Die wirtschaftliche Sogwirkung des Flughafens ist in ganz Südostbayern zu spüren. Doch immer neue Umgehungsstraßen verlagern die Belastungen oft nur, statt sie zu beseitigen. Er kenne keine andere Region in ganz Deutschland, die in einem ähnlichen Ausmaß von Verkehrsprojekten bedroht sei, sagt der Grünen-Politiker Magerl. Staatsregierung und Flughafengesellschaft hoffen nun auf den Transrapid, der die Anbindung an den Münchner Hauptbahnhof verbessern soll. In der Region jedoch ist die Magnetbahn ungefähr so beliebt wie die dritte Startbahn. "Die glauben in München, dass sie was beschließen, und wir hier draußen vertreten den Blödsinn", sagt Berglerns Bürgermeister Knur. Diese Zeiten seien in Bayern aber vorbei. Bei der Landtagswahl im Herbst, da werde sich ja zeigen, wie die CSU abschneide. Es klingt so, als ob Knur nichts Gutes erwarte.
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Ein Westwind-Tag in Eitting. Über dem Dorfrand fliegt eine Boeing 767 der Air Canada aus Toronto ein. Sechs Kilometer sind es von hier noch bis zur nördlichen Landebahn. Für Bürgermeister Matthias Kammerbauer ist es ein guter Tag. Fallen Ostwind und Rushhour zusammen, dann schickt er dagegen schon mal ein Stoßgebet zum Himmel: "Petrus, lass es wieder von Westen wehen." Denn bei Ostwind drehen die startenden Flugzeuge genau über dem Dorf nach Süden oder Norden, obwohl sie das eigentlich nicht sollten. Bei Westwind ist es zwar ruhiger, dafür aber ist dann das Wetter meistens schlecht. "Den Garten", sagt Kammerbauer, "den kannst du vergessen."
Drinnen in der Gemeindekanzlei ist vom Lärm nichts zu hören. Kammerbauer residiert hinter Fenstern der Lärmschutzklasse 4, die Frischluft strömt aus Schlitzen in der Holzdecke. Auch das benachbarte Schulhaus wurde auf diese Weise ausgestattet. "Wir werden komplett beschallt", sagt er. Kammerbauer ist seit 1972 im Gemeinderat, und seitdem beschäftigt er sich mit dem Flughafen. Er weiß, welche Kurvenradien ein vollbetankter Jumbobjet fliegen kann und wie Lärmwerte berechnet werden. Im Sitzungssaal der Gemeinde stehen die 47 Ordner mit den Unterlagen zur Planfeststellung. Kammerbauer ist ein Realist: Das Genehmigungsverfahren werde sehr wahrscheinlich zugunsten der Flughafengesellschaft ausgehen, befürchtet er: "Die Gerichte beugen sich eher dem Argument der Wirtschaftlichkeit. Umweltaspekte spielen da eher eine untergeordnete Rolle."
Hoffen auf höhere Ölpreise
Dennoch sieht er eine Chance, wie die dritte Startbahn doch noch verhindert werden könnte: Wenn es gelänge, den Baubeginn um ein paar Jahre zu verzögern, dann werde das Projekt wegen steigender Kerosinpreise womöglich überflüssig. So lautet das Kalkül aller Flughafengegner - von Biobauer Josef Braun bis hin zu Michael Schwaiger, dem Landratskandidaten der Freien Wähler: Er rechnet vor, dass vor 2015 kein Flugzeug auf der neuen Bahn landen werde, weil man gegen die Planfeststellung auf alle Fälle klagen wolle. Mit Gerichtsverfahren haben die Gemeinden jahrzehntelange Erfahrung, auch wenn sie am Ende meistens verloren haben. Doch diesmal zählt nicht der Sieg, sondern nur die Zeit.
Die Flughafengesellschaft hält die Hoffnung ihrer Widersacher für naiv. Kerkloh ist sich sicher, dass der Flugverkehr selbst bei weiter steigenden Ölpreisen zunehmen werde. Zwar räumt die FMG ein, dass Passagierprognosen für das Jahr 2020 auf Basis der vergleichsweise niedrigen Kerosinpreise von 2005 erstellt worden seien. Doch Berechnungen hätten ergeben, dass selbst wesentlich höhere Preise die Entwicklung allenfalls um ein oder zwei Jahre verzögern würden. In diesem Jahr wächst das Passagieraufkommen Kerkloh zufolge um fünf Prozent - trotz "sehr, sehr kritischer Ölpreise". Mit den Planungen für die dritte Startbahn liege die FMG voll im Zeitplan. "Klagen haben wir erwartet", sagt er. Doch so ganz sicher, wie Kerkloh es nach außen vorgibt, ist sich die Flughafengesellschaft offenbar nicht: Es heißt, dass man intern sehr wohl darüber diskutiert habe, wozu man eine 4000 Meter lange Startbahn eigentlich brauche und wie man das den Gerichten erklären solle. Wo doch im Grunde auch 2500 Meter völlig ausreichend seien.
