Bayern-SPD wirft Pressesprecher raus Sprachlose SPD

Völlig überraschend hat die Bayern-SPD ihren Sprecher Gregor Tschung hochkant hinausgeworfen. Ihm werden "Verstöße gegen Dienstpflichten" vorgeworfen. Nach SZ-Informationen geht es um Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung. Doch auch Vorwürfe gegen seine Arbeit sollen eine Rolle gespielt haben.

Von Frank Müller

Es war eine kleine Stellenanzeige in der Pfingstausgabe der Süddeutschen Zeitung: "Die Stelle eines/einer Pressereferent/-in in der Landesgeschäftsstelle" sei zu besetzen, annoncierte die Bayern-SPD da - befristet bis zum 31. Oktober 2013, also bis kurz nach der Landtagswahl.

Der Mann der Ude erklären sollte: SPD-Sprecher Gregor Tschung. Jetzt hat die Partei ihn überraschend rausgeworfen.

(Foto: Seyboldt)

Der neue Kollege sollte eigentlich Parteisprecher Gregor Tschung verstärken. Doch nun kann sich die SPD gleich zwei Pressesprecher suchen. Sie braucht auch einen Nachfolger für Tschung selbst. Denn völlig überraschend hat die Parteiführung ihren Sprecher jetzt hochkant hinausgeworfen. "Verstöße gegen Dienstpflichten" werden ihm vorgeworfen, die der Partei keine andere Wahl gelassen hätten.

Informationen der SZ zufolge geht es um Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Pkw-Dienstfahrten. "Es gibt eine Kündigung, und in der stehen Dinge, die letztlich auch in einer Wurstfabrik hätten geschehen können", sagte Landesgeschäftsführer Holger Reise. Jedoch sollen auch Vorwürfe gegen Tschungs fachliche Arbeit eine Rolle gespielt haben.

Dies alles hätte man womöglich auch diskreter aus der Welt schaffen können, doch für Zurückhaltung war kein Platz mehr in der Bayern-SPD. In aller Härte wurde die Trennung publik, mit dem vollen Programm: Kündigung plus sofortige Beurlaubung, Räumung des Büros, Abgabe des Diensthandys.

Tschung selbst tauchte ab, beim alten Arbeitgeber bekam man von allen Seiten stets nur dieselbe Auskunft: Details könnten wegen des nun womöglich folgenden arbeitsrechtlichen Verfahrens nicht genannt werden. Und Folgerungen auf angebliche politische Verwerfungen in der Parteiführung seien völlig an den Haaren herbeigezogen.

"Ein Schmarrn"

Das betonen das Führungsquartett mit Spitzenkandidat Christian Ude, Parteichef Florian Pronold, Generalsekretärin Natascha Kohnen und Fraktionschef Markus Rinderspacher nicht ohne Grund fast mantraartig. "Ein Schmarrn" seien anderslautende Interpretationen, sagte Kohnen. In Wahrheit ist die Personalie Tschung für die Partei aber gravierend. Pressesprecher sind zwar außerhalb des professionellen Betriebs nicht sehr bekannt, fast immer aber haben Vorwürfe gegen sie mit Spannungen im Verhältnis zu den jeweiligen Chefs zu tun.

In der Bayern-SPD gab es zuletzt einige Anzeichen hierfür. Dafür sorgten auch sich häufende Medienberichte darüber, dass die Chancen des von Ude angestrebten Bündnisses aus SPD, Grünen und Freien Wählern derzeit eher sinken, die CSU/FDP-Regierung abzulösen. Die Nervosität zeigt sich beispielsweise auch daran, dass Ude Anrufe von Journalisten mittlerweile mitschneidet, so auch am Freitag bei einem Telefonat mit der SZ.

"Das hat überhaupt keinen politischen Bezug", versicherte Ude dabei zu Tschungs Ablösung. Die SPD hat in den letzten Monaten viel Energie darauf verwendet, die Führungsquadriga Ude, Pronold, Kohnen, Rinderspacher als harmonische Einheit darzustellen. Dabei hatte Tschung zwar eigentlich die Funktion, für den Landesverband zu sprechen, also für Pronold und Kohnen.

Gleichzeitig wuchs er jedoch immer mehr in die Rolle eines Sprechers des Spitzenkandidaten, also Udes, hinein. Dabei gefiel sich Tschung auch immer mehr als aktiver Strippenzieher. Pronold, der als Bundestagsabgeordneter zudem stark in Berlin gebunden ist, geriet so immer mehr aus dem Blickfeld.

Die Zeit drängt

Auch wegen solcher Spekulationen wurde in der SPD am Freitag betont, dass Ude in die Kündigung eingeweiht gewesen sei. Ude bestätigte, am vergangenen Sonntag von den Vorwürfen erfahren zu haben, also einen Tag nach einem Parteitag der Bayern-SPD in Amberg. Tschung erfuhr zu diesem Zeitpunkt allerdings offenbar noch nichts.

Auch Anfang der Woche blieb er noch an Udes Seite, etwa als dieser am Dienstag im Landtag auftrat und sich bei einer Pressekonferenz zum Länderfinanzausgleich äußerte. Die Vorwürfe seien Tschung dann am Mittwoch in einem Personalgespräch eröffnet worden - und zwar, obwohl er an diesem Tag in mehrstündiger akuter medizinischer Behandlung gewesen sei.

Der 46-jährige Tschung hatte sein Amt erst im vergangenen Jahr angetreten, ursprünglich nur als Schwangerschaftsvertretung. Zuvor war der Deutsch-Koreaner aus Köln bei mehreren Zeitungen tätig, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur bei der Dresdner Morgenpost. Ihre nun erforderlichen zwei neuen Pressesprecher wolle die Partei zügig vorstellen, hieß es. Die Zeit drängt auch deswegen, weil Münchens OB Ude nach seinem Sommerurlaub zu einer Bayerntour aufbrechen will. Bis dahin teilen sich Landesgeschäftsführer Reise und der SPD-Kampagnenleiter Rainer Glaab die Arbeit.