Bayerischer Filmpreis "Der Preis ist steuerfrei, oder?"

Der Ehrenpreis geht an die Regisseurin Margarethe von Trotta.

(Foto: dpa)

Nachwuchsdarsteller, Routiniers und eine "Filmemacherin von Weltruf": Der Bayerische Filmpreis versetzt alle in Wallung, nicht nur Preisträger wie Margarethe von Trotta, Tom Schilling oder Barbara Sukowa.

Von Philipp Crone

Wenn die Fassade des Prinzregententheaters in blau erstrahlt und sich wie jedes Jahr der Verkehr bis zum Friedensengel staut, dann ist es wieder Zeit für sehr viel Hoffnung im großen Saal und eine dadurch bedingte angenehm feierliche Anspannung. Hunderte Gäste und Teilnehmer bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises haben dabei ganz unterschiedliche Erwartungen und Wünsche.

Zunächst sind da die Fotografen, die zum Teil Stunden, bevor die ersten Gäste den halbrund geschwungenen Aufgang hochschreiten, schon ihr Revier markiert haben und in der Kälte warten. Sie hoffen darauf, keinen wichtigen Gast zu verpassen und vielleicht das ein oder andere einmalige Motiv zu ergattern. Doch dafür ist es zu kalt. Eine Radioreporterin haucht in ihr Mikro: "Die Gäste huschen vorbei." Zum Beispiel Produzent Günter Rohrbach, der mit tief ins Gesicht gezogener Kappe ins Theater eilt. Nur Miroslav Nemec nimmt sich Zeit. "Worauf ich mich freue? Dass ich meine Freundin Barbara Sukowa mal wieder sehe." Darum geht es ja auch an so einem Abend. Die Preisträger feiern, am besten selber einer von ihnen sein, und die alten Freund- und Bekanntschaften wieder pflegen.

Einige haben die Hoffnung, einen der 15 Preise zu ergattern - oder zumindest einen kurzweiligen Abend zu erleben. Dazu gehört natürlich auch der Wunsch, dass Horst Seehofers Redenschreiber einen guten Tag erwischt hat, als er die Laudatio auf Ehrenpreisträgerin Margarethe von Trotta verfasste - gerade auch deshalb, weil Seehofer am Abend von dem für seine mäßig mitreißenden Reden bekannten Wirtschaftsminister Martin Zeil vertreten wird.

Doch dass Seehofer fehlt, ist zunächst nicht weiter schlimm, die Stimmung der Preisträger auf der Bühne ist ausgelassen. Sabin Tambrea wird für seine Rolle als Ludwig mit dem Preis für den besten Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet und bricht eine königliche Lanze für die Kultur. "Kunst ist ein Grundbedürfnis der Menschen!" Und dann, an den Wirtschaftsminister gewandt: "Der Preis ist steuerfrei, oder?"

Barbara Sukowa wird als beste Darstellerin für ihre Rolle in Margarethe von Trottas gerade angelaufenem Film "Hannah Arendt" ausgezeichnet und dankt gerührt der Regisseurin, die sie "auf eine abenteuerliche Reise in ein anderes Leben" mitgenommen habe. Tom Schilling als bester Darsteller in "Oh Boy!" erinnert sich an seinen ersten Preis vor zwölf Jahren, "da sah ich auch nicht viel älter aus als jetzt", doch mittlerweile ist er routiniert und reckt den Porzellan-Pierrot einmal kraftvoll den Zuschauern entgegen.

Der Ehrenpreis ist traditionell der Höhepunkt des Abends. Die Preisträgerin sitzt neben Zeil und rutscht schon aufgeregt auf ihrem Stuhl herum. Margarethe von Trotta, Regisseurin von Filmen wie "Das zweite Erwachen der Christa Klages", "Rosa Luxemburg", oder "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen". Zeil sagt: "Sie sind zu einer Ikone des Films geworden. Sie sind eine Filmemacherin von Weltruf. " Die Regisseurin habe Mut bewiesen und mit ihren Werken Lehrstücke für die Nachwelt geschaffen. Dafür wird sie mit dem Ehren-Pierrot aus Porzellan geehrt. Die Geehrte hört mit glänzenden Augen zu und genießt die stehenden Ovationen. Dann geht sie energisch ans Mikrofon und stellt fest, dass sie die erste Regisseurin ist, die diesen Preis bekommt. "Ich hoffe, dass ich die erste von vielen bin." Dank geht an die Stadt, für die Berlinerin "meine Heimat". Ihr Sohn wurde hier geboren und ihren ersten Film hat sie hier gedreht.

Ob Zeils Rede wieder ein wenig steif war oder sich Moderator Christoph Süß wie so oft in halbwitzigen Einlagen gefallen hat, das Urteil des Publikums fällt prompt: Beim anschließenden Empfang. Man lästert fröhlich über die misslungenen Momente und erinnert sich gegenseitig an die bewegenden wie die Danksagung der Ehrenpreisträgerin.