Autofahrer in Kaufbeuren Vorsicht, wenn sie Gas geben!

Die Bewohner in Kaufbeuren im Allgäu gelten als besonders schlechte Autofahrer. Nun greift der Oberbürgermeister durch, um das Unfallrisiko zu reduzieren. Der grüne Pfeil kommt weg, Ampeln bleiben die ganze Nacht lang angeschaltet.

Von Stephanie Kundinger

In Kaufbeuren scheint auf den ersten Blick die Welt noch in Ordnung zu sein. In der idyllischen Stadt im Allgäu liegt die Scheidungsquote weit unter dem bayernweiten Durchschnitt, sie ist sogar rückläufig. Auch in Sachen Nachwuchs lassen sich die Kaufbeurer nichts nachsagen: Mit 7,9 Geburten pro Tausend Einwohner spielen sie im Mittelfeld. Und selbst den Tieren scheint es gut zu gehen: Statistisch gesehen grasen auf 100 Hektar Wiese 159 glückliche Rinder, das ist vergleichsweise viel Platz.

Doch über der Stadt liegt offenbar ein Fluch. Medien aus ganz Deutschland berichten von Autofahrern, die Schweißausbrüche bekommen, sobald sie das gelbe Ortsschild passieren. Ja, es soll Menschen geben, die in Panik ausbrechen, wenn sie ein Fahrzeug mit Kennzeichen "KF" sehen. Und in Fernsehbeiträgen über die kreisfreie Stadt läuft selbst bei öffentlich-rechtlichen Sendern im Hintergrund die Filmmelodie "Spiel mir das Lied vom Tod".

Seit acht Jahren geht das so. Seither sind die Kaufbeurer in einer Statistik der Deutschen Versicherungswirtschaft Spitzenreiter - im negativen Sinn. Denn Autofahrer mit dem Kennzeichen "KF" bauen viele und teure Unfälle, bei den Versicherern liegen sie in der Regionalstatistik auf Platz eins, was die Prämie für die Auto-Haftpflichtversicherung in die Höhe treibt.

Oberbürgermeister Stefan Bosse will die ständigen Negativschlagzeilen endlich eindämmen und zumindest das Unfallrisiko innerhalb der City reduzieren. Der Stadtrat hat jüngst Sofortmaßnahmen beschlossen.

An fünf großen Kreuzungen werden die Ampeln nun rund um die Uhr in Betrieb bleiben. Bislang wurden sie mitternachts ausgeschaltet, was in der Dunkelheit zu Unfällen geführt hat, zum Teil auch weil sich alkoholisierte Autofahrer ohne Lichtzeichen nicht mehr auskannten.

Außerdem wird der grüne Pfeil in der Stadt verschwinden: Eine Erfindung aus dem Osten, wie Bosse sagt, mit der die Wessis nicht so richtig umgehen könnten. Weitere Maßnahmen sind geplant, eine Million Euro lässt sich die Stadt das kosten. Autofahrer können also aufatmen: Selbst der berühmte Coca-Cola-Truck, der weihnachtlich dekorierte Lastwagen, traut sich im Advent die Einreise in das vermeintliche Gefahrengebiet zu.