Buchautor Schlötterer Justiz gegen Strauß-Kritiker

Verdacht auf Verleumdung: Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den Strauß-Kritiker Schlötterer. Anlass ist die Strafanzeige der Kinder des CSU-Patriarchen.

Macht und Missbrauch - so heißt das Buch, das der frühere bayerische Finanzbeamte Wilhelm Schlötterer verfasst hat. Im Juli 2009 kam das Werk über den weiß-blauen Säulenheiligen Franz Josef Strauß auf den Markt - und nach wie vor verkauft es sich. In großen Münchner Buchkaufhäusern liegt es für alle Kunden gut sichtbar aus.

Bereits im Juli 2009 hatten die drei Kinder des früheren Ministerpräsidenten Strauß angekündigt, sie würden rechtliche Schritte einleiten. Die Vorwürfe gegen Schlötterer: Verleumdung, Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und die Verletzung des Steuergeheimnisses.

Denn ein Kernpunkt des Werks ist die Behauptung, Strauß habe illegal ein Millionenvermögen erwirtschaftet. Außerdem erhebt Schlötterer in Macht und Missbrauch den Vorwurf, dass Strauß-Spezln in den siebziger und achtziger Jahren Millionensummen an Steuern hinterziehen konnten und dabei politisch gedeckt wurden

Nun geht der Streit in die nächste Runde: Die Staatsanwaltschaft München I hat ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Ministerialrat Schlötterer eingeleitet. Anlass sind die Autorenlesungen, bei denen Schlötterer sein Buch vorgestellt hat und öffentlich vermutet hat, der 1988 gestorbene CSU-Patriarch habe sein Vermögen illegal erworben.

Das Verfahren sei nach Prüfung der Strafanzeige der drei Strauß-Kinder eingeleitet worden, sagt Behördensprecherin Barbara Stockinger. "Es ist jetzt ein Ermittlungsverfahren." Einzelheiten nannte sie nicht. Die Einleitung eines formellen Ermittlungsverfahrens zeigt aber, dass die Ermittler offenbar von einem begründeten Verleumdungsverdacht ausgehen.

Der mittlerweile pensionierte Finanzbeamte Schlötterer selbst ist derzeit in Urlaub und wusste noch gar nichts von dem Verfahren: "Ich habe davon noch nichts gehört", sagt er.

Schlötterer: "Fakten an Fakten gereiht"

Die Vorwürfe weist er zurück: "Das Buch ist vor der Veröffentlichung sorgfältig von Juristen geprüft worden. Ich habe nur Fakten an Fakten gereiht und keine Wertung vorgenommen."

Die Strauß-Kinder ihrerseits wollen nach der Strafanzeige auch noch eine Zivilklage einreichen. "Wir werden mit aller Härte juristisch gegen Schlötterer vorgehen", sagt Franz Georg Strauß, der jünger der beiden Politiker-Söhne.

Neun Monate lang haben die Strauß-Kinder für die Strafanzeige recherchiert. Diese liegt seit April der Münchner Staatsanwaltschaft vor. "Schlötterer erweckt beim Zuhörer Vertrauen in die Korrektheit der angeblichen Sachinformation durch die Bezugnahme auf seine CSU-Mitgliedschaft, seinen Status als korrekter Staatsbeamter und die Seriosität der angeblichen Quelle", schreiben die Strauß-Kinder darin.

Vor allem diese Vorwürfe stören sie: FJS habe illegal ein Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe angehäuft und nicht versteuert, nach seinem Tod hätten auch die Kinder das Erbe nicht versteuert, der frühere CSU-Chef und Ministerpräsident habe Provisionen von Waffenhändlern bekommen und auf Schweizer Konten große Geldmengen gehortet. Alles falsch, schreiben die Strauß-Kinder. Und da Schlötterer keine Quellen benenne, handle es sich mindestens um üble Nachrede, wenn nicht gar um Verleumdung, was voraussetzen würde, dass er wider besseres Wissen falsche Behauptungen aufstellt.

Und um zu belegen, dass es Schlötterer nur darum gehe, das Ansehen der Familie öffentlich "herabzuwürdigen" und nebenbei viel Geld mit seinem Buch zu machen, zitieren sie eine ganze Reihe von kritischen Zeitungs- und Internetkommentaren zu seinen Auftritten.

Allerdings wollen die Strauß-Kinder jeden Anschein eines politischen Verfahrens vermeiden: "Wir erheben keinerlei Forderungen an die Politik oder an die Justiz. Wir wollen nur, dass alles nach Recht und Gesetz seinen Gang geht."

Franz Georg Strauß bezieht sich bei seinen Vorwürfen auf die Lesungen Schlötterers, bei denen der Ex-Beamte immer neue Vorwürfe vorbringe. So habe Schlötterer unter Berufung auf angebliche Äußerungen von Altkanzler Helmut Kohl (CDU) behauptet, Strauß habe in seinen letzten Lebensjahren "nur noch Waffengeschäfte getätigt". Auf Anfrage der Strauß-Kinder habe Kohl aber dieser Darstellung entschieden widersprochen, erklärt Franz Georg Strauß.

Dem Verkauf des Schlötterer-Schinkens werden die jüngsten Manöver vermutlich sehr helfen.