Bürgermeisterin im Musikvideo Sirene vom Arber

Auffallen um jeden Preis: Josefa Schmid, Bürgermeisterin von Kollnburg, hat am Fuße des Großen Arbers ein denkwürdiges Musikvideo gedreht. Mit glockenheller Stimme, viel Bayerischem Wald und einer Prise Erotik.

Von Wolfgang Wittl, Kollnburg

Mit Kugelschreibern oder Feuerzeugen holt man heutzutage keinen Wähler mehr aus dem Schmollwinkel hervor. Und Plakate liefern nur dann Gesprächsstoff, wenn der Kandidat im Gegensatz zum Ist-Zustand plötzlichen Haarwuchs oder rapiden Faltenschwund aufweist. Wie also auffallen um jeden Preis? Josefa Schmid hatte auf diesem Fachgebiet bereits einiges vorzuweisen, doch nun ist der Bürgermeisterin aus Kollnburg (Landkreis Regen) buchstäblich ein Wahlkampfschlager geglückt.

Am Mittwoch hat Schmid auf youtube ein Video platziert, das nach nur einem Tag schon mehrere tausend Zugriffe zu verzeichnen hatte. "Sehr erstaunt" sei sie über diese große Aufmerksamkeit, beteuert die 39-Jährige, zumal sie ihren Beitrag "ganz bewusst nicht mit dem Wahlkampf verquickt" habe. Weil das wäre dann ja wohl doch "zu plump". Dass ihr die Idee jedoch ausgerechnet kurz vor der Wahl gekommen ist? "Glücklicher Zufall."

Die Worte Wahl, Politik, Stimme, FDP oder Landtag sucht man in Schmids Auftritt in der Tat vergebens, wie auch sonst irgendeinen Anflug von eigener Textidee. Mit glockenheller Stimme intoniert sie Rainhard Fendrichs "Weu'sd a Herz hast wie a Bergwerk" - wortgetreu von der ersten bis zur letzten Silbe. Die Stärken dieses Stücks liegen eindeutig im künstlerischen Arrangement. Antriebsfeder sei die Liebe zu ihrer Heimat gewesen, dem Bayerischen Wald. Mehr Bayerischer Wald geht in einem Video denn auch nicht.

Im weiß-blauen Dirndl schlendert Josefa Schmid den Arbersee entlang, ein Lebkuchenherz mit weiß-blauen Rauten entzückt mit der Aufschrift "Aus Liebe zur Heimat", das historische Bergwerk von Bodenmais taucht ebenso auf wie der Arber, der König des Bayerischen Waldes, Schmids blonde Haare wirbeln dazu im warmen Sommerwind - und dann ist da noch diese Frau zu sehen, die mit rot lackierten Nägeln und knappem Bikini im Wasser planscht. Denn: "Eine Prise Erotik gehört dazu, wie im richtigen Leben."

"So foisch singa"

Männliche Wählerträume bleiben indes unerfüllt. Bei der Frau handelt es sich nicht um Schmid, sondern um ein Körperdouble. Schmid hat ihre Lehren gezogen, seit sie vor Jahren freizügig für ein Hochglanzmagazin posierte. Das war der erste Aufreger. Mittlerweile gehe sie nicht einmal mehr im Bikini ins Schwimmbad. Später kandidierte sie als CSU-Mitglied gegen ihre Partei erst in Kollnburg, dann ums Regener Landratsamt. Als die CSU sie dafür maßregelte, wechselte Schmid zur FDP. Für die will sie nun in den Landtag einziehen, das Lied soll dabei helfen.

"I wünsch vui Freid und des Gfui und des Gspür für unser wunderschöne Hoamat", sagt Schmid im Vorspann. Freude am Lied empfinden manche Betrachter allerdings selten, offenbar vermissen sie das Gefühl und Gespür der Interpretin. "Ouweia", schreiben Zuhörer, oder "so foisch singa" und "peinlich", obwohl die bekennende Musikerin Schmid bereits Dutzende Auftritte hinter sich hat und mehrere Instrumente spielt. Dass sie zunächst in der ersten und später zweiten Stimme singt, sei gewollt - und passt nicht zuletzt zu ihrer Rolle als Direkt- wie auch Listenkandidatin. In ihrem Stimmkreis sei sie jedenfalls in aller Munde.

Zum Vergleich: Josef Heisl, ein CSU-Bezirkstagskandidat aus Passau, bringt es mit seinem Rap-Song auf deutlich weniger Clicks, dabei wurde der Text eigens auf ihn zugeschnitten. Der Refrain lautet: Hey, ho, Heisl Joe.