Bayern gegen Fixerstuben "Wir dulden keine offenen Drogenszenen, die den Zugang zu Drogen erleichtern"

2010 starben im Freistaat 262 Menschen an einer Überdosis, lediglich in Nordrhein-Westfalen waren es noch mehr. Während die Zahlen dort wie in den meisten Bundesländern jedoch rückläufig sind, zeigen sie in Bayern aktuell weiter nach oben.

Konsumräume, wo Sozialarbeiter den Notarzt alarmieren und mit Herzmassagen helfen können, gibt es in Bayern nicht. Räume, wo unter Aufsicht und mit sauberen Spritzen konsumiert wird, sind seit dem Jahr 2000 zwar grundsätzlich zulässig, jedes Bundesland hat die Möglichkeit, sie zu erlauben. Sechs Bundesländer - Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland - haben das getan. Bayern jedoch nicht.

Es ist natürlich nur eine Vermutung, wenn Jenny heute sagt: In Bayern, wo es keine Konsumräume gibt, wäre mein Freund sicher an seiner Überdosis gestorben. Sicher beweisen lasse sich ein Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein von Konsumräumen und sinkenden Todeszahlen nicht, sagt Bertram Wehner, der Leiter der Nürnberger Drogenhilfseinrichtung Mudra. Aber es falle doch auf, dass die Zahl der Drogentoten dort zurückgehe, wo Konsumräume eröffnet würden.

Die bayerische Landesregierung ist da skeptisch: Fixerstuben würden Drogendealer anlocken, das Problem also eher noch verschärfen, argumentiert das Innenministerium - und bleibt deshalb hart: "Wir dulden keine offenen Drogenszenen, die den Zugang zu Drogen erleichtern."

Wehner kennt die Bedenken. "Es kann natürlich nicht sein, dass ein 16-Jähriger einfach vorbeikommt und harte Drogen konsumiert", sagt er. Sozialarbeiter, die einen Konsumraum eröffneten, müssten hohe Standards wahren. Aber das würde man in Nürnberg ohne weiteres leisten können.

Wie es geht, hat zum Beispiel Jenny in ihrer Frankfurter Zeit erlebt: Am Eingang der Fixerstube wurde jeder Besucher nach seinem Ausweis gefragt und danach, was er zu konsumieren gedenke. Es gab lange und kurze Nadeln zur Auswahl, Jenny entschied sich immer für kurze, weil sie in die Hände injizierte. Dazu bekam sie einen in Alkohol getränkten Wattebausch zum Desinfizieren. Und im Wartezimmer hingen die Regeln aus: Mit offenen Nadeln nicht durch den Raum gehen. Den eigenen Platz nach Gebrauch desinfizieren.

In München hört man inzwischen, dass sich Heroinabhängige selbst zu Gruppen zusammenschließen, die in festen Räumen konsumieren, wie Rainer Musselmann sagt, der Leiter der Münchner Drogenhilfseinrichtung Concept - "unter gegenseitiger Aufsicht".