Interview: Katja Auer

Joachim Herrmann zu der Frage, warum er seine Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten nicht zurückzieht und ob er es auf eine Kampfabstimmung ankommen lässt.

Innenminister Joachim Herrmann ist einer von drei verbliebenen Kandidaten im Machtkampf um die Nachfolge von Ministerpräsident Günther Beckstein. Wie Thomas Goppel werden aber auch ihm nur Außenseiter-Chancen eingeräumt.

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Innenminister Joachim Herrmann: "Ich werde, egal in welcher Funktion, alles tun, um Grabenkämpfe zu vermeiden:" (© Foto: ddp)

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SZ: Herr Herrmann, warum ziehen Sie Ihre Bewerbung nicht zurück? Parteifreunde hatten das erwartet.

Joachim Herrmann: Aber offenbar ohne mit mir zu reden. Es gibt viele andere, die mich in der Kandidatur bestärken. Erst am Sonntagabend hat der Vorstand des CSU-Bezirksverbandes Mittelfranken einstimmig beschlossen, mich dabei zu unterstützen. Der Vorstand hält es für richtig, dass Horst Seehofer Parteichef wird und ein anderer Ministerpräsident wird. Die Unterfranken übrigens auch.

SZ: Warum sind Sie für die Ämtertrennung?

Herrmann: Weil wir in schwierigen Zeiten sind und als nächste Herausforderung die Bundestagswahlen anstehen. Seehofer hat vor einer Woche selbst gesagt, der Parteivorsitzende solle nach Berlin. Die Landesgruppe hat ihn mit großer Mehrheit als Spitzenkandidat für 2009 nominiert. Wieso sollte das nach zwei Tagen alles nicht mehr gelten.

Ich weiß, dass es auch Argumente für eine andere Haltung gibt. Wir müssen das sorgfältig ausloten. Es wäre eine gute Aufstellung: Seehofer in Berlin und in München ein neuer Ministerpräsident, der auch mit eigenen Schwerpunkten zusätzliche Wählerpotentiale ansprechen kann. Wir sind mit einer Doppelspitze breiter und stärker insgesamt.

SZ: Dafür sind Sie der richtige Mann?

Herrmann: Ich bringe mehrjährige Erfahrung aus Parlamentsarbeit und Regierungserfahrung mit. Entscheidend ist, dass wir in einer völlig neuen Konstellation, in einer Koalition mit der FDP, starke eigene Schwerpunkte setzen. Wir müssen Lehren aus der Vergangenheit ziehen und Fehler revidieren, die in den vergangenen fünf Jahren gemacht worden sind.

Ich will Bayern zu einem kinder- und familienfreundlichen Land machen, oder unnötige bürokratische Belastung von mittelständischen Betrieben abbauen. Bei der Erbschaftssteuer müssen wir einen harten Kurs fahren und klar machen, dass das, was in Berlin auf dem Tisch liegt, nicht geht.

SZ: Sie gelten als bedächtig. Ist das in diesen Zeiten die richtige Eigenschaft?

Herrmann: Mir fehlt nicht das Temperament, aber ich halte es von Vorteil, bevor Entscheidungen fallen, nochmal richtig nachzudenken. Ich glaube, dass es wichtig ist, je größer die Tragweite einer Entscheidung, desto sorgfältiger müssen wir nachdenken. Beim Rauchverbot wäre es nicht schlecht gewesen, wenn nochmal nachgedacht worden wäre.

SZ: Spaltet der Machtkampf Franken und Altbayern?

Herrmann: Mein Anliegen ist es, die ganze CSU zusammenhalten. Die CSU ist keine Partei der Oberbayern oder der Oberfranken, sondern arbeitet für ganz Bayern. Ich selbst bin in München geboren und lebe heute mit meiner Familie in Erlangen. Eine übertriebene Regionaldebatte geht am Bewusstsein der meisten Menschen vorbei. Alle müssen sich angemessen wiederfinden. Wir müssen auf das Lebensgefühl aller Menschen Rücksicht nehmen.

SZ: Die Fraktion ist trotzdem gespalten, können Sie die Kluft schließen?

Herrmann: Ich werde, egal in welcher Funktion, alles tun, um Grabenkämpfe zu vermeiden. 50 plus X kann die CSU nur erreichen, wenn wir einen starken Zusammenhalt haben. Inhaltlich und regional. Es war die Stärke der CSU, dass sie zunehmend wahrgenommen wurde als Partei, in der kein Landesteil benachteiligt wird. Das soll so bleiben.

SZ: Würde auch in einem Kabinett Herrmann der Regionalproporz eine wichtige Rolle spielen?

Herrmann: Es geht in erster Linie um fachliche Qualifikation, aber auch darum, dass sich alle Regionen wiederfinden. Dass wir den Frauenanteil erhöhen, dass wir aber auch eine zielgerichtete Verjüngung brauchen und junge Nachwuchskräfte ins Kabinett holen.

SZ: Lassen Sie es am Mittwoch auf eine Kampfkandidatur ankommen?

Herrmann: Meine Kandidatur steht, aber wir werden am Dienstag und Mittwoch nochmal gute Gesprächen haben. Wie wir genau verfahren, steht heute noch nicht fest. Aber ich habe nicht vor, meine Kandidatur aufzugeben.

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(SZ vom 07.10.2008)