Die Landtagsabgeordneten in Bayern müssen ihre Nebeneinkünfte zunächst wohl nicht offen legen - die Mehrheit der CSUler will die Zahlen lieber für sich behalten. Es gibt aber noch Diskussionsbedarf.
Bayerns Landtagsabgeordnete müssen zumindest in nächster Zukunft ihre Nebeneinkünfte nicht offen legen. Die CSU- Mehrheit steht einer Veröffentlichung des Einkommens skeptisch gegenüber.
Ein Trachtler verfolgt von der Besuchertribüne aus eine Sitzung des Bayerischen Landtages - die Höhe der Nebeneinkünfte der Abgeordneten bleibt vorerst ein Geheimnis. (© Foto: dpa)
Anzeige
Im Landtag gebe es eine klare Regelung, dass jeder Abgeordnete sowohl bezahlte als auch ehrenamtliche Nebentätigkeiten angeben müsse, sagte CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann am Freitag auf Anfrage. Dies sei entscheidend für die Transparenz und auch für jeden Bürger im Internet auf den Webseiten des Landtags nachlesbar.
Die Höhe der konkreten Bezüge erscheine ihm "eher zweitrangig". Bei SPD und Grünen gehen die Meinungen zu dem Thema auseinander. Auch die CSU will das Thema sorgfältig prüfen.
Das Bundesverfassungsgericht hatte am Mittwoch geurteilt, dass eine Veröffentlichung der Nebeneinkünfte der Berliner Bundestagsabgeordneten rechtens ist. In Bayern müssen die Abgeordneten ihre Einkünfte bei Landtagspräsident Alois Glück (CSU) melden, der diese jedoch nicht veröffentlicht.
Nicht "bis aufs Hemd ausziehen"
Landtags- Vizepräsident Peter Paul Gantzer (SPD) plädierte für eine Orientierung am Bundestag, der die ungefähre Höhe der Nebeneinkünfte in einem Drei-Stufen-System veröffentlicht - zwischen 1000 und 3500 Euro (Stufe 1), zwischen 3500 und 7000 Euro (Stufe 2) und mehr als 7000 Euro (Stufe 3).
"Wir müssen das auch im Landtag noch einmal diskutieren. Ich tendiere dazu, zunächst das System Bundestag anzuwenden", sagte Gantzer. SPD-Rechtsexperte Franz Schindler hatte sich in der Bayerischen Staatszeitung gegen eine Veröffentlichung ausgesprochen.
Er halte es für "nicht sinnvoll, wenn sich Abgeordnete bis aufs Hemd ausziehen müssen", sagte Schindler der Zeitung. Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause forderte eine Neuregelung in Bayern. "Es kommt nicht auf 50 Euro an, aber die Bürger sollten wissen, ob jemand von einem Lobby-Verband Geld bekommt."
Man könne von keinem Abgeordneten verlangen, seinen Beruf aufzugeben, sagte Bause. "Aber es muss klar sein, was der Haupt- und was der Nebenjob ist." Nach Vorstellung Bauses sollte das Landtagspräsidium einen Bericht zu den Nebeneinkünften erstellen, der dann auch veröffentlicht wird.
Grünen-Rechtsexpertin Christine Stahl meldete in der Staatszeitung Bedenken gegen zu detaillierte Angaben an: "Ich hielte es für problematisch, wenn Ärzte oder Patienten Namen von Patienten oder Mandanten offen legen müssen", sagte Stahl dem Blatt.
Genaue Zahlen "nicht so dringlich"
CSU-Fraktionschef Herrmann sagte: "Entscheidend für die Bürger ist, ob jemand in einer bestimmten Funktion oder in einem bestimmten Verband tätig ist. Die Frage, wie viel der Abgeordnete von seinem Verband bezahlt bekommt, ist meiner Ansicht nach nicht so dringlich."
Als Beispiele nannte Herrmann Handwerkspräsident Heinrich Traublinger, der für die CSU im Landtag sitzt, und den bayerischen DGB-Vorsitzenden Fritz Schösser, der für die SPD im Landtag und später bis 2005 im Bundestag saß.
Das Bundesverfassungsgericht habe geurteilt, dass die Veröffentlichung der Nebeneinkünfte nicht verfassungswidrig sei, sagte Herrmann. "Das bedeutet jedoch nicht, dass man das so machen muss." Landtags-Vizepräsident Gantzer (SPD) sagte: "Meiner Ansicht nach, dient es der Unabhängigkeit, wenn ich alles transparent mache."
Er halte es für sinnvoll, zumindest die ungefähre Höhe der Nebeneinkünfte anzugeben. In den europäischen Nachbarländern gebe es zum Teil sehr scharfe Regeln, sagte Gantzer. "In den Niederlanden müssen die Abgeordneten alles auf Heller und Pfennig angeben." Grünen-Fraktionschefin Bause sagte dazu: "Wir sind offen für die Diskussion, ob es eine Stufenregelung gibt oder eine Regelung auf Heller und Pfennig."
(dpa)
Vor dem ESC-Finale in Aserbaidschan
Die neueste Antwort
Einerseits wollen Politiker ihre Nebeneinkünfte mit allen Mitteln vor dem Zugriff des dt. Michels schützen,
andererseits will man seitens CDU / CSU Online Durchsuchungen veranlassen.
Ersteres verläuft wahrscheinlich im Sand, letzteres wird mehr oder weniger heimlich durchgeführt.
Es gab schon weitaus geringere Gründe, um auf die Straße zu gehen...
.... der CSU solche Mehrheiten beschert werden, wird sich der 40-jährige Filz- und Korruptionssumpf nicht auflösen. Der bayerische Bürger scheint das auch zu mögen, denn die Zeitungen sind seit Jahren voll von Skandalen und Filzberichten und das Wahlvolk wählt unverdrossen weiter mit Mehrheit die CSU.
Warum sollten sich also die Politiker freiwillig in die Karten schauen lassen wenn sie keiner zwingen kann ?
wenn die Offenlegung von Abgeordnetenbezügen einmal mehr den Filz zwischen
Politik und Wirtschaft in Bayern, wie er dort die letzten 40 Jahre wuchern durfte,
zu Tage befördert.
Das sieht so mancher Hartz-4 Antragsteller aber anders. Auch bei meiner Steuererklärung muss ich jeden Cent angeben und kann nicht in 3 Verdienstgruppen mein Einkommen schätzen lassen. Warum sollte jetzt nicht endlich mal der Steuerzahler die Hosen der Abgeordneten runterziehen um zu sehen welche Honorare welcher Industriezweig oder Verband den so ehrlichen und immer dem Wohl des Volkes bedachten Vertretern zugesteckt hat. Davor hat doch diese Sippe Angst. Ganz davon abgesehen dachte ich immer Politiker sei ein Vollzeitberuf..Anscheinend haben sie aber noch genug Energie bei anderen Organisationen ihre Hände aufzuhalten.
Es scheint wichtiger zu sein zu erklären woher die Nebeneinkünfte stammen, als ihre Höhe zu deklarieren, da es entscheidend ist ob die 10000 Euro von der Tabakindustrie, respektive Pharmalobby stammen oder aus irgendwelchen, für die politische Meinungsbildung belanglosen Handelsgeschäften. Dann wird nämlich rasch klar, weshalb manches Gesetz auf der Strecke geblieben ist.