Seit sie weit weg ist von Eschenau, gehe es ihr besser, auch wenn sie immer wieder von Weinkrämpfen geplagt werde. Ihrem Ehemann hat sie von den beiden Peinigern erzählt, sonst niemandem. Auch im März auf ihrer melancholischen Geburtstagsreise nach Franken habe sie das Geheimnis hüten wollen. "Rache oder Vergeltung", beteuert die gläubige Frau, "lehne ich grundsätzlich ab". Aber nach jenem Abend im Gasthof, da habe sie ihr Schweigen einfach nicht mehr vor sich selbst rechtfertigen können. "Sonst hört das nie auf in Eschenau."
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Die vier anderen Fälle im Dorf seien schnell ermittelt gewesen, sagt die Lehrerin. Viele hätten etwas gewusst und man habe nur genau fragen müssen und den Opfern berichten, dass sie nicht alleine seien. Das Schlimmste sei der Gang zu ihren Eltern gewesen.
Einer der beiden Beschuldigten, der Mann, der sich an Christi Himmelfahrt das Leben genommen hat, war ein hoch angesehener Würdenträger im Dorf - ein wohlhabender Landwirt mit wichtiger Position im Bauernverband, ein Mann, der Jahre lang als Schöffe zu Gericht geladen wurde. Jeder kannte ihn im Ort, und nahezu jeder mochte ihn.
Am Tag, nachdem sich der Mann das Leben genommen hat, tuschelt eine Runde im Dorf von "gerechter Rache", für die man schon sorgen werde. Ein Abschiedsbrief macht die Runde, in dem der 53 Jahre alte Mann seine Unschuld beteuert. Das Haßfurter Tagblatt soll den Abschiedsbrief neben der Todesanzeige drucken, die Zeitung lehnt ab.
"Ich habe seine Zeilen gelesen", sagt der ehemalige Gemeinderat Willi Schwappacher, ´"und ich habe nicht den geringsten Anlass, an den letzten überlieferten Worten dieses Mannes zu zweifeln". Bei der Beerdigung mischen sich Polizisten unter die Trauernden. Vertreter der Familien, die sie im Ort "die angeblichen Opferfamilien" nennen, werden gebeten, der Beisetzung nicht beizuwohnen.
Wie es nun weitergehen soll im Dorf, sagt der Ehemann einer Betroffenen, könne er sich nicht vorstellen. Der Fall des Fabrikarbeiters, über den fünf Frauen ausgesagt haben, werde irgendwann vor Gericht verhandelt. Die Staatsanwaltschaft schätzt die Aussagen der Frauen als sehr glaubwürdig ein.
Der andere Mann aber, der Landwirt mit dem breiten Kreuz und dem fabelhaften Ruf, von dem werde man für immer sagen können, er sei von den Frauen in den Tod getrieben worden. Sämtliche Ermittlungen, erklärt Oberstaatsanwalt Joseph Düsel, wurden eingestellt, nachdem der Mann sich das Leben genommen hatte -so wie es das Rechtssystem vorsieht.
Ob er sich tatsächlich an mindestens zwei Minderjährigen vergangen hat, wird also nie ermittelt werden. Der Freitod und dazu der Abschiedsbrief, sagt der Ehemann einer betroffenen Frau, das sei die schlimmste denkbare Wendung dieser Geschichte - jetzt würden Opfer zu Tätern gemacht. "Hier in Eschenau werden wir nicht mehr glücklich."
Werner Schneider, Bürgermeister von Knetzgau, spricht von einem "fürchterlichen Riss durch Eschenau". Den Ortsteil am Waldrand hat er Besuchern immer als "den Vorzeigeort der Gemeinde" vorgestellt. Hundert Feste richten die Knetzgauer Vereine jedes Jahr aus. Aber in keinem der Ortsteile gibt es ein Fest wie in Eschenau, das die Bewohner selbst organisieren, um den Erlös hernach für notwendige Dorfanschaffungen zu verwenden.
Als man sich zum letzten Mal getroffen hat, um das nächste Fest zu besprechen, sind plötzlich drei Männer aufgestanden. Sie haben gesagt, ihre Verwandten seien misshandelt worden. Das Dorffest wurde abgesagt. "Mir tun die Angehörigen beider Männer furchtbar leid", sagt Heidi Marks, "ich wollte dieses Dorf niemals in Verruf bringen". In spätestens zwei Wochen muss sie zurück in die Staaten, ihr Aufenthalt ist teuer und unvorhersehbar lang geworden. "Aber die vier Frauen", sagt sie, "konnte ich einfach nicht im Stich lassen."
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(SZ vom 31.05.2007)
OB-Kandidatin Nallinger
Die neueste Antwort
...am Schlimmsten sind die (dran), die sich für einen trivialen, dümmlichen Comment 4 (vier!) Monate Zeit nehmen können, anstatt wenigstens etwas (-) zum Bruttosozialprodukt unseres Landes beizusteuern. Aber wer arbeitet schon gerne wochentags früh, wenn er ohnehin alimentiert wird, besser: werden muss...von meinen erheblichen Steuern...?!
man kann von persönlich Betroffenen keine Neutralität oder Objektivität erwarten. Genausowenig kann man von aussen das Verhalten einer Gemeinschaft beurteilen, es läuft immer auf eine Musterzuordung hinaus, die den Individuen nicht gerecht wird.
Deshalb habe ich Verständnis für beide Seiten und gebe kein Urteil ab, weil ich nichts weiß.
Grundsätzlich gehört meine Solidarität den Opfern, nicht den Tätern. Die Opfer haben ein Recht darauf, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Und die Verdächtigten haben ein Recht auf die Unschuldsvermutung.
Diejenigen, die jetzt meinen, "von aussen" Schuldsprüche, Verurteilungen oder Entlastungen von sich geben zu müssen BEVOR überhaupt sicher ist, wann was geschah, sind nicht besser wie die Presse, weil sie sich im Prinzip einen D.r.e.c.k um die Wahrheit scheren. Noch schlimmer sind die, die meinen einen süffisanten oder zynischen Kommentar abgeben zu müssen.
DW
Ich kann Ihre Aufregung nicht so ganz nachvollziehen. Sand1 hat für meine Begriffe recht neutral geschildert, wie die Stimmung im Dorf war und ist. Ich fand den Beitrag gut. Und davon, dass die Opfer schuld sein sollten, habe ich nichts gelesen.
...das war aber nicht nett...'Sand1' hat sich doch überhaupt nicht dezidiert für die eine o. andere 'Seite' festgelegt... Watson! Er hat lediglich versucht... mehr oder weniger sine ira et studio (gut?...:o)) )...eine verständlicherweise natürlich persönlich gefärbte Chronologie der grausamen Tragödie hellenistischer Dimension (s. hierzu: "Nemesis - Der Fluch der bösen Tat, S. 123ff, libri@nigri Press, Dartmoor/Sussex, UK) aufzuzeichnen... Nebenbei: Die Filmrechte liegen bereits bei NH & Friends Inc., Nassau/Bahamas...too late....:o)))
Ach, sind nun die bösen Opfer schuld?
Wurden die armen Täter nicht vor ihnen beschützt?
Wow, sogar ohne Vorwarnung die Verbrechen ans Tageslicht gezerrt? Einfach so die Wahrheit gesagt? Ohoh...
Lieber -wie seit Ewigkeiten- alles vertuschen und den Mund auf ewig halten, damit die armen Täter ihre Ruhe haben und weitermachen können?
Paging