Bayern Zugunglück in Aichach - Fahrdienstleiter festgenommen

  • Am späten Montagabend ist ein fahrender Personenzug mit einem stehenden Güterzug auf dem gleichen Gleis zusammengestoßen. Dabei kamen der Lokführer des Personenzugs und eine Passagierin ums Leben.
  • Nach ersten Erkenntnissen ist der Unfall auf menschliches Versagen zurückzuführen, der zuständige Fahrdienstleiter wurde vorläufig festgenommen.
  • Die betroffene Strecke zwischen Ingolstadt-Augsburg wurde gesperrt. Die Sperrung um den Bahnhof Aichach soll noch mindestens bis Dienstagnachmittag dauern.

Nach dem Frontalzusammenstoß zweier Züge im schwäbischen Aichach ist der für die Strecke zuständige Fahrdienstleiter vorläufig festgenommen worden. Gegen den Mann bestehe der dringende Verdacht der fahrlässigen Tötung, teilte das Polizeipräsidium Schwaben Nord am Dienstag in Augsburg mit. Demnach ist der Unfall vom Montagabend wohl auf menschliches Versagen des 24-Jährigen zurückzuführen.

Bei dem Zusammenstoß sind zwei Menschen ums Leben gekommen. 14 Personen wurden verletzt, wie die Deutsche Bahn unter Berufung auf die Bundespolizei mitteilte.

Zwei Tote bei Zugunglück in Aichach

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Der aus Augsburg kommende Personenzug fuhr gegen 21:20 Uhr auf einen stehenden Güterzug auf. Der 37-jährige Lokführer des Personenzuges starb schwer verletzt noch an der Unfallstelle. Das zweite Todesopfer ist eine 73-jährige Passagierin. Ein weiterer Fahrgast sei schwer verletzt worden. Zwei Passagiere wurden mittelschwer und elf leicht verletzt. Der Lokführer des Güterzugs sei unversehrt geblieben. Zum Zeitpunkt des Unglücks waren 20 Menschen an Bord des Regionalzuges, der von Augsburg in Richtung Ingolstadt unterwegs war.

Polizeiangaben zufolge war der Personenzug der Bayerischen Regiobahn (BRB) wenige Hundert Meter vom Bahnhof in Aichach entfernt frontal auf den stehenden, leeren Güterzug aufgefahren. Die beiden Züge sind beim Zusammenstoß nicht entgleist. Der Personenzug wurde an der Front eingequetscht.

Warum der BRB-Triebwagen nicht auf dem Nachbargleis an dem Güterzug vorbeigeleitet wurde, ist bislang nicht bekannt. "Die Deutsche Bahn arbeitet eng mit den Behörden vor Ort zusammen, um Umstände und Ursachen des Unglücks vollständig aufzuklären", teilte die Bahn mit.

Wie schnell der Zug unterwegs war, stand zunächst nicht fest. Unklar war auch, ob möglicherweise Signale oder Weichen falsch gestellt waren. Im Laufe des Tages soll sich ein externer Gutachter die Unfallstelle ansehen.

An der Unfallstelle waren in der Nacht rund 170 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei im Einsatz. Mehrere Rettungshubschrauber flogen die Verletzten in Kliniken. Im Landratsamt Aichach-Friedberg koordinierte in der Nacht die Führungsgruppe für den Katastrophenschutz den Einsatz.

Die Bayerische Regiobahn teilte mit, die Strecke zwischen Dasing und Radersdorf sei bis auf Weiteres gesperrt. "Es ist ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet worden." Die Sperrung um den Bahnhof Aichach dauert mindestens bis Dienstagnachmittag. Den Angaben nach fahren auf der Strecke nur Regional- und Güterzüge, aber keine Fernverkehrszüge.

Die Kriminalpolizei sucht derzeit nach etwa 15 Passagieren, die kurz nach dem Zusammenstoß die Unfallstelle verließen, und bitte diese darum, sich unter der Telefonnummer 0821/323-3810 zu melden.

Es war der zweite schwere Unfall mit einer Bahn in Bayern am Montag. Nachdem ein Regionalzug an einem unbeschrankten Bahnübergang im oberbayerischen Seeshaupt am Starnberger See ein Auto erfasst hatte, kamen ebenfalls zwei Menschen ums Leben: die Fahrerin und die Beifahrerin des Wagens. Das Auto war nach der Kollision mehrere Hundert Meter vom Zug mitgeschleift worden, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Einer der etwa 60 Fahrgäste der Regionalbahn wurde verletzt. Der Lokführer blieb äußerlich unversehrt.