Landratskandidat Christian Magerl ist im Hauptberuf Vogelforscher. Als solcher arbeite er überwiegend mit dem Ohr, sagt er. Deshalb kann er sich noch gut erinnern, wie es damals geklungen hat, Anfang der siebziger Jahre. Als er in den frühen Morgenstunden von Freising ins menschenleere Erdinger Moos fuhr: "Du hast kein einziges technisches Geräusch gehört. Nur die Vögel haben gesungen." Jetzt gebe es in der Region keine einzige ruhige Minute mehr. Gerade die älteren Menschen empfänden die Veränderungen als Schmerz. Dafür aber gibt es im Erdinger Moos nun einen der größten Arbeitgeber Deutschlands. Und eine Stichwahl zwischen zwei Gegnern des Flughafenausbaus, die Landrat werden wollen. FMG-Chef Kerkloh sagt, weil er am Sonntag unterwegs sei, habe er bereits eine Briefwahl gemacht. Für wen er gestimmt hat, das verrät er nicht.
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- Flughafen-Erweiterung 41.000 Bürger erheben Einwand gegen dritte Startbahn 21.11.2006
- Flughafen-Ausbau "Kein Baubeginn vor 2010" 09.10.2006
- Michael Kerkloh ,,Wir wollen bis 2010 der attraktivste Drehkreuz-Flughafen sein'' 09.10.2006
- Streik am Flughafen Füße hoch im Terminal 05.03.2008
(SZ vom 14.03.2008)
Probleme beim Berliner Flughafen lange bekannt
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Danke für den "seriösen" Kommentar! ;-)
Die Freisinger wollten vielleicht beweisen, dass nicht nur ein paar "Krakeler" (zitat Erwin Huber) gegen den Ausbau sind. Im übrigen ist nur allzu offensichtlich, wer Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren gnadenlos vorantreibt: unsere "geliebte" Bayerische Staatspartei.
Einen solch unverfrorenen Artikel hätte ich in einer seriösen Zeitung nicht erwartet. Aber typisch linke Postille.
Ich möchte hier mitteilen, dass auch die SPD für den Flughafenausbau , auch der 3 . Bahn
positiv gestimmt hat. Eben auch ein Herr Ude, der im Aufsichtsrat sitzt ! Eine Frechheit, das jetzt nur der CSU anzulasten.
Der Widerstand gegen den Flughafenausbau ist bestimmt nicht umsonst, weil der Faktor 'Zeit' eher auf Seiten der Anwohner ist. Der aktuelle Trend beim Klimawandel, der Altersarmut und dem Erdölpreis sollte den Airlines zu denken geben (und nicht nur denen). Technischen Fortschritt gibt es nicht nur bei den Flugzeugherstellern: Videokonferenzen und Hochgeschwindigkeitszüge werden bald eine wirkliche Konkurrenz für die Airlines sein. Auch der Gesundheitsschutz wird von den Gerichten immer höher bewertet (siehe Feinstaub).
Der Flughafen München soll laut Gesellschaftervertrag den Verkehrsinteressen Münchens bzw. Bayerns dienen, wofür 2 Bahnen in alle Ewigkeit reichen. Der Knackpunkt ist der Ausbau zum Drehkreuz mit entsprechendem Umsteigeverkehr, weil Umsteiger der Region vergleichsweise wenig bringen (sie verlassen den Flughafen nicht), die Anwohner aber doppelt schädigen (sie sind an 2 Flugbewegungen beteiligt). Der Flughafenausbau schafft natürlich auch Arbeitsplätze - allerdings teure Arbeitsplätze, wenn man die immensen externen Kosten zu Lasten Dritter einrechnet.
Ich wünsche dem Herrn Dr. Magerl ganz viel Glück für die Wahl! Wer Freising kennt, der sollte Magerl kennen, den er ist ein Freisinger Urgestein und "nah am Volk". Auch wenn beide Landratskandidaten gegen den Ausbau des Flughafens sind udn sicherlich beide einen guten Landrat abgäben. Mit dem ersten grünen Landrat würde der CSU endlich einmal die Richtung gewiesen.
Ich finde es äußerst schade, daß immer zwei Argumente pro 3. Startbahn angebracht werden:
- Nutzen der Bürger durch mehr Arbeitsplätze
- "jeder will doch in den Urlaub fliegen"
Ersteres wurde schon von eine paar anderen Kommentatoren entkräftigt.
Zweiteres ist auch kein Argument für eine 3. Startbahn. Der Flughafen steht ja schon da. Fliegen konnten die Freisinger und Co. auch schon mit zwei Bahnen von ihrer Haustür in die weite Welt.
Der Punkt ist doch, daß irgendwo einmal Schluß sein muß. Wirtschaft hin oder her. Wo ist sie nicht die alleinige Gewinnerin. Irgendwann wird es auch keinen Spaß mehr machen irgendwo wo zu wohnen.
Im Artikel wurde angemerkt, daß die Prgnosen für den künftigen Flugverkehr auf Basis der heutigen Kerosinpresie berechnet wurden. Daß die Rohstoffe immer knapp werden das sollte eigentlich auch bis zum letzten Hinterwäldler durchgedrungen sein. Es wäre endlich an der Zeit Flugbezin zu besteuern. Es kann doch nicht angehen, daß Flugreisen die einen viel höheren CO2 Ausstoß haben als beispielsweise Bahnreisen(Beispiel Mannheim - Paris 140 Kg/CO2 Ausstoß pro Person und Reise - Bahn: 20 kg/CO2) viel viel günstiger sind!
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