Bayern im Lonely Planet Ranking So schön wie Transsilvanien

Bayern liegt laut Lonely Planet unter dem Top-Zielen 2016.

(Foto: dpa)

Bayern hat es in die Top Ten der besten Reiseziele der Welt geschafft. Aber leider nicht auf Platz eins. Wie konnte das passieren?

Von Hans Kratzer

Ein Bub namens Torsten hat seinen Urlaub im Freistaat nicht so richtig genießen können, wie einer Satireseite im Internet zu entnehmen ist: "Bayern wäre eigentlich sehr schön", schreibt Torsten, "aber man sieht es kaum, weil überall Berge davorstehen und es verdecken." Für die Touristiker mag es ein Trost sein, dass er wenigstens diverse Häuser "cool" fand, "denn sie sind tätowiert mit einem Hirsch oder einem Baum".

Aber zum Glück gibt es auch Gäste, die voller Ernst von Bayern schwärmen. Ganz verzaubert wirkt zum Beispiel die Redaktion des Lonely Planet-Reiseführers, die den Freistaat in ihrer neuen Ausgabe in die Reihe der sehenswertesten Regionen der Welt platziert hat. Platz 8 beim weltweit führenden Reisebuchverlag, das hat noch keine deutsche Region geschafft.

Wo das Nummer 1 Reiseziel liegt

Aber wäre für Bayern nicht auch Platz 1 drin gewesen? Mit der FIFA hätte der Sieg vielleicht eher geklappt, wird sich jetzt der eine oder andere denken. Nun, die Konkurrenz war natürlich beinhart. Wie hätte Bayern je an Transsilvanien vorbeikommen sollen, jener sagenumwobenen Heimat des Blutsaugers Graf Dracula, die von Lonely Planet zur weltweiten Top-Destination für 2016 gekürt wurde? Die düsteren Burgen und nebelverhangenen Berge in Rumänien haben es dem Reiseführer besonders angetan.

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Natürlich hätten die Juroren auch in Bayern düstere Orte zuhauf gefunden. Sie konzentrierten sich aber lieber auf Neuschwanstein, die Wieskirche, Oberammergau und das Glockenbachviertel in München. Auch das Reinheitsgebot wurde gelobt, aber gegen das Blut vom Dracula kann selbst das süffigste bayerische Bier nichts ausrichten. Erstaunlich ist, dass in Rumänien ähnlich spektakuläre Königsschlösser (Peles und Pelisor) herumstehen wie in Bayern.

Das ist aber noch nicht alles: Der Vater des berüchtigten Vlad Draculea hat einst auch in Nürnberg gehaust. Ob daraus die fränkische Blutwurst resultiert, ist noch kaum erforscht. Überdies wird gemunkelt, im Grabe Draculas liege gar keine Leiche, was auch vom Sarg Ludwigs II. behauptet wird. Nur: Als ihr König tot war, haben die Bayern, anders als die Rumänen, Baumärkte, Maisfelder und Biogasanlagen erfunden. Damit war der Sieg von vornherein verhäckselt.

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