden Euro auf 40,1 Milliarden, im Jahr darauf um eine weitere Milliarde.
Diese Mehrausgaben beäugt der Rechnungshof sehr kritisch. "Obwohl im Hintergrund starke Belastungen durch die Landesbank und die allgemeine Finanzkrise erkennbar sind", sehe der Etat "aus politischen Gründen keine Einschränkungen vor", moniert Fischer-Heidlberger. Das werde spätestens ab 2011 "zu deutlichen Einschnitten" führen. Auch Fahrenschon räumt ein: "2011 laufen wir auf eine große Herausforderung zu."
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(SZ vom 17.12.2008)
Probleme beim Berliner Flughafen lange bekannt
Die neueste Antwort
Bayern war, bisher, das einzige Land der Bundesrepublik und eines der wenigen Länder Europas mit einem soliden Haushalt und einem niedrigen Schuldenstand. Die Berliner haben pro Kopf zB 50.000 Euro Schulden - wenigstens hier ist die Hauptstadt mal ganz oben an der Spitze.
Was mich daran so aufregt ist: GANZ ZURECHT haben wir in Bayern bisher im Großen und Ganzen nur das Geld ausgegeben was wir auch hatten. Geschadet hat diese Sparsamkeit offensichtlich nicht, schaut man sich Infrastruktur und Wohlstand im Land an (es ist ja auch ein Trugschluss dass Schulden größere Spielräume brächten, innerhalb wenigen Jahren sind die Zinszahlungen alleine schon größer als die ursprüngliche Kreditsumme es war).
Teilweise auch mit schmerzhaften Folgen, es mussten wünschenswerte Dinge gestrichen werden. Selbst unser Wald wurde privatisiert, die schlimmsten Befürchtungen der Gegner wurden zwar nicht war aber es hat trotzdem das Gschmäckle. Für ein paar Millionen Euro im Jahr Gewinn.
Und nun auf einen Schlag so eine Summe. Für nichts. Weg. Verschwunden. Staatsverschuldung von 1800 Pro Kopf hoch auf 2600 Euro. Wir werden uns noch umschauen was das für Konsequenzen hat. Wir brauchen wirklich Glück und eine halbwegs stabile Wirtschaftslage um uns nicht, wie die anderen Bundesländer inklusive Baden-Württemberg, in der Schuldenspirale zu verfangen.
Und was mich NOCH MEHR aufregt ist dass das Geld jetzt irgendwo im Mittleren Osten oder an der amerikanischen Ostküste in Villen steckt, nicht einmal im eigenen Land. Der Kini hat uns zwar Schulden aber wenigstens auch Neuschwanstein und Co. hinterlassen. Unsere Nachfahren haben davon lediglich eine Entschuldigung von Seehofer bekomme. Subrr..
Die Verluste würden sich in einem anderen Rahmen bewegen, weil das Tagesgeschäft mit null Altlasten beginnen würde! Als Dr. Michael Kemmer, Vorstandsvorsitzender, die irische Tochter kaufen wollte, wurde er von allen Seiten gewarnt und auf das Risikoporfolio und dessen Klumpenrisiko aufmerksam gemacht! Trotzdem hat er die Übernahme veranlasst. Und genau dieser Vorstand ist immer noch in Amt und Würde! Wenn ein Hartz lV Empfänger Lebensmittel im Aldi stiehlt, dann darf er bluten. Wenn Herr Dr. Michael Kemmer dem Steuerzahler dutzende von MILLIARDEN stiehlt, so geschieht gar nichts. Im Gegenteil, er darf weiter sein oppulentes Büro benutzen, eine Geschäftslimousine mit Chauffeur in Anspruch nehmen und erhält nebst seinem Gehalt auch noch Spesen in der Höhe eines Saläres von einem VW-Angestellten des oberen Kaders!!!
Globales Finanzsystem? Wo sind Täter und Opfer? Täter: BayernLB. Opfer: Der bayrische Steuerzahler.
Jede Putzfrau (nicht despektierlich gemeint) kann problemlos ausrechnen, dass Subprime-Titel nur heisser Dampf sind und waren. Es gibt für alle, die in diese unsägliche Geschichte verwickelten sind und waren, kein Persilschein. Gier ist die mieseste Triebfeder der Menschheit!
Apropos Rückgrat. Keiner der involvierten Banker hat sich jemals öffentlich für sein Versagen entschuldigt... Taussend Ausreden und keine Einsicht des eigenen Scheiterns und Versagens!
Ach, da fällt mir noch was ein: Wer zahlt denn jetzt den Preis für diese Zocker? Der einfache Mann/Frau durch Jobverlust. Die Sozialämter werden Hochkonjuktur feiern. Familien werden zerbrechen, die Kriminalität wird zunehmen, die allgemeine Kaufkraft wird rapide abnehmen und die Arbeitgeber werden sich, quasi als Ausrede der allgemeinen Wirtschaftskrise, wieder um einen Mindestlohn drücken können! Toll gemacht, Herr Stoiber, Herr Dr. Kemmer, Herr Huber. Charakterlich einwandfreie Menschen!
C= Christlich, S= Sozial U=Union. Davon ist wirklich nichts mehr zu sehen, sorry!
wenn es so einfach wäre, stichwort haftung der freistaats bis 2015. Würde man die bank also quasi jetzt auflösen, dann wären die verluste noch höher. Dass die 30mrd nicht langen werden, das is hoffentlich jedem klar. die diskussion über die bayernlb is recht und schön, aber greift zu kurz. es geht nicht um das versagen einzelner, das es sicher auch gab. Nein, das globale finanzsystem is am ende, aber das wird nicht diskutiert. warum wohl?
muss man denn immer was posten, auch wenn man nicht über die details bescheid weiss?
Eigentlich kann es in Sachen BayernLB nur einen Weg geben. Schliessen, unter Mitnahme der Verpflichtungen gegenüber den Kunden. Neugründung durch die Sparkasse. Übernahme des Personals. Der ganze Vorstand, inkl. Direktion, sind fristlos zu entlassen und deren Privatvermögen wird restlos eingezogen. Die ehemaligen Vorstände sind ebenfalls haftbar zu machen. Stoiber und Konsorten soll das komplette private Vermögen konfisziert werden. Das Gleiche gilt auch für die Sparkasse als 50% Eigner.
Die eingesparten Milliarden können in den Konjunkturstützungsfond eingebracht werden...
Dies entspricht sicher der Meinung (fast) aller Bürger des Freistaat Bayern, liebe CSU!