Bayerischer Wald Dem Luchs-Wilderer auf der Spur

Der Bayerische Wald ist die einzige Region im Freistaat, in der seit vielen Jahren eine kleine Zahl Luchse lebt.

(Foto: dpa)
  • Der Bayerische Wald ist die einzige Region im Freistaat, in der seit vielen Jahren eine kleine Zahl Luchse lebt. Doch in dem Gebiet kommt es immer wieder Wildereien.
  • Bei der Tötung der beiden Tiere Leonie und Leon 2015 ging der Täter besonders makaber vor. Er trennte den Kadavern der Raubkatzen die Vorderläufe ab und legte sie vor das Wohnhaus zweier Luchs-Experten.
  • Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Regensburg den Mann identifiziert, der die Tiere gewildert haben soll.
Von Christian Sebald

Es sind gruselige Szenen aus dem Bayerischen Wald: Ein Mann hantiert mit einem großkalibrigen Gewehr. Währenddessen berichtet eine Stimme aus dem Off, dass der Mann offen erzählt, er habe hier schon mehrere Luchse erschossen. Die Kadaver habe er vergraben. Dann steckt der Mann einen Schalldämpfer auf sein Gewehr. Das Gerät mache den Schuss fast lautlos. Zum Beweis feuert er die Waffe ab. Wenig später zeigt der Mann eine spezielle Falle. Die Luchse, die er in ihr fange, erschieße er. Ein Luchs habe ihm in dem Käfig die Zähne gezeigt, aber das habe dem Raubtier nichts genutzt.

Die Szenen stammen aus der Dokumentation "Tiere im Visier - Hinterhalt im Luchsrevier" des Bayerischen Fernsehens. Ein Privatermittler hatte mit einer versteckten Kamera an einem Jagdwochenende teilgenommen, an dem sich der Mann, der im Film unkenntlich gemacht ist, offen als Luchs-Wilderer präsentiert. Man kann allenfalls sehen, dass er einen Pullover aus schmutzig-grünem Faserpelz anhat, wie ihn Jäger und Forstleute gerne tragen.

Dass Luche streng geschützt sind, scheint dem Wilderer egal

Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat den Mann identifiziert. Für sie steht er unter dem Verdacht, im Frühjahr 2015 im Bayerischen Wald die beiden Luchse Leonie und Leon gewildert zu haben. Vor eineinhalb Wochen haben Ermittler das Anwesen des Mannes im Lamer Winkel durchsucht. Dabei beschlagnahmten sie Schusswaffen, aber auch andere Gegenstände.

Die Tötung von Leonie und Leon hatte im Frühjahr 2015 immenses Aufsehen erregt. Der Bayerische Wald ist die einzige Region im Freistaat, in der seit vielen Jahren eine kleine Zahl Luchse lebt. Einem oder mehreren Wilderern in der Region passt es offenkundig nicht, dass die Raubkatzen durch die dunklen Wälder zwischen Osser und Arber, aber auch im Nationalpark umherstreifen. Seit Jahren werden immer wieder welche gewildert. Noch mehr Luchse verschwinden spurlos. So zahlreich sind die Verluste, dass die Region um den Arber "Bermudadreieck für Luchse" heißt. Dass Luchse streng geschützt und Luchs-Tötungen Straftaten sind, ist dem oder den Wilderern offenkundig egal.

Bei Leonie und Leon ging der Täter besonders makaber vor. Er trennte den Kadavern der Raubkatzen die Vorderläufe ab und legte sie nahe dem Wohnhaus von Manfred und Sibylle Wölfl ab, so dass sie dort gefunden werden mussten. Das Ehepaar Wölfl zählt zu den namhaftesten Luchs-Experten in Bayern, es setzt sich seit Jahren für die Wiederansiedlung der Raubkatzen im Freistaat ein. Viele fassten die Tötung von Leonie und Leon deshalb als offene Kampfansage gegen die Wölfls und die Rückkehr der Luchse nach Bayern auf. So groß war die Empörung in der Naturschutz-Szene, dass Umweltministerin Ulrike Scharf 10 000 Euro Belohnung für Hinweise auf den Täter aussetzte.

Bermudadreieck für Luchse

Luchse sind im Bayerischen Wald wieder heimisch geworden - doch das gefällt offenbar nicht jedem. Unbekannte haben jetzt vier abgehackte Beine der geschützten Raubkatzen im Wald ausgelegt. Es ist nicht der erste Fall von Wilderei in der Gegend rund um den Arber. Von Christian Sebald mehr ...

Offiziell ist über den Verdächtigen bisher wenig bekannt. Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat nur bestätigt, dass er mit seiner Familie in einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Lohberg lebt und Jäger ist. "Die Ermittlungen gestalten sich schwierig", sagt der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft, Theo Ziegler. "Ein Grund dafür ist, dass der Verdächtige bisher keinerlei Angaben zu den Vorwürfen macht." Die Auswertung der Schusswaffen und anderen Gegenstände aus seinem Haus werde sicher noch einige Wochen in Anspruch nehmen.