Ausbau der B15 in Oberbayern Die verschleierte Autobahn

Das umstrittenste Verkehrsprojekt in Oberbayern: Die B15neu.

Innenminister Joachim Herrmann hat neue Pläne für die Bundesstraße 15 östlich von München präsentiert. Doch der autobahnähnliche Querschnitt stößt selbst bei der lokalen CSU auf Ablehnung.

Von Hans Kratzer, Ralf Scharnitzky und Christian Sebald

So hatte sich das Joachim Herrmann nicht vorgestellt. Eigentlich wollte der Innenminister bei seinem Besuch in Dorfen (Kreis Erding) die Jahrzehnte lange Debatte über die B 15 neu - eines der umstrittensten Straßenprojekte in Oberbayern - voranbringen. Dass Grüne, SPD und Bürgerinitiativen dabei kein gutes Haar an Herrmanns Vorstoß lassen würden, dürfte er erwartet haben. Aber dass auch die lokale CSU geschlossen Front macht gegen Bayerns obersten Straßenbauer, damit hatte er nicht gerechnet.

"Unsäglich" schimpfen die einen, "Unverschämtheit" die anderen. Und Erdings Landrat Martin Bayerstorfer, der in der CSU nicht als Revoluzzer gilt, lässt seinen Kreistag demnächst beschließen, dass sie überhaupt nichts halten von Herrmanns Idee. Auch Umweltministerin Ulrike Scharf, die in Erding daheim ist, nennt die Pläne "nicht akzeptabel".

Die Bundesstraße B 15 neu, über die sie sich die Köpfe heißreden im Osten von München, zählt nicht nur zu den umstrittensten Straßenprojekten in Oberbayern. Sie ist eines der ältesten, die ersten Pläne datieren aus den 1960er Jahren. Damals sollte einmal eine 130 Kilometer lange Autobahn Regensburg, Landshut und Rosenheim miteinander verbinden.

Die Autobahn-Pläne sind denen für eine Bundesstraße gewichen. Aber für eine, die sich mit vier Fahrspuren und Standstreifen wie eine Autobahn durchs Hügelland frisst, wie man an den knapp 30 fertig gestellten Straßenkilometern im Norden von Landshut besichtigen kann. Für die Straßenplaner ist das nur konsequent. Denn die B 15 neu soll ja die Autobahnen A 93, A 92, A 94 und A 8 verknüpfen und "großräumigen Nord-Süd-Verkehr aufnehmen", wie sie sagen.

Zündstoff aus Asphalt

Der geplante Ausbau der Bundesstraße von Regensburg nach Rosenheim spaltet eine ganze Region. Die B 15 soll zu einer autobahnähnlichen Nord-Süd-Achse mit insgesamt vier Fahrspuren werden. Die Argumente der Gegner und Befürworter im Überblick. Von Heiner Effern und Wolfgang Wittl mehr ...

"Überflüssiges Monster, das unsere Heimat zerstört"

Die Gegner lehnen die Pläne seit jeher ab. Die neue Straße sei ein "überflüssiges Monster, das unsere Heimat zerstört", sagt Gisela Floegel. Die 69-jährige Grünen-Stadträtin aus Vilsbiburg und Vorsitzende des Bündnisses "Stop B 15 neu" bekämpft das Projekt seit mehr als 40 Jahren. Die örtlichen Initiativen haben im Bund Naturschutz (BN) einen mächtigen Unterstützer. "Die B 15 neu wäre eine weitere Nord-Süd-Trasse zwischen den Nordseehäfen und Italien, sie brächte eine drastische Zunahme des Lkw-Verkehrs durch die Alpen", lautet das Credo von BN-Chef Hubert Weiger. "Das lehnen wir ab, der Bund muss von seiner veralteten Straßenbaupolitik lassen und den Schienenverkehr ausbauen."

Bürgerinitiativen und BN wollen nur die Fertigstellung des nördlichen Teilabschnitts bis zur A 92 nahe Landshut zulassen. Den Weiterbau südlich von Landshut lehnen sie strikt ab. Auch viele Kommunen sind gegen einen Weiterbau der B 15 neu auf ihrer Flur. Im Kreis Mühldorf aus dem Staatskanzleichef Marcel Huber stammt, haben sie das sogar mit einem Beschluss des Kreistags untermauert.

Gleichwohl will Hermann bislang nicht von den Plänen lassen. Zumal die Wirtschaft die neue Straße fordert. "Die Unternehmen im Freistaat brauchen dringend ein leistungsstarkes Verkehrsnetz", sagt Bertram Brossardt von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. "Dazu gehört die B 15 neu, als Entlastung für die überfüllten Nord-Süd-Autobahnen." Auch in der Region Landshut drängen sie auf den Weiterbau. "Sollte die B 15 neu bei Landshut enden, donnert der gesamte Verkehr durch unsere Stadt", sagt OB Hans Rampf (CSU). "Das machen unsere Bürger nicht mit."

Erdinger Kommunen drängen auf Ortsumfahrten

Die Konsequenz für den Innenminister: Er wollte die bisherige Trasse hinter Landshut einfach ein Stück nach Westen in den Landkreis Erding verschieben. Der Grund dafür könnte der vergleichsweise geringe Widerstand dort gegen das Projekt gewesen sein. Außerdem könnte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Da viele Erdinger Kommunen auf Ortsumfahrten drängen, könnte man - so Herrmanns Kalkül - den Bau der B 15 neu mit dem Bau von Umgehungen verbinden.

Angesichts des Zorns in der Region rudert der Minister nun zurück. "Unser vorrangiges Ziel muss es sein, die bestehenden Ortsdurchfahrten vom Durchgangsverkehr zu entlasten", ließ er am Dienstag verlauten. Und was die B 15 neu anbelangt, da will er sich noch einmal mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt beraten. Womöglich müsse die Straße südlich von Landshut ja nicht ganz so gigantisch ausfallen wie im Norden der Stadt. Vielleicht reiche ja eine "normale Bundesstraße mit wechselnden Überholmöglichkeiten" aus.